Geist ist zunächst einmal ein Grundwort des Menschseins, so wie Bewusstsein, Psyche, Seele, Ich, Selbst oder Persönlichkeit es auch sind. Man möchte sich keinen geistlosen Menschen vorstellen, denn dann käme man zwangsläufig zum Begriff Zombie. Dieser repräsentiert einen geistlosen Menschen, der seines Willens beraubt sinn- und ziellos umherschweift. Das zeigt uns ganz deutlich, einen Geist zu haben gehört unabdingbar zum Menschsein dazu. Doch was ist mit Menschen, die scheinbar ihren Geist verloren haben? Gedacht sei hier vor allem an Demenzkranke oder Menschen, die in geistige Umnachtung fielen, so wie Friedrich Nietzsche. Sind das keine Menschen mehr? Haben sie ihr Menschsein verloren? Und wenn ja, was sind sie dann? Demenz bedeutet schließlich in der Medizin „geistlos“ oder „Abwesenheit von Geist“. Nun, das ist einerseits richtig, andererseits verwendet die Medizin aber den Begriff Geist in einem anderen Sinne. Geist steht hier für Wahrnehmung und Bewusstsein. Er steht in der Medizin für die Summe aller internen Denk-, Wahrnehmungs- und Gefühlsverarbeitungen. Geist steht für die kognitiven Prozesse wie Denken, Planen, Problemlösen, Entscheiden, Auswählen, Lernen und Erinnern. Das Bewusstsein von Demenzkranken ist übrigens nicht getrübt. Vielmehr führt die Krankheit zu Wahrnehmungsstörungen hinsichtlich des Erkennens und der räumlichen Tiefenwahrnehmung. Auch beim Filtern oder Fokussieren von Wahrnehmungsinhalten treten Störungen auf. Ebenso können der Geschmacks- und Geruchssinn sowie die Temperatur- und Schmerzempfindung verändert oder gestört sein. Im Zuge der fortschreitenden Krankheit treten dann weitere Störungen auf. Störungen des Denkens, der Orientierung, der Auffassung und des Gedächtnisses. Es kommt zu Störungen der Lernfähigkeit, des Rechnens, des Urteilsvermögens, der Sprache und des Sprechens. Wohlgemerkt zu Störungen. Geist ist also noch da, er wird nur durch die Krankheit beeinträchtigt. Demenzkranke sind demzufolge nicht geistlos. Sie sind vielmehr desorientiert und ohne Verstand. Eine Kommunikation auf intellektueller Ebene ist aufgrund dieses Umstandes zwar irgendwann im Verlauf der Erkrankung nicht mehr möglich, aber für eine Kommunikation auf emotionaler Ebene sind Demenzkranke noch bis zum Schluss zugänglich. Kein Wunder, denn wie alle Menschen, die einen Geist haben, wollen sie sich geliebt und sicher fühlen. Die Medizin ist aber nicht die einzige wissenschaftliche Disziplin, die sich des Begriffes Geist bedient. Auch die Psychologie verwendet ihn