Ub und die Kröte
Es war ein schöner sonniger Tag im Garten, und das einzige Geräusch stammte von den Bienen, die um die Blüten herumsummten.
Am Ende des Gartens, hinter dem heruntergekommenen Schuppen – dort, wo Gras und Unkraut über zerbrochene Blumentöpfe und rostige Werkzeuge hinwegwucherten – trug ein Bataillon roter Ameisen ein Stück Brot zum Ameisenhaufen. Immer wieder hörte man kleine Rufe wie »Vorwärts, Kameraden!« und »Tritt mir nicht auf die Füße!«, als der Brotbrocken an Steinen vorbeigetragen und durchs Gras geschleppt wurde.
Eine Heuschrecke namens Ern saß hoch oben auf einer Distel. Sie schlief halb und hatte nur ein Auge geöffnet, das plötzlich den Feind entdeckte. Ern sprang rasch auf einen Grashalm und zirpte eine Nachricht:
Andere Heuschrecken hörten Ern und gaben die Botschaft von Grashalm zu Grashalm weiter.
Die Ameisen vernahmen die Warnung und schafften es zum Ameisenhügel, kurz bevor die Zugänge geschlossen wurden.
Käfer, Schmetterlinge, Fliegen und Spinnen, sie alle hörten Ern, und es dauerte nicht lange, bis die Wildnis aus Gras und Unkraut hinter dem Schuppen leer war. Alle Insekten suchten so schnell wie möglich Unterschlupf in irgendwelchen Löchern oder hoch oben auf Halmen.
»Die Kröte kommt!«, lautete der unheilvolle Ruf.
Die Schnecken zogen sich unter ihren alten Stein zurück und schoben ein Stück verwittertes Holz vor den Eingang. Sie mochten die anderen nicht sonderlich, aber von allen anderen mochten sie die Kröte am wenigsten.
Selbst die Würmer ergriffen die Flucht und krochen tief in den kühlen, feuchten Boden.
Die Grashalme raschelten, als sich die Kröte näherte und den zurückgelassenen Brotbrocken fand. Hunderte von Augen beobachteten aus Löchern und Ritzen, wie die Kröte ihre klebrige lange Zunge ausstreckte und den Brocken in einem Stück verschlang. Die armen Ameisen hatten drei Wochen gebraucht, um ihn vom Rasen beim Vogelhaus herbeizuschleppen.
Die Kröte schnüffelte eine Zeit lang herum und suchte mit böse blickenden Augen in den Schatten unter den Ampferblättern.