Frau Müller verbreitet ihre Begeisterung natürlich auch im Dorf, doch dieses Mal beruhigen sich die Leute nicht mehr so leicht. Es ist nicht normal, wenn ein junges Mädchen so alleine und abseits jeglicher Zivilisation lebt. Verona wird bei ihren Besuchen im Dorf beobachtet, nicht misstrauisch, sondern besorgt. Nur spricht sie niemand direkt darauf an. Sieht Verona einmal blasser aus als sonst, werden die Müllers nach den Gründen befragt. Trägt sie einen Verband am Handgelenk, werden die Müllers befragt. Ein ganzes Dorf wäre bereit gewesen, die elterlichen Pflichten zu übernehmen, wie bei einem Kind, das man liebt, trotz oder gerade wegen seiner Absonderlichkeit. Ein Kind, das man dann von der Außenwelt abschirmen würde, abschirmen müsste, um es zu beschützen. Hätte man eine Umfrage im Dorf gestartet, hätte kaum jemand Verona für alleine überlebensfähig gehalten, obwohl sie genau dies jeden Tag aufs Neue beweist. Sie findet gerade ihren eigenen Weg und wird mit jedem Schritt selbstständiger, unabhängiger und widerstandsfähiger, als es je ein anderer in der engen, kleinen Dorfgemeinschaft werden könnte. Nichtsdestotrotz hätte nur eine kleine Andeutung von Veronas Seite genügt und man hätte sich jede erdenkliche Mühe gegeben, um das Mädchen wieder auf den gewohnten und damit richtigen Pfad zurückzuführen, zurück in ein Leben, wie es sich gehört. Aber Verona tut nichts dergleichen. Sie lebt ihr Leben so zurückgezogen, wie ihre Eltern es taten. Sie ist in