: Søren Kierkegaard
: Entweder - Oder
: Books on Demand
: 9783754318324
: 1
: CHF 2.60
:
: Philosophie
: German
: 916
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Søren Kierkegaard (1813-1855) gilt als Wegbereiter der Existenzphilosophie - einem Denken, das sich nicht mit abstrakt-theoretischen Problemen befasst, sondern mit der alltäglichen Frage nach dem Glück des Menschen. Kierkegaard schrieb allgemeinverständlich und persönlich, die Fachsprache der Philosophen war ihm ein Graus. Es gibt wenige Philosophen, die mit solch einer authentischen Intensität geschrieben haben wie Søren Kierkegaard. In seinem Hauptwerk"Entweder - Oder" von 1843 geht es um existentielle Fragen über die Liebe, den Sinn des Lebens und das Glück. Das vorliegende Buch wurde sorgfältig editiert und enthält Søren Kierkegaards Werk"Entweder - Oder" im Original-Wortlaut der deutschen Übersetzung.

Søren Kierkegaard (1813-1855) war ein dänischer Philosoph und Theologe - und gilt als Wegbereiter der Existenzphilosophie.




Grandeur, savoir, renommée,

Amitié, plaisir et bien,

Tout n'est que vent, que fumée:

Pour mieux dire, tout n'est rien.

Was ist ein Dichter? Ein unglücklicher Mensch, der heiße Schmerzen in seinem Herzen trägt, dessen Lippen aber so geartet sind, daß, während Seufzer und Geschrei ihnen entströmen, diese dem fremden Ohr wie schöne Musik ertönen. Es geht ihm, wie einst jenen Unglücklichen, die in Phalaris' Stier durch ein sacht brennendes Feuer langsam gemartert wurden, deren Geschrei nicht bis zu den Ohren des Tyrannen dringen konnte, ihn zu erschrecken: ihm klangen sie wie heitere Musik. Und die Leute umschwirrenden Dichter und sprechen zu ihm: »Sing uns bald wieder ein Lied;« das heißt: mögen neue Leiden deine Seele martern, und mögen deine Lippen bleiben, wie sie bisher gewesen; dein Schreien würde uns nur ängsten, aber die Musik, ja, die ist lieblich. Und die Rezensenten treten herzu und sprechen: So ist es richtig; so soll es gehen nach den Regeln der Ästhetik. Nun, das versteht sich, ein Rezensent gleicht einem Dichter auf ein Haar, nur daß er nicht die Pein im Herzen, nicht die Musik auf den Lippen hat. Siehe, darum will ich lieber Schweinehirte sein auf Amagerbro und von den Schweinen verstanden werden, als Dichter sein und von den Menschen mißverstanden werden.

   

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Die erste Frage in dem ersten, dem kompendiösesten Unterrichte, den ein Menschenkind erhält, ist bekanntlich diese: Was soll das Kind haben? Die Antwort lautet: Da – da! Mit solchen Betrachtungen beginnt das Leben, und dennoch leugnet man die Erbsünde. Und wem hat dasselbe für die ersten Rutenstreiche zu danken? wem anders, als den Eltern!

   

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Ich unterhalte mich am liebsten mit Kindern: denn von ihnen darf man doch hoffen, daß sie noch vernünftige Wesen werden; die es aber (so sagt man) geworden sind – o Jerum, Jerum!

   

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Die Menschen sind doch unverständig. Von den Freiheiten, die sie besitzen, machen sie nie Gebrauch, fordern aber die, welche sie nicht besitzen. Denkfreiheit haben sie: sie fordern Redefreiheit.

   

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Ich mag gar nichts. Ich mag nicht reiten: es ist für eine Motion zu stark; ich mag nicht gehen: es ist zu anstrengend; ich mag mich nicht niederlegen: denn entweder müßte ich liegen bleiben, und das mag ich nicht, oder ich müßte mich wieder erheben, und das mag ich erst recht nicht. Summa Summarum: ich mag gar nichts.

   

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Bekanntlich gibt es Insekten, die im Augenblicke der Begattung sterben. So ist's mit aller Freude: der Moment des höchsten und herrlichsten Genusses im Leben kommt in Begleitung des Todes.

   

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Probate Ratschläge für Autoren

 

Man schreibt seine Gedanken nachlässig nieder; man läßt sie drucken. Bei den verschiedenen Korrekturen wird man dann allmählich eine Menge guter Einfälle bekommen. Fasset daher Mut, die ihr euch noch nicht erkühnt habt, etwas drucken zu lassen. Auch Druckfehler sind nicht zu verachten; und witzig zu werden mit Hilfe von Druckfehlern, darf man als eine legale Manier ansehen, auf welche man es wird.

   

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Überhaupt haftet allem Menschlichen diese Unvollkommenheit an, daß man erst mittels des Entgegengesetzten zum Besitze des Begehrten kommt. Ich will gar nicht reden von der Mannigfaltigkeit menschlicher Formationen, welche dem Psychologen am meisten zu schaffen macht (der Melancholische hat am meisten Sinn für das Komische, der Üppigste oft für das möglichst Idyllische, der Ausschweifende oft für das recht Moralische, der Zweifler ebenso für das Religiöse); sondern ich will nur daran erinnern, daß man erst durch die Sünde ein offenes Auge bekommt für die Seligkeit.

   

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