: Frank Bonkowski, Thomas Klappstein, Mickey Wiese
: Trio Infernale Edition
: Weihnachtswunderzeit Kleine Geschichten zum großen Fest
: Books on Demand
: 9783754381267
: 3
: CHF 4.40
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 146
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wenn das Trio Infernale, eine Gruppe junggebliebener oft eigenwillig (andere sagen originell oder schräg) denkender Theologen und Autoren sich entschließt, gemeinsam ein Weihnachtsbuch mit ihren besten Kurzgeschichten zum Thema Advent und Weihnachten zu veröffentlichen, darf man sicher sein, daß es keine alltäglichen und vor allem keine 08/15 Geschichten zur wundersamsten Zeit des Jahres sind. Da kommt das bis an sein höchsten Bord geladene Schiff aus einem der ältesten deutschsprachigen Advents- und Weihnachtslieder schon mal als zeitreisendes Raumschiff daher, Weihnachten wird im Waschsalon gefeiert, ein letzter Weihnachtsbaum erleuchtet die Hölle und in ZoomNACHTEN wird spekuliert, wie der Ursprung von Weihnachten im Zeichen von Corona hätte ablaufen können. Ein geschäftstüchtiger Wirt verteidigt sein Verhalten gegenüber unerwünschten ausländischen Gästen zur Zeit als Weihnachten seinen Anfang nahm, ein königlicher Tyrann blickt auf frühere Weggabelungen seines Lebens zurück und eine Pastorentochter gibt Einblick in ihr Tagebuch im Advent. Eine U-Bahnlinie wird am Heiligen Abend zur Weihnachtswunderlinie, im Knast werden zur Weihnachtszeit tausende von (Sommer-)Blumen zum Blühen gebracht, was es im Norden für interessante Phänomene zu beobachten gibt, wird in der Wikingerweihnacht geschildert und wie Corona für einen Weihnachtswunderwunschbaum gesorgt hat, kann man auch nachlesen. 15 kleine Geschichten zum großen Fest vom Trio Infernale die es in sich haben. Von 3 Autoren - Frank Bonkowski, Thomas Klappstein, Mickey Wiese - die es drauf haben, sich schätzen und mögen und die wundersame Zeit von Weihnachten und den, der Weihnachten ins Rollen gebracht hat, einfach lieben.

Frank Bonkowski, verheiratet mit Loretta (Musikerin& Sängerin), drei Kinder (zwei Töchter, einen Sohn) * Theologische Ausbildung in Deutschland und Kanada * 17 Jahre Jugend- u. Gemeindearbeit sowie Gemeindegründungsarbeit an der kanadischen Westküste (Segelt, Sunshine Coast, nahe Vancouver, B.C.) * Lebt seit 2005 Jahren wieder in Deutschland, in Bad Segeberg, wo er als Buchautor Referent und Seminarlehrer arbeitet. War hier auch bis Anfang 2021 als Pastor in Teilzeit angestellt und ist als solcher seit Herbst 2021 in Hamburg tätig. Mehrere Bücher im Brendow Verlag und im Aussaat Verlag der Neukirchener Verlagsgesellschaft. Mehr gibt es auf seinem Blog:"www.untenwieoben.d "

WEIHNACHTEN IM LINIENBUS


Von Mickey Wiese

Die Linie 776 war eine besondere Buslinie. Ihre Fahrer waren Busfahrer aus Berufung und Leidenschaft, manche schon in der 3. Generation. Zumindest half ihnen diese Betrachtungsweise über die schlechte Bezahlung und die mangelnde Wertschätzung ihres Berufsstands in der Bevölkerung hinweg. Der ganzen Bevölkerung? Nein. Diejenigen, die noch mit den Herzen sehen konnten, sahen bisweilen auch noch etwas Anderes in diesen Männern. Vor allem die Kinder fuhren immer wieder gerne mit.

Manchmal verabredeten sie sich sogar dort im Bus, um ein paar Runden zu fahren, mit den Fahrern zusammenzusein und mit ihnen zu reden, weil die immer freundlich zu ihnen waren und zuhörten. Und mit der Zeit wurden die Busfahrer der Linie 776 so immer mehr zu modernen Hirten, die auf ihre Herde aufpassten und schauten, dass es allen gutgeht.

Sie fuhren vorsichtig, wenn sie sahen, dass auf der letzten Bank Hausaufgaben gemacht wurden oder eine alte Dame noch keinen Sitzplatz gefunden hatte.

Die Strecke des 776ers führte durch moderne Hochhaussiedlungen und alte Dorfkerne, soziale Brennpunkte, öde Landschaften, an der Gesamtschule vorbei, in die die meisten Kinder der Gegend gingen, bis hin zu einem großen Einkaufszentrum.

Dragan Müller war einer der Fahrer. Er war ein gläubiger Mensch und hätte viel lieber die Linie 777 gefahren, aber die fuhr mittlerweile nur noch im Tal der Reichen, und nicht jeder durfte dort ans Steuer. Dragan gehörte jedenfalls nicht dazu. Dazu hatte er schon zu oft Ärger gehabt. Unter anderem auch immer wieder, weil er sich den Kindern gegenüber freundlich zeigte, ihnen Geschenke machte, sich mit ihnen sehr privat unterhielt und Außenstehende das des Öfteren als Grenzüberschreitungen empfunden hatten. Dabei haben sie seine Motivation komplett missverstanden. Aber sie konnten ja nicht wissen, wo er herkam, und dass im Balkankrieg seine Geschwister und sein Vater vor seinen Augen und denen seiner Mutter erschossen worden waren. Seine Mutter Snejana und er hatten nur fliehen können, weil sein Vater sich im Todeskampf über sie geworfen und die Angreifer sie für tot gehalten hatten. Danach waren sie durch die Wirren des Kriegs über dunkle Transportkanäle fast ein ganzes Jahr lang nach Deutschland geflohen.

Da war Dragan 7 Jahre alt gewesen. Als er 8 geworden war, hatte seine Mutter an Weihnachten den Busfahrer Martin Müller kennengelernt. Die beiden heirateten, und Martin war Dragan ein guter Vater geworden. Auch darum war Dragan Busfahrer geworden – nicht nur wegen dem vergeigten Hauptschulabschluss.

Durch seine Geschichte hatte Dragan immer einen besonderen Blick für Kinder, denen es nicht so gut ging, die Mangelerfahrungen im weitesten Sinne hatten. Und aus denen setzten sich hauptsächlich die Fahrgäste der Linie 776 zusammen. Sie trafen sich sozusagen in ihrem externen Kinderzimmer als einem sicheren Raum.

Das Ungewöhnlichste waren sicherlich alljährlich die Feiertage, allen voran Weihnachten. Feiertage bescherten den Familien, zumindest in dieser Gegend, neben Rührseligkeit vor allem auch ein erhöhtes Konfliktpot