: Johannes Hartl
: Eden Culture Ökologie des Herzens für ein neues Morgen
: Verlag Herder GmbH
: 9783451826078
: 1
: CHF 17.10
:
: Gesellschaft
: German
: 224
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Unser Leben ist komplex geworden. Wir werden von Erwartungen und Informationen überflutet. Oft sehnen wir uns danach, auszubrechen. An dieser tiefen Sehnsucht setzt Bestseller-Autor Johannes Hartl an und zeigt in einer überraschenden Reise durch verschiedene Disziplinen - Philosophie, Psychologie, Soziologie, Kunstgeschichte und Religion - glasklar auf, was uns verloren gegangen ist. Nicht als Abrechnung, sondern als vorwärtsgewandte Analyse. In drei Prinzipien - Verbundenheit, Sinnorientierung sowie unverzweckte Schönheit - erkennt Hartl die Nährstoffe unseres Lebens. Es geht dabei um ein anderes Leben und ein neues Morgen. Ein tiefschürfendes und interdisziplinäres Sachbuch, das polarisiert und inspiriert. Eine Einladung zu einer neuen Kultur: der Eden Culture.  »In welcher Zukunft wollen wir leben? Dies ist ein Buch der feurigen, zornigen Hoffnung, dass ein anderes Leben möglich ist. Ausbrechen. Ankommen.« (Johannes Hartl)

Dr. Johannes Hartl ist Philosoph, Theologe, Speaker und Gründer des Augsburger Gebetshauses. Im Internet erreichen seine Vortra?ge zu den Themen Sinn, Verbundenheit und Glaube Hunderttausende. Er verbindet Menschen quer u?ber Konfessionsgrenzen hinweg und macht Glaubensthemen relevant und versta?ndlich fu?r heute. Der Autor zahlreicher Bu?cher fu?llt als international gefragter Speaker Konferenzsa?le mit u?ber 10.000 Zuho?rern. Er gilt als einer der einflussreichsten Vermittler zwischen christlicher Spiritualita?t, Philosophie und Psychologie im deutschsprachigen Raum.

Geheimnis 1:

Verbundenheit


Seine Zukunftsprognosen finden Millionen Leser. In seinen BestsellernHomo Deus und21 Lektionen für das 21. Jahrhundert zeichnet der israelische Geschichtsprofessor Yuval Noah Harari kein allzu optimistisches Bild von der Zukunft. Auch er geht davon aus, dass künstliche Intelligenzen und Algorithmen unser Leben schon bald in kaum vorstellbarem Maße prägen werden. Der Besitz von Daten werde in Zukunft der entscheidende Machtfaktor sein. Mit ihnen kann das Denken und Fühlen eines Menschen vorhergesagt werden. Es ist also kein Wunder, wenn Zalando genau jene Schuhe zum Kauf vorschlägt, die Ihnen auch tatsächlich gefallen (und Sie gerade auch wirklich nach neuen Schuhen suchen): Zalando erfährt das anhand immer besserer Algorithmen durch Ihre Daten.

Mit dem Wissen um diese Daten wächst auch die Gefahr der Manipulation. Interessant ist, was Harari auf die Frage antwortet, welche Fertigkeiten in einer solchen Zukunft noch zählen werden, zumal die Roboter in den meisten Tätigkeiten besser sein werden: Es werde die mentale Gesundheit und emotionale Intelligenz gefragter sein denn je.1 Denn genau sie machen einen Menschen fähig, sich gegen Manipulation zu wehren und das eigene Denken und Fühlen nicht aufzugeben. Die Fähigkeit, eine Situation emotional zu erfassen und die eigenen Gefühle und Gedanken wahrzunehmen und auszudrücken: Das wird ein entscheidender Erfolgsfaktor der Zukunft sein. Man könnte auch sagen: Genau darin wird unser Vorsprung vor den Computern bestehen. Wer an der Zukunft der Menschheit interessiert ist, kommt an diesem Thema nicht vorbei. Doch worin besteht diese innere Stabilität und woher kommt sie?

Etty und das große Glück


Einige ihrer Bekannten sind schon verhaftet worden. Man hört im von den Nazis besetzten Amsterdam im Sommer 1941 Schreckliches von tagelangen Transporten auf Viehwaggons und Todeslagern weit im Osten. Etty Hillesum macht sich keine Illusionen, sie weiß, dass die Vernichtung und das Leiden nur einen Tag entfernt sein könnten. Doch am Abend des 23. August sitzt sie in einem Bummelzug, lässt ihren Blick aus dem Fenster über die sommerliche Landschaft schweifen und findet alles gut, das Leben und die Menschen. Die jüdische Studentin ist 27 Jahre alt und wird am Abend im dämmrigen Licht ihres Schlafzimmers folgende Sätze in ihr Tagebuch schreiben: »Ich war allein, und doch war mir, als bestünde ich aus zwei Personen, die sich innig aneinanderschmiegten und sich wohltuend wärmten. Sehr enger Kontakt mit mir selbst und dadurch große Wärme in mir.« Als sie zuvor vergnügt eine Allee hinunterspaziert war, habe sie festgestellt, »dass ich allein mit mir selbst in guter Gesellschaft bin und sehr gut mit mir auskomme«.2

Die Seelenruhe, ja dieses innere Glück, von dem Etty berichtet, war keineswegs immer in ihrem Leben gewesen. Als hochbegabte Tochter aus bildungsbürgerlichen, säkular jüdischen Verhältnissen hatte sie bald beschlossen, eigene Wege zu gehen. