: Egon Boesten
: Louis van Gaal Der Trainer und der ganze Mensch
: Leibniz-Blätter-Verlag
: 9783982289694
: 1
: CHF 8.70
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: Ballsport
: German
: 280
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Vorwort zu schreiben ist sehr ehrenvoll, aber an dieser Stelle keine persönlichen Dinge; schließlich geht es um die Hauptfigur. Doch missbrauche ich kurz, ohne Louis zurück zu lassen, dieses Bühne: Die Jahre mit ihm schätze ich inhaltlich als die schönste Fußballzeit meines Lebens. Neben der besonderen, mit unglaublichen Erfolgen gezeichneten Dynamik dieser Zeit hat das vor allem mit ihm zu tun. Wir waren uns nicht immer einig, aber eine Meinungsverschiedenheit oder andere Bewertung hat nie dem gegenseitigen Respekt Abbruch getan. Ich sah Louis van Gaal im Licht und im Schatten und ich schätze ihn gerade wegen seines aufrechten Mensch-Seins. Louis ist kein Guru, keine Gottheit oder Prophet. Genauso wie er auch kein Buhmann, Besserwisser und schon gar nicht eine arrogante Person ist. Aber ich kann Ihnen als zukünftigen Leser dieses Buches versichern, dass er ein ganz besonderer Mensch ist, mit seinen Stärken und Schwächen, mit seinen Überzeugungen und Schwachstellen als Zeugen. Ich schätze ihn. David Endt, Sportjournalist, ehem. Ajax-Pressesprecher und 16 Jahre Technischer Direktor bei Ajax

Egon Boesten ist Autor, Schulleiter, Lehrer und Sportjournalist.

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Ajax


Arie van Os hatte ihn angerufen. Ob Louis van Gaal zum Haus des Schatzmeisters kommen wolle. September 1991. Im Winter zuvor war van Gaal noch lange mit dem Ajax-Vorsitzenden Michael van Praag über den Strand von Izmir spazieren gegangen. Der Trainer wollte weg, auf eigenen Füßen stehen, er hatte sich schon bei Roda in Kerkrade und NAC in Breda beworben. Van Praag hatte eindringlich auf ihn bestimmt eingeredet: „Nicht machen Louis, du bist der nächste Cheftrainer von Ajax-1.“ Jetzt war es soweit. Leo Beenhakker ging zurück nach Madrid.

Innerhalb einer Stunde war alles geregelt. Sein Gehalt verdreifachte sich auf 375.000 Gulden (heute: ca. 175.000 Euro), aber viel wichtiger: ein Vertrag über drei Jahre statt des ursprünglich vorgesehenen einen Jahres. Van Gaal wollte etwas aufbauen. Am Tag danach, als er nach Hause fuhr, überkam es ihn: Was für eine Verantwortung! Cheftrainer von Ajax-1. Sollte er so machen, wie er dachte, es tun zu müssen, oder sollte er es auf eine angepasste Art und Weise tun? Zu Hause sagte Fernanda: „Tu, was du tun musst, ansonsten bist du nicht mehr du selbst.“ Er wusste, dass sie Recht hatte.

Am Tag danach warf er den Hut in den Ring. Jan Wouters setzte er von Position 4 auf 8. Wim Jonk von Ajax-B auf die 4, Danny Blind von 2 nach 3, Dennis Bergkamp von 7 auf 10, Marciano Vink von 3 auf die Position 6. Wouters, bereits gefeierter Nationalspieler, spielte mit Widerwillen mit. Mit den Außenspielern Brian Roy und John van ´t Schip bekam van Gaal gleich Streit, Vink war auch nicht zufrieden. Das bekannte TV-ProgrammBarendt& Van Dorp lud jeden unzufriedenen Spieler ein, um sich dort zu beklagen, die Medien wie der Telegraaf riefen Mord und Totschlag und es dauerte nicht lange, bis das Stadion den Namen Johan Cruyff skandierte.

Trotz der ganzen Unruhe und der anfangs enttäuschenden Ergebnisse blieb van Gaals voller Energie dabei, seine Auffassung zu predigen. Er sprach über die sichere Binne