Kapitel 1
In Westerby veränderte sich nur selten etwas. Eigentlich nie. So fuhr wie ich gewöhnlich mit meinem alten, klapprigen Fahrrad die Hauptstraße des Dorfes entlang. Ich erwiderte die Begrüßungen von Bekannten, die mir entgegenkamen. Sie brachten ihre Kinder zur Schule, waren auf dem Weg zur Arbeit oder drehten die erste Runde mit dem Hund.
»Alles Gute zum Geburtstag, Marie!«, riefen sie mir winkend entgegen, und ich wünschte mir, dass ich mich tatsächlich über die Beglückwünschungen hätte freuen können. Später kamen die meisten von ihnen noch für einen kleinen Umtrunk vorbei, das war bei Geburtstagen oder an Feiertagen gang und gäbe in Westerby. Dieser Ort war ein beschauliches und eher verschlafenes Nest, in dem nichts Weltbewegendes geschah. Gedankenverloren schloss ich mein Fahrrad an und betrat die örtliche Bäckerei, um frisch gebackene Brötchen zum Frühstück zu kaufen.
»Na, Marie, was darf es an deinem Ehrentag denn