: Peter Kleine
: Hoffnung auf ein Wiedersehen Adaption von William Shakespeares"Komödie der Irrungen"
: Frieling-Verlag Berlin
: 9783828036468
: 1
: CHF 7.00
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: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 216
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Am Ende des Zweiten Weltkriegs wird Familie Baran bei der Flucht aus Ostpreußen auseinandergerissen. Martin Baran und Zwillingssohn Wilhelm sowie Zögling Ludwig landen in West-Berlin, während es Marielle, Martins Ehefrau, und Wilm, den anderen Zwillingssohn, nebst Zögling Luggi nach Ost-Berlin verschlägt. Die beiden Familienhälften haben sich aus den Augen verloren. Doch Martin Baran gibt nicht auf. Er macht sich Anfang der Siebzigerjahre wie auch Sohn Wilhelm und Zögling Ludwig nach Ost-Berlin auf, um nach der anderen Hälfte der Familie zu suchen. Die Spur führt nach Köpenick und Prenzlauer Berg. Allerdings geht jede Menge schief. Martin verletzt die DDR-Grenzbestimmungen und bekommt es mit der Volkspolizei zu tun. Wilhelm und Ludwig stellen sich zwar schlauer an, dennoch erwarten sie heftige Turbulenzen, als Wilm und Luggi aufkreuzen. Vorhang auf für eine Verwechslungskomödie, die, frei nach Shakespeares Theaterstück"Komödie der Irrungen", bei den Protagonisten für allerlei Aufregungen sorgt und sie vor dramatische Situationen stellt. Wird es den Barans gelingen, sich wieder in die Arme zu schließen? Auch wenn die Orte der Handlung und die Epochen andere sind, hält sich"Hoffnung auf ein Wiedersehen" an die Shakespeare'sche Vorlage und verspricht ein ebensolches anspruchsvolles Lesevergnügen.

Dr. Peter Kleine wurde 1953 im Emsland geboren und wuchs in Büren bei Paderborn auf. Nach dem Abitur studierte er Anglistik und Geschichte in Marburg. Bereits während des Studiums entdeckte er seine Faszination für Shakespeares Werke, woraufhin er über die Historiendramen des weltberühmten Dramatikers promovierte. Von 1979 bis 2018 war er in Amöneburg, Duisburg, Paderborn und Bad Driburg im Schuldienst tätig. Die Liebe zum Theater begleitet ihn ein Leben lang. Im Laufe der Jahre inszenierte er über 20 Theaterstücke, stets mit der Absicht, die Werke populärer Autoren authentisch und volksnah auf die Bühne zu bringen. Peter Kleine veröffentlichte zahlreiche Beiträge zur Didaktik des Englisch- und Geschichtsunterrichts, ehe er sich vollständig dem Verfassen von literarischen Texten widmete. Peter Kleine lebt heute in Bad Driburg.

FLUCHT AUS OSTPREUßEN


„Ja, genau. Denn bis vor kurzem habe ich nicht gewusst, ob sie überhaupt noch leben. Wir sind seinerzeit aus Gumbinnen geflohen und haben uns auf den Weg nach Pillau gemacht, wo die Schiffe Flüchtlinge aufnahmen und in den Westen brachten. Wir wollten alle gemeinsam mit einem Fischdampfer fahren, als es plötzlich hieß, das Schiff könne nicht alle Personen aufnehmen. Wir hatten uns ursprünglich vorgenommen, gemeinsam mit dem Schiff, es hießStargard, in den Westen zu fliehen. Als es Schwierigkeiten gab, entschieden wir, dass notfalls meine Frau mit zwei kleinen Kindern – wir hatten vier Kinder bei uns – das Schiff nimmt und ich mit den beiden anderen nachkomme. Und so kam es: Wir hatten keine andere Wahl, denn es durften nicht mehr als drei Personen einer Familie das Schiff besteigen, das wohl nach Dänemark auslaufen sollte. Ob es da aber angekommen ist, weiß ich bis heute nicht.“

Baran legte eine Pause ein und nahm erneut einen Schluck Wasser. Seine Erregung durch die Erzählung von der Flucht war deutlich zu spüren. Rehwald setzte die Befragung fort: „Wieso kommen Sie denn nun nach über 20 Jahren auf die Idee, Ihre Angehörigen zu suchen?“ Die Stimme klang ruhig und verständnisvoll, denn die Betroffenheit seines Gegenübers war ihm nicht entgangen.

Baran nahm das Glas in beide Hände und drehte es nervös auf dem Tisch: „Vor einigen Wochen machte mich mein Sohn, der in Westberlin wohnt, darauf aufmerksam, dass die Suchdienste des Roten Kreuzes der Bundesrepublik und der DDR eine neue gemeinsame Initiative gestartet hätten, um Familien und Verwandte, die als vermisst gelten, noch einmal zu registrieren. Mein Sohn hatte sich bereits damit abgefunden, seinen Zwillingsbruder nicht mehr zu sehen, zumal er den nie gekannt hat. Mich hat der Gedanke aber nie losgelassen zu prüfen, ob meine Frau und unser zweiter Sohn bei der Flucht ums Leben gekommen sind oder vielleicht noch hier leben.“

Rehwald, der nach dem Krieg ebenfalls mit seiner Familie geflüchtet war, entwickelte Verständnis für Barans Problem und fragte: „Wieso kommen Sie denn auf die Idee, hier im Osten Berlins zu suchen, wenn die drei Personen doch nach Westen gefahren sind?“

Baran erklärte: „Wir hatten vor unserer Trennung vereinbart, dass wir nach Berlin flüchten wollten. Dabei hatten wir Berlin-Treptow als Ziel ins Auge gefasst, ohne uns allerdings genau festzulegen. Ich habe dann nach 1945 versucht, etwas zu klären, aber bin völlig ohne Ergebnis geblieben.“

„Und warum sind Sie dann nicht in den Ostteil der Stadt, die heute Hauptstadt der DDR i