: Terry Pratchett
: Der zerstreute Zeitreisende Storys | 17 bisher unveröffentlichte, liebevoll illustrierte Kurzgeschichten vom Großmeister der Funny Fantasy
: Piper Verlag
: 9783492601368
: 1
: CHF 13.50
:
: Fantasy
: German
: 336
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Vom Erfinder der Scheibenwelt und dem Großmeister der Phantastik Terry Pratchett stammen diese 17 bisher unveröffentlichten Kurzgeschichten aus den Anfängen seines Schaffens. Ursprünglich für Tageszeitungen verfasst, erscheinen diese nun erstmals gebündelt in Buchhform. Die Vorstellungskraft kann einen auf den Gipfel des höchsten Berges oder auf den Grund des tiefsten Meeres bringen. Dahin verschlägt es Doggins bei seinem Abenteuer. Auf dem Mond landen drei junge Erfinder, wo sie eventuell eine Flasche Limonade vergessen haben. Und ein Höhlenmensch macht sich auf den Weg zum Zahnarzt.

Terry Pratchett, geboren 1948 in Beaconsfield, England, erfand in den Achtzigerjahren eine ungemein flache Welt, die auf dem Rücken von vier Elefanten und einer Riesenschildkröte ruht, und hatte damit einen schier unglaublichen Erfolg: Ein Prozent aller in Großbritannien verkauften Bücher sind Scheibenweltromane. Jeder achte Deutsche besitzt ein Pratchett-Buch. Bei Piper liegen der erste Scheibenweltroman »Die Farben der Magie« sowie die frühen Bände um Rincewind, Gevatter Tod, die Hexen und die Wachen vor - Meisterwerke, die unter den Fans einhellig als nach wie vor unerreicht gelten. Terry Pratchett erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den »World Fantasy Lifetime Achievement Award« 2010. Zuletzt lebte der Autor in einem Anwesen in Broad Chalke in der Grafschaft Wiltshire, wo er am 12. März 2015 verstarb.

Ub und die Kröte


Es war ein schöner sonniger Tag im Garten, und das einzige Geräusch stammte von den Bienen, die um die Blüten herumsummten.

Am Ende des Gartens, hinter dem heruntergekommenen Schuppen – dort, wo Gras und Unkraut über zerbrochene Blumentöpfe und rostige Werkzeuge hinwegwucherten – trug ein Bataillon roter Ameisen ein Stück Brot zum Ameisenhaufen. Immer wieder hörte man kleine Rufe wie »Vorwärts, Kameraden!« und »Tritt mir nicht auf die Füße!«, als der Brotbrocken an Steinen vorbeigetragen und durchs Gras geschleppt wurde.

Eine Heuschrecke namens Ern saß hoch oben auf einer Distel. Sie schlief halb und hatte nur ein Auge geöffnet, das plötzlich den Feind entdeckte. Ern sprang rasch auf einen Grashalm und zirpte eine Nachricht:

Andere Heuschrecken hörten Ern und gaben die Botschaft von Grashalm zu Grashalm weiter.

Die Ameisen vernahmen die Warnung und schafften es zum Ameisenhügel, kurz bevor die Zugänge geschlossen wurden.

Käfer, Schmetterlinge, Fliegen und Spinnen, sie alle hörten Ern, und es dauerte nicht lange, bis die Wildnis aus Gras und Unkraut hinter dem Schuppen leer war. Alle Insekten suchten so schnell wie möglich Unterschlupf in irgendwelchen Löchern oder hoch oben auf Halmen.

»Die Kröte kommt!«, lautete der unheilvolle Ruf.

Die Schnecken zogen sich unter ihren alten Stein zurück und schoben ein Stück verwittertes Holz vor den Eingang. Sie mochten die anderen nicht sonderlich, aber von allen anderen mochten sie die Kröte am wenigsten.

Selbst die Würmer ergriffen die Flucht und krochen tief in den kühlen, feuchten Boden.

Die Grashalme raschelten, als sich die Kröte näherte und den zurückgelassenen Brotbrocken fand. Hunderte von Augen beobachteten aus Löchern und Ritzen, wie die Kröte ihre klebrige lange Zunge ausstreckte und den Brocken in einem Stück verschlang. Die armen Ameisen hatten drei Wochen gebraucht, um ihn vom Rasen beim Vogelhaus herbeizuschleppen.

Die Kröte schnüffelte eine Zeit lang herum und suchte mit böse blickenden Augen in den Schatten unter den Ampferblättern.