: Peter Koch, Klaus Stanke
: 50 Jahre Systematische Heuristik
: Books on Demand
: 9783753475202
: 1
: CHF 5.30
:
: Technik
: German
: 232
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Systematische Heuristik (SH) ist eine wichtige Methode zur Effektivierung und Rationalisierung gedanklicher Arbeitsprozesse in Forschung und Entwicklung. Sie ist eng verbunden mit dem Wirken des Chemnitzers Hochschullehrers Johannes Müller und hatte Einfluss auf mehrere Generationen von Ingenieuren in der DDR, vor allem im Bereich von Konstruktionstechnik und Maschinenbau. Ihre Blütezeit erlebte die SH Anfang der 1970er Jahre, wo sie zwei Jahre als"Abteilung Heuristik" die Chemnitzer Außenstelle der AMLO massiv staatlich gefördert wurde. Mit dem Erstarken von Honeckers Einfluss wurden diese Strukturen allerdings aufgelöst. Auch danach spielte die SH in der studentischen Ausbildung eine wichtige Rolle und hatte großen Einfluss auf Gedankengut zu systematischen Innovationsmethodiken, etwa in den DDR-Erfinderschulen der 1980er Jahre. Die Autoren nehmen 50 Jahre SH zum Anlass, diese inzwischen gut vergessenen Ansätze genauer darzustellen und in Erinnerung zu rufen. Das Manuskript ist im Kontakt mit vielen ehemaligen"Heuristikern& uot; entstanden, die eigene Biographien im Kontext der durch die SH erhaltenen Impulse darstellen. Daraus leiten die Autoren eine Reihe von"Denkanstößen" ab, mit denen auf Defizite der heutigen technischen Ausbildung im Bereich heuristischer Methoden in Schule und Hochschule hingewiesen wird.

Prof. Dr.-Ing. habil. Peter Koch (Jg. 1936) war bis 1962 Werkzeugmacher, Schweißer und nach Abitur und Hochschul-Studium mit Abschluss als Dipl.-Ing. Maschinenbau an der TH Chemnitz und als Schweißingenieur am Zentralinstitut für Schweißtechnik Halle/Saale tätig. Bis 1969 arbeitete er als Assistent, Oberassistent und Lehrgebietsleiter Konstruktionslehre an der TU Chemnitz, Institut für Maschinenelemente, wurde 1967 zum Dr.-Ing. promoviert und war fünf Jahre im Fachausschuss für Schweißtechnik der DDR (Gutachter) und Leiter eines KDT-Fachunterausschusses. Danach arbeitete er als Entwicklungsingenieur im VEB Robotron, war Mitarbeiter in der Abteilung Heuristik bei Prof. Dr. J. Müller und wissenschaftlicher Arbeitsleiter an der Akademie der Wissenschaften der DDR, Zentralinstitut für Kybernetik und Informationsprozesse. 1980 habilitierte er sich an der TU Dresden zum Dr. sc. techn. auf dem Gebiet der Konstruktionswissenschaft und war ab 1980 bis 1992 Dozent und Prof. für Werkzeugmaschinenentwicklung an der TH Zwickau mit den Schwerpunkten Sondermaschinenkonstruktion, Montageautomatisierung und Konstruktionstechnik. Peter Koch arbeitete über 20 Jahre im KDT-Fachausschuss Konstruktionstechnik der DDR, war Mitbegründer der KDT-Erfinderschulen und wissenschaftlicher Leiter des Kreativitätstrainingszentrums quot;ctc" der Bauakademie der DDR. Bis 1996 war er tätig als Bereichsleiter"Technolog e und Innovation" in der Deutschen Industrie Consulting bei der Westdeutschen Landesbank und gründete 1996 die Unternehmensberatung"Ree gineering Consult" mit den Arbeitsschwerpunkten"Tec nik (Produkte, Ausrüstungen), Fertigungstechnologie, Produktentwicklung, Innovationstechnik, Projektorganisation und Moderation von Problemlösungsprozessen, Technische Bonität von Unternehmen". 2013 beendete er seine selbstständige Tätigkeit.

