3. Born to feel good: Was sind NeuroRessourcen?
Wir wissen heute, dass Augenbewegungen bei gesunden Menschen mit vielen ressourcevollen psychophysiologischen Effekten verbunden sind. Augenbewegungen allein sind schon eine „Ressource pur“. Im Traumschlaf treten sie in Verbindung mit der adaptiven Informationsverarbeitung auf, sie machen uns offen für Neues, wenn weit in die Peripherie hinein wahrgenommen wird. Augenbewegungen helfen, sich auf Ziele zu konzentrieren, unterstützen Lernprozesse, bewirken Resilienzeffekte wie tiefes, erholsames Atmen, lindern Ängste und lösen psychische Erstarrungen auf. All das hat kein Mensch „erfunden“ – wir sprechen hier nicht über eine erworbene Technik wie beispielsweise Autogenes Training. Nein, Augenbewegungen sind „sowieso“ beim Menschen einfach da, und sie können als Ressource jederzeit bei jedem Menschen bis auf wenige Ausnahmen aktiviert werden. Das entspricht unserer Definition einer „NeuroRessource“.
Abbildung 7: NeuroRessourcen sind angeboren und ohne Lernen oder Training verfügbar
Ein weiteres Methodenbeispiel für die effektive Nutzung von NeuroRessourcen ist die Hypnose. In der Hypnose arbeiten Coach oder Therapeut mit gewollt herbeigeführten Trance-Zuständen des Coachee oder des Patienten. Auch hier nutzt man eine NeuroRessource, über die alle gesunden Menschen verfügen, denn in Trance gehen und vor sich hinträumen, einfach mal „weit weg sein“ kann jeder, vor allem auch schon kleine Kinder. Der „abwesende“ Träumerblick geht dabei immer mit einem Ausflug in die Welt der inneren Wahrnehmung einher, daher gibt es dann auch den schönen Begriff „Sinnieren“. Tagträumende oder sinnierende Menschen sind vorübergehend „woanders“ – auch ohne dass ein Hypnose-Experte in der Nähe sein muss. In jeder Partnerschaft gibt es Momente, in denen wir etwas erzählen, und die Partnerin oder der Partner schüttelt sich plötzlich selbst durch und sagt: „Kannst Du das noch einmal sagen, ich habe das eben nicht gehört!“ In diesen Momenten sagen wir allerdings nicht: „Oh Schatz, habe ich dich so toll hypnotisiert, dass du meine Stimme nicht mehr gehört hast?“ Nein, man ist sogar genervt von der mangelnden Aufmerksamkeit. Im Rahmen einer Hypnose-Sitzung ist es allerdings ein erfreuliches Zeichen für eine gelungene Intervention, wenn der Klient vorübergehend „ganz weg“ und die NeuroRessource „Trance“ online, also neuronal eingeschaltet, war.
Spezielles Know-how über die dem Menschen angeborenen netzwerkenden Aktivitäten des gesamten Nervensystems ermöglichen punktgenaue, effektive und erstaunlich schnelle Coaching-Ergebnisse. Beispielsweise ist bereits das Know-how über den Zusammenhang zwischen erfolgreichem Denken und Motorik ein Wissen über eine NeuroRessource. Gehen und sich bewegen kann jeder Mensch – auch ohne die Anwesenheit eines Coaches. Wenn wir aber nun wissen, dass Lernen und Denken bei „Muskulatur online“ besser funktioniert, ist es sinnvoll, motorische Ausdrucksmöglichkeiten eines Coachee mit in das Coaching einzubeziehen. Wenn wir wissen, dass durch wache Augenbewegungen der präfrontale Cortex angeregt wird, werden diese im Coaching genutzt. Wenn wir aus der Haptikforschung wissen, dass der Tastsinn dem Gehirn die meisten Sinnessignale schickt – und nicht das Sehen oder Hören –, weben wir bewusst Körperwahrnehmungen in ein Online-Coaching oder in jedes Coaching mit ein.
Körperwahrnehmungen werden nicht nur durch muskuläres Geschehen aktiviert. Zu den Körper-Triggern gehören auch Gefühle auf der Haut, Temperatur oder vor allem auch der Zustand unserer Gefäße. Hier schicken sogenannte „Barozeptoren“ Körpersignale aufsteigend in unser Gehirn und damit auch in die bewusste Wahrnehmung (Grunwald, 2017). Das ist von Bedeutung, weil sich Menschen besonders zuverlässig zu einem zielorientieren Denken und Handeln motiviert fühlen, wenn dies auf der physiologischen Ebene mit ressourcevollen „Körper-Meldungen“ verbunden ist.
Auf dieser Basis gibt es eine Reihe von zielführenden NeuroRessourcen, von denen wir in diesem Kapitel einige besonders wichtige und wirksame „Erfolgsquellen“ des Menschen beschreiben, damit sie beim Online-Coaching zielführend genutzt werden können. Wir werden dann durchgängig im Buch weiterhin einen „Humanonline-Tipp“ geben, der das Zusammenspiel zwischen verschiedenen Coaching-Ansätzen und integrati