: Rainer Gross
: Winterherz Bericht eines Bestehens
: Books on Demand
: 9783754369715
: 1
: CHF 5.30
:
: Romanhafte Biographien
: German
: 236
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Schriftsteller, der an einer Borderline-Struktur leidet, macht sich bereit, den ersten Corona-Winter zu überstehen. Dabei baut er auf sein Schreiben, auf die Liebe seiner Frau Anna und nicht zuletzt auf seine Beziehung zu Gott. Die kleinen Dinge des Alltags helfen ihm dabei: Rauchen auf dem Balkon, Tee trinken, Windlichter anzünden, die Duftlampe, ein heißes Bad am Abend. Aber der Winter ist lang und dunkel. Wird er ihn bestehen? Ein Buch, das einen ganz besonderen Alltag beschreibt, das Mut macht und zeigt, wie wichtig es ist, jeden Tag eine Hoffnung zu haben.

Rainer Gross, Jahrgang 1962, geboren in Reutlingen, studierte Philosophie, Literaturwissenschaft und Theologie. Heute lebt er mit seiner Frau als freier Schriftsteller wieder in seiner Heimatstadt. Bisher u.a. erschienen: Grafeneck (2007, Glauser-Debüt-Preis 2008); Weiße Nächte (2008); Kettenacker (2011); Kelterblut (2012); Die Welt meiner Schwestern (2014); Yûomo (2014); Haus der Stille (2014); Schrödingers Kätz-chen (2015); Haut (2015); My sweet Lord (2016); Die sechzigste Ansicht des Berges Fuji (2017); In der fernen Stadt (2017); Räucherstäbchenjahre (2018); Der Teehändler (2019); Er sollte nicht ahnen (2019); Lebkuchenstadt (2020); Schatzkiste (2020); Ein Nachmittag am Bondi Beach (2020); Flieg zum Regenbogen (2020); Im Herz aller Dinge (2020); In La Coruna geht Picasso zu den jungen Stieren (2021); Neugeboren (2021); Skymning (2021).

Dienstag, 29. September


Er steht nackt im Bad und lässt das Wasser einlaufen. Eine Kappe Wacholderöl, gelb und duftend. Dann setzt er sich hinein. Das heiße Wasser kribbelt an den Beinen. Es ist ein bisschen beengt, ja, die Badewanne ist tatsächlich zu klein – aber diese Wohltat am Körper!

Er streckt sich lang, stellt die Beine auf. Anna heizt schon einmal die Stube ein. Aus dieser Perspektive hat er das Badezimmer noch nie gesehen. Er hat hier in den sieben Jahren noch nie gebadet, weil ihm die Wanne immer zu klein war.

Er liest ein japanischesGraphic Novel. Ein Mann geht mit dem Hund seiner Freunde spazieren. Durch die Straßen von Tokio. Er lässt ihn einen Ball apportieren und erinnert sich an seine Kindheit, als er für die Großen beim Baseball immer die Bälle holen musste.

Dann seift er sich mit Rosmarinseife aus Südfrankreich ein.

Im Wohnzimmer schlüpft er gleich unter die Decke und zieht die Kapuze seiner Sweatjacke über. Es ist noch hell. Anna bereitet in der Küche das Abendessen vor.

Nun kann der Winter kommen, denkt er und reibt sich vergnügt die Hände.

Freitag, 2. Oktober


Der Föhnsturm reißt ihm die Asche vom Zigarillo. Warm wie ein Frühlingswind, heftig wie der Mistral. Mülleimer rasseln keine durch die Straßen. Aber bei jeder Bö auf dem Balkon tanzen die Töpfe. Jetzt drinnen sitzen am Kamin, denkt er, das Dachgebälk ächzen hören und in seiner Knold-Pfeife eine Orientmischung rauchen – das wär‘s!

Samstag, 3. Oktober


Dreißig Jahre deuts