1. Gegenstand, Zielsetzung, Zielgruppen der
Systematischen Heuristik (SH)


Die SH wurde entwickelt als ein komplexes Methodensystem zur Förderung der Effektivierung und Rationalisierung schöpferischer gedanklicher Arbeitsprozesse für das Finden und Lösen innovativer, naturwissenschaftlich-technischer Aufgaben- und Problemstellungen.

Die SH ist im Rahmen der Methodologie als wissenschaftliche Disziplin in der Analogie zu materiellen technischen Prozessen als ein Bestandteil einer „Technologie der geistigen Arbeit“ einzuordnen.

Für das Methodensystem der SH wurden erfolgreiche Denk- und Arbeitsweisen, heuristische Methoden und Prinzipien, Regeln und informationelle Arbeitsmittel systematisch gesammelt, an repräsentativen Bearbeitungsprozessen beobachtet, abgehoben, analysiert, geordnet, weiterentwickelt, als heuristische Programme aufbereitet und in Form einer systematisch strukturierten Programmbibliothek für die praktische Nutzung in den Bereichen Naturwissenschaft und Technik bereitgestellt.

Das Methodensystem dersystematischen Heuristik ist durchgängig systematisch strukturiert:

  • Die methodischen Bestandteile der SH sind im Sinne einer Baumstruktur systematisch geordnet und vernetzt.
  • Die heuristischen Methoden sind algorithmisch als heuristische Programm gestaltet (etwaBilder 1.5,1.13 und1.17).
  • Die zu entwickelnden Systeme und Zwischenergebnisse des Problembearbeitungsprozesses werden dabei systemwissenschaftlich betrachtet und behandelt (etwaBild 1.16).

Die algorithmisch strukturierten heuristischen Programme stellen allgemeingültige, nicht deterministische, jedoch plausibel strukturierte und vernetzte, häufig genutzte und bewährte heuristische Methoden dar, die für eine große Klasse von Bearbeitern und für repräsentative Tätigkeitskomplexe bzw. Aufgabenklassen der gedanklichen Arbeit in einem hohen Grad ausreichen, um innovative Problembearbeitungsprozesse zielführender, effektiver und kreativer, gestützt auf das notwendige Wissen, zu vollziehen. Sie nutzen die damals bekannten und erkannten Gesetzmäßigkeit, Methoden, Regeln und beobachteten Prinzipien der schöpferischen gedanklichen Tätigkeit.

Schon in der Gründungszeit der SH wurde angestrebt, für die heuristischen Programme einen günstigen Grad für die Algorithmierung zu finden, der nicht alle Verzweigungen, Verknüpfungen und Rückkopplungen darstellt,

  • um für den Nutzer in der Praxis den Überblick zu erleichtern und
  • um die flexible, schöpferische Anwendung zu fördern.

Heuristische Programme sind trotz der algorithmischen Darstellung demnach kein Rezept für formales Arbeiten wie etwa Algorithmen zur Berechnung von Maschinenelementen. Sie sollen und können bei einer schöpferischen Anwendung und bei einer Spezifikation auf den eigenen, konkreten Fall und mit dem erforderlichen Fachwissen die Erfolgschancen und Effektivität von Aufgaben- und Problemlösungsprozessen maßgeblich fördern. Das gilt vor allem, wenn der Anwender die methodisch systematische Denk- und Arbeitsweise, bezogen auf seinen Fachbereich, verinnerlichen konnte und/oder bei einer fachlich fundierten methodischen Anleitung/Moderation und interdisziplinären Teamarbeit.

Das Methodensystem ist ausgelegt für typische, häufig wiederkehrende, repräsentative Aufgabenklassen von Problemlösungsprozessen in der Forschung und Entwicklung. Dazu gehören die Aufgabenklassen:

  • Aufgabenfindung,
  • Präzisieren/Klären von Aufgabenstellungen,
  • Entwicklung von technischen Verfahren und Gebilden,
  • Modellverfahren u