: Heidrun Johanna Härtling
: Marshmallows auf der Haut Meine kleine Bettlektüre
: Stockwärter Verlag
: 9783966920575
: 1
: CHF 3.50
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 204
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Vierzehn spannende Geschichten erzählen von vierzehn Frauen, nicht mehr ganz jung und manchmal sehr allein, doch voller Lust am Leben, voller Leidenschaft und Gier nach Sex und Zärtlichkeit. Sie lassen sich auf außergewöhnliche, manchmal riskante Abenteuer, oft an den merkwürdigsten Schauplätzen ein und stellen hin und wieder fest, dass es nur Träume waren. Die Autorin schreibt sehr direkt, detailliert und facettenreich, mit großem Spaß am Schreiben, viel Fantasie und einer gewissen Portion Humor als besondere Würze. Der schmale Grat zwischen Erotik und Porno ist der Kick dieser Erzählungen, die allesamt darauf warten, die Herzen vieler Leserinnen und Leser zu erobern.

Heidrun Johanna Härtling schreibt bereits seit ihrer Kindheit. Beizeiten entdeckte sie ihre Liebe zur Deutschen Sprache, deren vielseitigen Ausdrucksformen und Gestaltungsmöglichkeiten. Ihre besondere Kreativität und handwerkliche Begabung ließ sie den Beruf einer Gebrauchswerberin erlernen und mit Freude und Hingabe ausüben. Voller Leidenschaft entwarf und baute sie die Kulissen für ausladende Schaufenster und ging darin auf, sie auch zu dekorieren. Später, nach der Wende konzipierte H. J. Härtling saisonale Gestaltungen für große Einkaufs-Center. Zu ihren außergewöhnlichen Begabungen zählen neben dem Dichten und Schreiben das Zeichnen, Malen und Singen und nicht zuletzt das textile Gestalten. Nie wurde bei allem, was sie tat, das Verfassen von Lyrik vernachlässigt. Im Laufe der Zeit entstanden ungezählte Gedichte, Balladen und auch ein paar Lieder. Sie arbeitete als Trauerrednerin, schrieb Grabreden und hielt sie auch selbst. H. J. Härtling lebt in Halle (Saale), in Sachsen-Anhalt. Die Autorin veröffentlichte 2011 zwei Lyrikbändchen im Taschenbuchformat. 2021 wurde der Erotikband"Marshmallows auf der Haut" im Stockwärter Verlag Halle (Saale) veröffentlicht.

Lautloser Schmerz


Sie grub mit einer blitzschnellen Bewegung ihre sporngespickten Nägel in seinen Nacken und zog langsam, ganz langsam mit den Krallen fünf dünne, tiefe Striemen entlang der Wirbelsäule seinen Rücken hinunter. Fünf, alsbald dunkelrot unterlaufene Gräben, so, als säßen in ihnen Soldaten an den Geschützen.

Er fiel nach vorn um, ins nasse Gras.

Für einen Moment setzte die Atmung aus. Blut trat aus den Rillen hervor und bewegte sich in roten Rinnsalen in Richtung Gesäß. Dort sammelte es sich zu einer Lache. Die geschundene Haut war inzwischen erhaben angeschwollen.

Sie nahm das Blut aus der Lache mit der Zunge auf und ließ es in seinen Nacken tropfen.

Sie bedeckte die Wunden mit Sennesblättern und drückte sie vorsichtig fest.

Während der ganzen Zeremonie war nicht ein Laut zu hören.

Dann legte sie sich neben ihn.

Als die Sonne mit ihren ersten Strahlen über seinen verwundeten Rücken leckte, erhob sich Thoralf, mit einem zischenden Geräusch des Schmerzes zwischen den Zähnen, und schickte seine Blicke in die Umgebung.

Er suchte Veronika. Und entdeckte sie auf der Wiese zwischen Gräsern beim Blumenpflücken. Sie hatte ihr blondes Haar ungeordnet auf dem Kopf festgesteckt. Einige Locken hatten sich im Nacken gelöst. Und auch an den Schläfen kringelten sie sich wie kleine Korkenzieher.

Von ihren Lippen floss ein Lied. Thoralf verstand den Text nicht, glaubte aber, eine sanfte Melodie wahrzunehmen.

Veronika trug ein dünnes, cremefarbenes Sommerhemdchen, das locker über die kleinen Brüste fiel, ohne sie ganz zu verdecken.

So unschuldig hockte sie im Gras, dass Thoralf Mitleid überkam. Mit bedächtigen Schritten ging er auf sie zu. Veronika spürte sein Kommen, hob den Kopf und lief mit erstorbenem Lächeln an ihm vorbei, ohne ihn eines Blickes zu würdigen. Vorn an der Grasnarbe, wo er gelegen hatte, bückte sie sich, riss mit den Zähnen die Halme mit dem eingetrockneten Sperma ab und schluckte kurz und ohne Regung. Sie setzte sich in den alten Rolls-Royce® und brauste davon, ohne sich noch einmal umzusehen.

Thoralf hatte sie noch nie im wahren Leben getroffen. Die Vereinbarung lautete: kein Kontakt, kein Wort der Sprache. Achtmal traf er sie auf ähnliche Art. Ähnlich, aber jedes Mal anders. Einmal hatte er versucht, sie hinterher anzusprechen. Sie warf ihm eine