Um die Menschen zu mobilisieren, muss es eine emotionale Angelegenheit werden.2
DANIEL KAHNEMAN, PSYCHOLOGE UND NOBELPREISTRÄGER, ZUR KLIMAZERRÜTTUNG
Im Dezember 2017 verließ ich das kalifornische Ojai, als der Rauch des verheerenden Thomas-Feuers über den Bergen am Stadtrand aufstieg. Fünf Monate später floh ich vor dem Lavastrom des Kilauea auf Hawaii, der mein neues selbstgebautes Haus und den gut zwei Hektar umfassenden Biohof, den ich achtzehn Jahre lang bewirtschaftet hatte, unter sich begrub. Letzten Endes legte sich die Lava als zerklüftete schwarze Gesteinsdecke über die gesamte Region und das Ökosystem.
Ich hätte nie gedacht, dass ich meine Heimat und meinen Lebensraum durch eine Naturkatastrophe verlieren könnte. Auf der emotionalen Ebene fällt es mir immer noch schwer, die Ereignisse zu begreifen. Ich weiß, ich habe alles verloren, aber tief im Innern kann ich es nicht wirklich glauben. Die Lava hat mich gelehrt, dass die seltsamsten Dinge nicht nur von jetzt auf gleich geschehenkönnen, sondern tatsächlich geschehen. Ich denke, dass eine ähnliche Ungläubigkeit – gegenüber Ereignissen, die so überwältigend sind, dass sie unsere Vorstellungskraft übersteigen – viele Menschen daran hindert, das tatsächliche Ausmaß der Klimazerrüttung und des Schadens, den sie künftig anzurichten droht, zu begreifen.
Faktisch bin ich zu einem Klimaflüchtling geworden3 – eine Initiation, die ich mir nie hätte vorstellen können, als ich im Jahr 2014 mit der Arbeit an diesem Buch begann. Rückblickend erkenne ich, dass diese Arbeit mir geholfen hat, mich auf die emotionale Bewältigung des Geschehens vorzubereiten – auf den Umgang mit den Folgen des Feuers und vor allem auf diese monströse, anrollende Lavawand, die nichts und niemand aufhalten konnte. Vielleicht habe ich so den Hauch einer Ahnung davon bekommen, wie sich ein Eisbär oder ein australischer Brillenflughund, ein Orang-Utan oder ein schillernder Scharlachbrust-Schmuckvogel in den Hochanden fühlt – lauter Tiere, die aufgrund der Klimazerrüttung vor der Auslöschung stehen. Und ich fühle mich den Abermillionen menschlichen Klimaflüchtlingen näher, die weltweit aus unbewohnbar gewordenen Gegenden und menschenunwürdigen Verhältnissen fliehen.