Die Geschichte mit der Liebe auf den ersten Blick
Als ich Niko kennenlernte und alles begann
Als in meinem ersten Schuljahr in der South Bronx in NYC endlich die Osterferien vor der Tür standen, passierten ein paar für mich lebensverändernde Dinge. Zuerst kamen mich meine Eltern in New York besuchen und erlebten ihre Tochter als Lehrerin in einer der brutalsten Schulen der Stadt. Kurz nach ihrer Abreise flog auch mein damaliger Freund zurück nach Deutschland. Wir verabschiedeten uns mit den Worten: „Wir werden schauen, wie's weitergeht“.
Er wollte noch einmal in die Schule gehen und ich war mir sicher, dass ich meine zwei Jahre in NYC irgendwie herum biegen würde. Zurück vom Flughafen, in meiner leeren Wohnung, war ich wider Erwarten erleichtert, dass er weg war.
Ich hatte erwartet, dass ich von Liebeskummer geplagt meine Ferientage trauernd und zurückgezogen verbringen würde. Alle meine Kollegen und meine Freunde waren in Richtung Florida oder der Karibik aufgebrochen. Nur ich hatte es nicht geschafft, mein erstes selbst verdientes Geld so einzuteilen, dass ich in den freien Tagen auf Urlaub fahren konnte.
Ich war verwirrt, pleite, sauer auf die Welt und mich selbst. Also zog ich mich in mein Zimmer zurück, um zu schmollen. So hatte ich mir meine Zeit in New York nicht vorgestellt. Ich fiel in ein tiefes Loch und hatte zum allerersten Mal in meinem ganzen Leben unbändiges Heimweh. Ich sehnte mich nach einem Zuhause. Nach Vertrautem. Nach Sicherheit.
Also beschloss ich, auf einer Online-Plattform nach Menschen in der Umgebung zu suchen, die Deutsch sprachen. Ich wollte mich mit jemandem austauschen, der dieselbe Sprache spricht. Ein bisschen chatten, harmloses Geplänkel zur Ablenkung.
Ich fand drei Menschen, die meinen Suchkriterien entsprachen und schrieb sie alle mit denselben vor Selbstmitleid triefenden Zeilen an. Postwendend kam eine Antwort. Von Niko. Anstelle sein Mitgefühl auszudrücken oder auf mein Gejammer einzugehen, schrieb er bloß: Ruf mich an. Nummer. Niko.
Ich ärgerte mich über so viel Frechheit. Was glaubte der eigentlich, wer er war? Ich ging auf seine Profilseite und sah mir das Foto an. Irgendetwas schoss in mich wie ein Blitz. Dabei war der so gar nicht mein Typ. Auf dem Bild trug er ein geschmackloses „Muskelshirt“, das seine breite Brust und die damit einhergehende Behaarung zur Schau stellte. Im Hintergrund war ein Gorilla zu erkennen, mit aufgerissenem Maul, in Drohgebärde. Heute weiß ich, dass es bei einer Tour durch die Universal Studios aufgenommen worden war.
Ich konnte nicht aufhören, auf dieses Foto zu starren, heiß und kalt durchliefen mich die Schauer. Ich versuchte mich zu beruhigen und mir einzureden, dass das nur Phantastereien von kleinen Mädchen waren. Schließlich war ich doch glücklich vergeben - oder nicht?
Ich kämpfte mit mir selbst, ob ich ihn wirklich anrufen sollte. Aber die Neugier siegte. Wir haben drei Stunden miteinander telefoniert. Ich amüsierte mich über seinen Berliner Einschlag, wenn er sprach. Er brachte mich zum Lachen. Bis er sagte, dass er mich doch abholen kommen könnte, denn wir sollten doch besser gleich persönlich weiter machen und zusammen ausgehen. Er hätte Theaterkarten und bräuchte meine Adresse.
Wieder war ich brüskiert. Ich konnte doch nicht so einfach einen wildfremden Mann zu meiner Wohnung bestellen. Er fragte mich, ob er mir seinen Pass einscannen sollte, damit ich sicher sein kann, dass er die Wahrheit spricht. Ich war so unglaublich aufgeregt und hatte keine Ahnung warum.
Ich gab nach, gab ihm meine Adresse (von der er bis heute behauptet, es wäre die falsche gewesen) und begann mich „ausgehfein“ zu machen - schließlich war ich seit Tagen im Pyjama herumgelungert. Ich malte mir aus, wie es sein würde, wenn er direkt vor mir stünde - würde er im richtigen Leben den gleichen Effekt auf mich haben, den sein Foto hatte?
Nervös ging ich in der Küche auf und ab und schaute runter auf die Straße nach einem Anzeichen eines Autos, das Hausnummer suchend um den Block zog. Nichts geschah außer die übliche Geräuschkulisse von Basketball spielenden Jugendlichen und indiskret fluchenden Nachbarn untermalt mit Polizeisirenen.
Ich war nah dran, mich wieder auszuziehen, denn ganz offensichtlich hatte er mich versetzt. Schade, sollte wohl nicht sein, dachte ich. Ganze eineinhalb Stunden nach dem abgesprochenen Zeitpunkt, klingelte es dann doch noch an der Tür. Fürs Theater war es nun wohl zu spät.
Seufzend schloss ich die Wohnungstür ab und fuhr mit rasendem Herzen im Lift die vier Stockwerke hinunter. Auf dem Weg zur Haustür sah ich seinen dunklen Umriss hinter den Glasscheiben. Was tat ich denn da? War das nicht einfach nur dumm und obendrein gefährlich? Was wu