Wie nicht anders zu erwarten, war der Unfall kurze Zeit Dorfgespräch, etwas länger vielleicht beim „Fleckenhock“ („Fleggahock“), den in der Ortsmitte stattfindenden Dorffesten. Dennoch: Bis heute erinnert man sich in meiner Heimat an dieses Ereignis, wenn etwas über meine sportlichen Erfolge in der Zeitung steht. Aber im Dorf wird ein solcher Unfall – wie so viele andere vorher und nachher – als etwas gleichsam Normales begriffen. So etwas passiert eben, kann vorkommen und führt in einem traditionell funktionierenden und intakten Dorf nicht zu Isolierung und Ausgrenzung als „Krüppel“ oder – modern – als Mensch mit Handicap und auch nicht zu sentimentalem, falschem Mitleid. Ähnlich sieht das der ohne Arme geborene Hornist Felix Klieser. In seinem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 2. Mai 2015 sagt er: „Ich komme vom Dorf. Dort habe ich mit den anderen Kindern gebolzt, gerauft, Briefkästen in die Luft gesprengt und anderen Schabernack getrieben.“ Im Dorf nimmt man Schicksale an, akzeptiert sie. Denn alles Kopfschütteln, Sichwundern, Sichentsetzen und Sichauflehnen hilft ja doch nichts. Nur mein Vater konnte seither nichts mehr mit mir anfangen. Er war auch nicht bereit, die Schuld an dem Unfall auf sich zu nehmen, anderenfalls hätte ich eine lebenslange Rente bekommen.
Schon vier, fünf Tage nach dem Unfall, noch im Ulmer Bundeswehrkrankenhaus, fing ich an, mich durchzubeißen, trotz Han