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Nach mehreren anstrengenden – aber auch aufregenden – Tagen ist endlich Freitag und meine erste Woche am College fast vorbei. Ich bin zufrieden und freue mich darauf, am Wochenende einfach ein paar Filme zu schauen, da sich Steph garantiert wieder auf irgendeiner Party herumtreibt und ich meine Ruhe haben werde. Dass ich jetzt die Wochenpläne für alle Kurse habe, macht es mir deutlich einfacher, denn so kann ich vorarbeiten. Mit der Tasche über der Schulter mache ich mich auf den Weg zum Coffeeshop, um mir vor dem letzten Seminar noch einen Extrashot Energie zu geben.
»Tessa, richtig?«, höre ich plötzlich eine Stimme. Als ich mich umdrehe, entdecke ich das Mädchen mit den rosa gefärbten Haaren hinter mir in der Schlange stehen. Ich glaube, Steph hat sie Molly genannt.
»Ja, das stimmt«, antworte ich und wende mich wieder dem Tresen zu, um nicht mit ihr reden zu müssen.
»Kommst du heute Abend auch zur Party?«, erkundigt sie sich unbeirrt. Da sie sich vermutlich nur lustig machen will, drehe ich mich seufzend wieder zu ihr um und will gerade den Kopf schütteln, als sie hinzufügt: »Solltest du unbedingt, das wird echt toll.« Sie streicht mit ihren schmalen Fingern über eine große Elfe, die auf ihren Unterarm tätowiert ist.
Nach einer kurzen Pause sage ich: »Tut mir leid, hab andere Pläne.«
»Schade. Ich weiß, dass Zed dich gern wiedergesehen hätte.« Darauf kann ich nur lachen, aber sie lässt sich nicht davon abbringen. »Was denn? Er hat erst gestern von dir gesprochen.«
»Das bezweifle ich sehr … aber selbst, wenn – ich habe einen Freund«, erkläre ich ihr, woraufhin ihr Lächeln noch breiter wird.
»Echt schade, sonst hätten wir als Doppeldate gehen können«, erwidert sie zweideutig, und ich danke innerlich der Barista dafür, dass sie in diesem Moment meine Bestellung aufruft. Vor lauter Eile greife ich zu hektisch nach dem Becher, sodass etwas Kaffee über den Rand schwappt und mir die Hand verbrüht. Ich fluche leise. Hauptsache, das Wochenende geht nicht so weiter. Als Molly mir zum Abschied winkt, lächle ich unverbindlich. Draußen gehen mir ihre Bemerkungen immer noch durch den Kopf.Als Doppeldate ausgehen? Mit wem denn? Mit ihr und Hardin? Sind die beiden wirklich zusammen?So nett und attraktiv Zed auch sein mag, Noah ist mein Freund, und ich würde nie etwas tun, das ihn verletzen könnte. Wir haben zwar diese Woche nicht viel telefoniert, aber das liegt nur daran, dass wir beide so beschäftigt waren. Ich nehme mir vor, ihn heute Abend anzurufen und zu schauen, wie es ihm ohne mich geht.
Nach der Kaffeeaktion und der seltsamen Begegnung mit Miss Pink verbessert sich mein Tag zusehends. Landon und ich hatten ausgemacht, uns vor Kursbeginn am Coffeeshop zu treffen. Wie vereinbart lehnt er draußen an der Backsteinmauer und begrüßt mich mit einem breiten Lächeln.
»Ich hab ganz vergessen, dir zu erzählen, dass ich heute nur die erste Hälfte da bin, weil ich übers Wochenende nach Hause fliege«, sagt er. Ich freue mich für ihn, dass er Dakota besuchen kann, aber gleichzeitig hasse ich die Vorstellung, den Literaturkurs ohne ihn, aber dafür mit Hardin zu verbringen, falls der überhaupt auftauchen sollte. Am Mittwoch war er nämlich nicht da. Nicht dass ich besonders darauf geachtet hätte.
»Jetzt schon? Aber das Semester hat doch gerade erst angefangen.«
»Sie hat Geburtstag, und ich hab ihr schon vor Monaten versprochen, dass ich da sein werde.« Er zuckt mit den Schultern.
Im Seminarraum lässt sich Hardin auf seinen Platz neben mir fallen, allerdings ohne ein Wort zu sagen, nicht mal, als Landon wie angekündigt nach dreißig Minuten den Raum verlässt. Irgendwie spüre ich Hardins Anwesenheit neben mir plötzlich noch deutlicher.
»Am Montag beginnen wir mit Jane AustensStolz und Vorurteil. Das wird die gesamte nächste Woche dann unser Thema sein«, kündigt Professor Hill am Ende des Seminars an. Ich verberge meine Vorfreude nicht, ich glaube, ich quieke sogar fröhlich. Diesen Roman habe ich schon mindestens zehnmal gelesen, und er ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher.
Obwohl Hardin während des Unterrichts kein Wort mit mir gesprochen hat, geht er jetzt dicht neben mir her. In Anbetracht seiner spöttischen Miene glaube ich schon im Voraus zu wissen, was er gleich sagen wird.
»Lass mich raten, du bist total in Mr. Darcy verknallt.«
»Jede Frau, die dieses Buch gelesen hat, ist das«, erwidere ich, ohne ihn anzusehen. Vorne an der Kreuzung schaue ich zuerst in beide Richtungen, bevor ich die Straße überquere.