Schrott oder hot?
»Und? Sind wir jetzt etwas Besseres?«, fragte der Typ neben Gina. Sie lächelte und wedelte mit dem Zeugnis. Der weiterführende Kurs an der Volkshochschule würde ihr den Einstig ins Berufsleben erleichtern. Sie hatte sich große Hoffnungen gemacht, mit diesem Lernabschnitt ein höheres Ansehen zu erlangen und bei Bewerbungen bessere Chancen zu haben. Die Zeit des Lernens war nun endlich vorbei. Sie standen auf dem Treppenabsatz des Gebäudes, in dem verschiedene Lehrgänge stattgefunden hatten. Gina blinzelte ins Sonnenlicht und sah anschließend Tom an, der eine Etage höher in einem anderen Kurs seinen Abschluss gemacht hatte. In den Pausen hatten sie sich immer getroffen und nach Schulschluss gingen sie gemeinsam ein Stück des Weges. Jetzt stand sie vor ihm. Sie musste ein wenig auf ihn hinunterblicken, denn er war gut zehn Zentimeter kleiner als sie.
»Wir haben es geschafft, hättest du das für möglich gehalten? Dies hier ist die Eintrittskarte in ein besseres Leben«, sagte er begeistert.
Tom hatte zur gleichen Zeit einen anderen einjährigen Kurs belegt. Er hatte zwar die gleichen Absichten wie sie: mehr aus dem erlernten Beruf machen und mit dem Zeugnis eine Gehaltsklasse höher steigen, aber seine Arbeit war eine ganz andere. Er hatte ihr erzählt, dass er in seinem jetzigen Job auf dem Flughafen die Karriereleiter eine Stufe aufsteigt, wenn er den Kurs mit Bravour bestand. Es würde für ihn bedeuten, dass er von der Position des einfachen Hilfsarbeiters in das Team der Angestellten käme, und das wiederum bedeutete für ihn weniger Schmutz auf seinen Arbeitsklamotten, weniger stumpfsinnige Arbeiten und dafür einen feinen Anzug zu tragen und eine angesehene Tätigkeit mit Verantwortung auszuführen. In seinem Ressort war es Pflicht bei allen männlichen Kollegen, eine einheitliche Krawatte mit Firmenlogo und Businessjackett zu tragen.
Letztendlich hatte er den Lehrgang geschafft und freute sich genauso wie sie. Er sah sie immer noch freudestrahlend an. Sie lächelte zurück und war sich bewusst, dass sie Tom sicher noch weiterhin traf. Denn es verband sie mehr als dieser Lehrgang. Sie erinnerte sich und grinste bei dem Gedanken, dass sie sich in einem wild wuchernden und nicht einsehbaren Gebüsch von ihm hatte fotografieren und vögeln lassen. Dabei war er gar nicht ihr Typ. Er trug kurzes blondes Haar und eine Brille. Es wäre ja nicht schlimm, wenn er nicht gut eine Handbreit kleiner wäre als sie. Trotzdem hatte sie sich auf ein Abenteuer mit ihm eingelassen, das sie nicht vergessen konnte.
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In ein