KAPITEL 1
Kälte.
Das Gefühl veränderte alles.
Es war gerade einmal anderthalb Tage her, dass ich meine kleine kantige Küste zurückgelassen hatte, und ich muss ehrlich zugeben, dass ich kurz davor war umzukehren.
Es wäre jedenfalls nicht das erste Mal gewesen. Ein paar Tage nach meiner Ankunft auf diesem seltsamen neuen Land hatte ich genug übers Herstellen gelernt, um – praktisch aus Versehen – ein Boot ähnlich wie das, in dem ich gerade saß, zusammenzuschustern. Damals war ich so unerfahren und erschöpft und wild darauf, der Insel so schnell wie möglich zu entkommen, dass ich Hals über Kopf zum Strand rannte und in Richtung Horizont drauflospaddelte.
Diese unüberlegte Aktion hätte mich beinahe zum Verschollenen gemacht.
Diesmal – eine gefühlte Ewigkeit später – war ich fest entschlossen, denselben Fehler nicht noch einmal zu machen. Eine ganze Woche hatte ich damit verbracht, Proviant und Ausrüstung für die lange Reise vorzubereiten. Ich hatte eine Menge Nahrung eingepackt, Werkzeug und Rohmaterial zur Herstellung, und das Wichtigste: Hilfsmittel zur Navigation wie einen Kompass und eine fast leere Karte. Ich sage »fast«, weil meine kleine Insel ganz am östlichen Rand erschien … und zwar buchstäblich. Kaum hatte ich das Papier der Werkbank entnommen, breitete sich auf der zuvor bräunlichen Oberfläche das perfekte Abbild meiner Insel aus der Vogelperspektive aus.
Sogar ich war darauf zu sehen, dargestellt durch einen kleinen weißen Pfeil, der sich mit mir bewegte und drehte. Ich weiß noch, wie beeindruckt ich war.Das ist toll, dachte ich.Mit Karte und Kompass kann ich mich jetzt nicht mehr verirren!
Dank der Anleitung aus der Mine wusste ich, wie man eine Karte erweitert, indem man das Original mit acht Bögen Zuckerrohrpapier umringt. Diesen Vorgang hatte ich so oft wiederholt, bis die Insel nur noch ein kleiner, braun-grüner Fleck umgeben von einem dünnen, blauen Ring war. Der Rest blieb frei. Mein Stück Land wirkte in dieser riesigen unerforschten Welt winzig. Ich erinnere mich noch genau, wie ich mich gefühlt habe – ängstlich und aufgeregt zugleich.Was wohl da draußen ist?
Nun, ich würde noch ein paar Wochen warten müssen, bis ich es herausfand. Denn so lange dauerte es, mein erstes Buch zu schreiben. Ich wollte es hier zurücklassen – für andere, die mein Schicksal teilten. Es war ein Bericht all meiner Abenteuer und der Lektionen, die ich aus ihnen gelernt hatte. Die letzte dieser Lektionen war diejenige, die mich zurück aufs Meer trieb:
Um als Mensch zu wachsen, darfst du es dir nicht in deiner Komfortzone gemütlich machen. Du musst aus ih