: Marcus Mötz
: Von einem, der sich auszog Roman
: Periplaneta
: 9783959962087
: Edition MundWerk
: 1
: CHF 8.00
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: Erzählende Literatur
: German
: 222
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Fabian ist seit 14 Jahren mit Leni zusammen. Sie ist erfolgreich in Beruf und Gesellschaft. Er hat sein Studium abgebrochen und fährt Taxi in Leipzig. Um frischen Wind in ihre Beziehung zu bekommen, filmen sich die beiden beim Sex. Weil Fabian zu wenig Anerkennung für seine Art zu leben bekommt und er das Gefühl hat, dass ihn alle traktieren, kommt er auf die Idee, ihr kleines Filmchen im Internet zu veröffentlichen. Allerdings, ohne vorher Leni davon zu erzählen. Als die Klickzahlen durch die Decke gehen und Leni davon Wind bekommt, sind seine besorgten und enttäuschten Eltern plötzlich nicht mehr Fabians größtes Problem. 'Die Sex-Komödie des Jahres!' - Michel Birbæk 'Marcus Mötz ist so gut - ich muss das Buch nicht mal lesen, um es zu empfehlen.' - Lutz van der Horst 'Biste nicht im Netz, biste nirgendwo.' - Herbert aus Aachen Das Buch erscheint als Klappenbroschur und als E-Book. Beide Versionen enthaltenüber QR-Codes abrufbare Audiodateien.

Marcus Mötz wuchs im für seinen Geschmack etwas zu beschaulichen Eisenach auf, ging nach Leipzig und wurde Buchhändler, Videojournalist, Podcaster und Sprecher. Als Autor und Reporter arbeitete er u.a. für die Leipziger Internetzeitung, das Leipzig Fernsehen, für den SPIESSER, TV NOIR, DRF1 sowie den Musikblog TONSPION. Neben seinen freiberuflichen Tätigkeiten erweitert Marcus Mötz stetig seine Vinyl-Sammlung und begeistert sich für Tischtennis, Skandinavien, Programmkino und Wrestling. www.marcus-moetz.de

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Gleich geht es los. Ich bin etwas aufgeregt, schließlich ist es unsere Premiere vor laufender Kamera. Ich kann nicht behaupten, dass das schon immer ein heimlicher Traum von mir war. Selbst jetzt, nur wenige Minuten vor unserem kleinen Privatdreh, überkommt mich nicht mehr Lust als sonst. Vielleicht liegt das an meiner schäbigen Handykamera, die uns filmen soll. Das Display weist einen unübersehbaren Sprung am oberen linken Rand auf, aber für den Hausgebrauch wird es schon gehen.

Ich versuche, das Handy zu positionieren. Lenis Psycho-Fachbücher, alle akkurat nach Verlag sortiert, dienen dabei als Stütze. Sie stehen im Regal an der Wand gegenüber von unserem Bett, etwa anderthalb Meter entfernt vom Ort des Geschehens.

Leni und ich wollen nach vierzehn Jahren den berühmten „frischen Wind“ in unsere Beziehung bringen. Theoretisch eine schöne Sache. Praktisch aber ziemlich kontraproduktiv. Zumindest was mich angeht. Permanent schiele ich zum Regal, während die Aufnahme längst läuft. Mein Misstrauen ist groß, immerhin hatten Leni und ich schon einmal begonnen, da rutschte das Handy plötzlich weg.

Seitdem bin ich erneut mit den Vorbereitungen beschäftigt. Kein Wunder, dass für einen Kinodreh mehrere Jahre ins Land ziehen. Doch ich habe vergleichsweise Glück. An unserem Set gibt es keine Diven, die sich über die Verzögerungen aufregen. Hier gibt es nur Leni und mich. Lenis Euphorie schwindet jedoch merklich. Saß sie anfangs noch im Schneidersitz auf dem Bett und sah mir geduldig zu, wurde ihr bald schon kalt und sie hüllte sich in die Bettdecke ein. Mittlerweile habe ich die Befürchtung, dass sie eingeschlafen ist. Aber was macht das schon. Wenn du Bahn fährst und kurz in den Sekundenschlaf fällst, fährst du ja auch nicht bis zur Endhaltestelle durch. Intuitiv weißt du genau, wann es Zeit wird, aufzuwachen und auszusteigen. Nicht anders ist es bei Leni. Und wenn eine kleine Durchsage meinerseits dazu verhilft, Leni und ihre Lust wieder zu wecken, dann soll das kein Problem sein. Im Gegenteil – es ist ja immer ein Miteinander, besonders im Bett.

Nichtsdestotrotz beeile ich mich, denn inzwischen wird auch mir kalt. Mit Daumen und Zeigefinger zoome ich aus dem Bildausschnitt und stelle das Handy erneut auf. Mit den Rissen in der Wand und den beiden Nachttischen an unserem Bett werden wir wohl vorliebnehmen müssen. Und somit auch mit der altbackenen Lampe auf meiner und der Designerlampe auf Lenis Seite. Zugegeben, rein optisch ist meine Lampe eine einzige Sünde. Doch zumindest kann sie Geschichten erzählen, denn sie stammt noch aus meinem Jugendzimmer. Okay, das sind nicht gerade die rühmlichsten Anekdoten, aber wenigstens ist meine Lampe nicht so ein seelenloses Ding wie das auf der anderen Seite des Bettes. Leni hatte dieses filigrane Etwas von ihrer gönnerhaften Cousine Nancy geschenkt bekommen. Und da Leni sich Nancy gegenüber für alles Mögliche verpflichtet fühlt – für ihren Job, den Kontakten zu einigen Chefredakteuren diverser Frauenmagazine und vermutlich auch für das schöne Wetter – konnte sie nicht anders, als diesen Inbegriff von „Style“ aufzustellen. Dass sie damit das Bild in unserem ersten Sexvideo ruinieren würde, konnte sie damals ja nicht ahnen.

Zugegeben, jetzt kommt mir die Beleuchtung zugute. Würden wir auf sie verzichten, blieben uns nur noch die Straßenlaternen, deren Licht allerdings kaum in unsere Wohnung im zwe