Vorwort:
mit List und Tücke
Parasiten sind allgegenwärtig, praktisch kein Lebewesen bleibt von ihrer unerwünschten Zuneigung verschont. Dabei verursachen sie ihren Wirten verblüffend hohe Energiekosten: So verbrauchen Brüllaffen mehr als ein Viertel ihres Stoffwechselbudgets dafür, mit Händen, Füßen und Schwanz um sich zu schlagen, um geflügelte Plagegeister abzuwehren.[1]
Doch Parasiten sind nicht einfach nur lästige Blutsauger, die sich dreist auf ihre Opfer stürzen und sie zu mehr oder minder heftiger Abwehr veranlassen. Die raffiniertesten dieser ungebetenen Gäste geben sich nicht allein mit der ausgiebigen Nutzung ihrer Nahrungsquelle zufrieden, sondern haben im Laufe ihrer Evolution sogar die Fähigkeit entwickelt, Verhalten und Psyche ihres Wirts zu ihrem eigenen Vorteil zu manipulieren.[2] Da einige dies bereits seit mindestens 500 Millionen Jahren2 versuchen, leiden schon Insekten, Spinnen und Krebse unter den ebenso perfiden wie erstaunlichen Psychotricks diverser Parasiten. Um Ihnen die riesige Bandbreite dieser Tricks darzulegen, fassen wir den Begriff Parasit recht weit und zählen neben Viel- und Einzellern auch Bakterien und Viren dazu (siehe Glossar).
Ein Meister seines Faches ist der winzige FadenwurmMyrmeconema neotropicum, der im mittel- und südamerikanischen Regenwald Färbung und Verhalten einer Ameise (Cephalotus atratus) so umprogrammiert, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Vogel aufgepickt wird. Die »Idee« dahinter: Vögel lieben rotes Obst. Sobald die infizierte Jungameise alt genug ist, das schützende Nest zu verlassen, lässt der Wurm also ihren Hinterleib prächtig erröten. Denn jetzt beherbergt die »Beerenameise« reife Wurmeier, die schleunigst unters nächste Ameisenvolk gebracht werden müssen. Also klettert sie auf Bäume, die rote Beeren tragen, und spreizt ihren Hinterleib auffällig hoch. Der Vogel schnappt sich den interessanten Happen und scheidet die Wurmei-Füllung andernorts aus. Sobald die Ameisen den nahrhaften Vogelkot finden und an ihre Larven verfüttern, wird auch ihre Kolonie infiziert, und der Parasitenkreislauf schließt sich.[3], [4]
Andere Parasiten können buchstäblich ins Auge gehen, zumindest in das des auch bei uns heimischen See-Flohkrebses (Gammarus lacustris). Kratzwürmer (Polymorphus paradoxus) verändern den Spiegel des Botenstoffs Serotonin im Hirn des Krebses, was die Signalübertragung vom Auge ins Gehirn stört. Das Licht der Sonne erscheint ihm düster, und so schwimmt er aus dem schü