Vorwort des Herausgebers — Follow the Experts? Über Expertise und Meta-Expertise
Schon in den 1960er-Jahren, noch vor der bemannten Mondlandung 1969, hatte die NASA Pläne für wiederverwendbare Raumfähren entwickelt, die alsshuttles zwischen der Erde und einer im Orbit kreisenden Raumstation dienen sollten. Zwischen 1982 und 1986 kamen dann in insgesamt 24 Missionen vier Typen solcher Shuttles zum Einsatz:Columbia, Discovery,Atlantis undChallenger. Der zehnte Flug derChallenger endete als Katastrophe. Nur etwas mehr als eine Minute nach dem Start am Morgen des 28. Januar 1986 drangen Flammen aus den Antriebsraketen derChallenger, der Treibstoff explodierte und die Raumfähre brach auseinander. Die Aufnahmen des weissen Rauchs vor dem Hintergrund des blauen Himmels über Florida wurden — ähnlich wie der Einschlag der Flugzeuge in das New Yorker World Trade Center am 11. September 2001 — Teil des kollektiven Bildgedächtnisses. Die sieben Besatzungsmitglieder derChallenger starben,1 darunter, als erste zivile Astronautin, Christa McAuliffe. Die Lehrerin aus Concord, New Hampshire, hatte sich für dasTeacher in Space Project beworben und war ein Jahr zuvor aus mehr als hunderttausend Kandidatinnen und Kandidaten ausgewählt worden.Das Teacher in Space Project war 1984 von Präsident Ronald Reagan verkündet worden. Es sollte bei Schülern und Studierenden das Interesse an Mathematik, Naturwissenschaften und Raumfahrt wecken.
25 Jahre zuvor hatte C. P. Snow seinen EssayThe Two Cultures2 veröffentlicht, in dem er (aus britischer Perspektive) die Aufspaltung des intellektuellen Lebens in den westlichen Gesellschaften beklagt. In den zwei Kulturen stehen sich die literarisch und geisteswissenschaftlich Gebildeten auf der einen Seite und Naturwissenschaftler auf der anderen Seite gegenüber. Beide haben von der je anderen Seite ein systematisch verzerrtes Bild, und es gibt keinen gemeinsamen Boden, auf dem sie sich treffen. Die Zukunftsorientierung der Naturwissenschaften korrespondiere mit der Zukunftsverleugnung der traditionellen Kultur. Die traditionelle Kultur, so lautet Snows Befund, sei in einem erstaunlichen Ausmass unberührt durch die Ausbreitung der naturwissenschaftlichen Kultur, die doch die westliche Welt beherrsche. Man könnte Snows Argument auch so zusammenfassen: Der gesellschaftliche Deutungsanspruch der traditionellen Kultur stehe in einem grotesken Missverhältnis zu ihrer tatsächlichen Bedeutung in einer offenkundig von Technik und Wissenschaft durchdrungenen und beherrschten Welt.
Snow verfolgt mit seiner Analyse ein bildungspolitisches Ziel. Er attestier