: Hinderk M. Emrich, Udo Schneider, Markus Zedler
: Welche Farbe hat der Montag? Synästhesie: das Leben mit verknüpften Sinnen
: S.Hirzel Verlag
: 9783777631394
: 3
: CHF 19.50
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: Naturwissenschaft
: German
: 100
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Blauer Wein oder Buchstaben, zu denen bestimmte Farben gehören, farbige Himmelsrichtungen oder Musik, die hörend auch in Formen und Strukturen erlebt wird. Wer solche Wahrnehmungen hat, gehört zu den Synästhetikern. Lange wurde dieses Phänomen von der Wissenschaft wenig beachtet. Das ist heute anders, auch dank Psychiatern wie Hinderk Emrich. Dieses Buch präsentiert nicht nur den Standpunkt der modernen Neurowissenschaft zum Rätsel Synästhesie; es wagt sich auch in philosophische Randgebiete. Wie sieht das Leben eines Synästhetikers aus und wie funktioniert eigentlich unsere Wahrnehmung überhaupt?

Professor Dr. Dr. Hinderk M. Emrich leitete bis 2008 die Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit ist philosophische Psychologie. Er interessiert sich seit vielen Jahren für Synästhesie, hat zahlreiche Artikel darüber in Fachzeitschriften veröffentlicht und Vorträge darüber gehalten.

Vom Reiz zur Wahrnehmung

Das menschliche Gehirn verarbeitet bewusst und unbewusst Informationen, die von außen oder auch aus dem zentralen Nervensystem selbst kommen. Zu seinen Tätigkeiten gehören Wahrnehmen, Erkennen, Vorstellen, Denken, Abspeichern, Planen von Handlungen, Kommunikation usw. Hier soll die Funktion des Gehirns nur kurz dargestellt werden; ausführlicher nachlesen kann man dies z. B. in Carter (2019).

Die Sprache der Nervenzellen

Reize aus der Umwelt können nicht direkt auf das zentrale Nervensystem einwirken, gleichgültig, worum es sich handelt. Zunächst muss jeder Sinnesreiz in die neuroelektrisch-neurochemische »Einheitssprache« des Nervensystems umgewandelt werden. Dies bezeichnet man auch als »sensorische Transduktion«.

Um zu verstehen, wie Informationen verarbeitet und weitergeleitet werden, muss man zunächst wissen, wie eine einzelne Nervenzelle (Neuron) funktioniert. Für die Informationsverarbeitung ist sie die entscheidende Einheit. Eine solche Nervenzelle besteht aus einem Zellkörper, den Dendriten (baumartig aussehende Zellfortsätze der Nervenzelle) und einem schlauchartigen Nervenzellfortsatz (Nervenfaser oder Axon). Elektrische Signale werden über die Dendriten empfangen und über die Nervenfaser (Axon) an andere, unter Umständen sehr weit entfernt liegende Nervenzellen weitergegeben.

In einem dunklen, nicht eigentlich schwarzen Raum erstrahlt »süß« als ein gläsern schillerndes, gelbes Objekt mit einer feinen roten Umrandung (oben). Form und Farben stammen vom geschriebenen Wort »süß«; das grelle Gelb des ü überstrahlt das Rot von s und ß (unten). Aquarelle von Insa Schulz

Gymnopedie Nr. 1 von Erik Satie. Der obere orangefarbene Strich stellt die Melodiestimme, die untere Figur die Begleitstimme des Klaviers dar. Ausschnitt aus einer Computeranimation von Matthias Waldeck

Beim Hören einer romantischen Musik kurz vor dem Einschlafen. Aquarell von Karin Heller-Engel

Schostakowitsch. Dreidimensionale Darstellung eines 30 Sekunden langen Ausschnitts seines ersten Klavierkonzerts, zweiter Satz. Objekt von Matthias Waldeck

Die Infor