: Joris-Karl Huysmans
: Gegen den Strich
: Books on Demand
: 9783753475660
: 2
: CHF 3.50
:
: Romanhafte Biographien
: German
: 134
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Joris-Karl Huysmans: Gegen den Strich Neu editierte 2021er Ausgabe, mit erklärenden Fußnoten Überdrüssig des ausschweifenden Pariser Lebens begibt sich der spleenige Jean des Esseintes ins selbstgewählte Exil aufs Land, auf der Suche nach der Essenz des Lebens. Alle Ablenkungen will er zurücklassen und dem planlos chaotischen Alltagstreiben aus dem Weg gehen. Er sucht Kontrolle, nicht Chaos. Jedes Sitzmöbel, jede Wandfarbe, jeder Lichtstrahl soll im neuen Zuhause nach seinen Ideen durchgeplant sein. Zwiesprache liefern ihm nicht Freunde und leichte Mädchen, sondern Dichter und Schriftsteller der Antike, exotische Pflanzen, auserwählte Edelsteine, Gemälde exzentrischer Maler. Doch er steigert sich ins Absurde, ins Krankhafte ... Dieses Kultbuch des ausgehenden 19. Jahrhunderts wird für den Leser ganz nebenbei zu einer augenöffnenden Rundreise durch die Literatur- und Kunstgeschichte.

Der französische Schriftsteller Joris-Karl Huysmans (1848-1907) führte ein Doppelleben; nicht heimlich, sondern ganz offensichtlich: Im Hauptberuf Beamter im Pariser Innenministerium, in seiner Passion aber Teil der Künstlerszene, bekannt mit Autoren wie Flaubert und Zola. Das Extreme zog ihn an, die Pariser Unterwelt genauso wie Okkultismus und Satanismus. Daraus entstand ein literarisches Werk mit beängstigender Sogwirkung.

Erstes Kapitel


MEHR ALS ZWEI MONATE vergingen noch, bevor sich Herzog Jean in die stille Zurückgezogenheit seines Häuschens in Fontenay vergraben konnte. Einkäufe aller Art nötigten ihn, noch eine Weile in Paris zu verweilen und die Stadt oft von einem Ende bis zum andern zu durchlaufen.

Lange hatte er nachgeforscht und gegrübelt, ehe er die neue Wohnung endlich den Tapezierern überlassen konnte. –

Vormals, da er noch schöne Frauen zu sich kommen ließ, hatte er ein Boudoir nach seiner Angabe einrichten lassen, wo sich inmitten kleiner geschnitzter Möbel aus hellem japanischen Kampferholz unter einem Zelt von indischem Rosa-Atlas der nackte Körper beim künstlichen Widerschein des bauschigen Stoffes noch zarter färbte.

Jenes Gemach, dessen große Spiegel sich beständig reflektierten und so eine ganze Reihe von Rosa-Boudoirs darstellten, war bei den Damen der galanten Welt sehr berühmt gewesen; denn es machte ihnen großes Vergnügen, ihre Nacktheit in dieses sanfte Inkarnat zu tauchen, wie auch den starken Duft der Möbel einzuatmen.

So hatte er unter anderem aus Hass und Verachtung seiner Kindheit unter dem Plafond dieses Boudoirs einen kleinen Käfig aufgehängt, in dem ein kleines Heimchen zirpte, wie ers oft in der Asche der hohen Kamine im Schlosse Lourps gehört hatte, während jener langen stillen Abende, die er bei seiner Mutter zubringen musste; und die Erinnerung daran, wie an das Alleinsein in seiner traurigen Jugend stieg in wirrem Durcheinander vor ihm auf. Bei den Bewegungen des Weibes, das er liebkoste und dessen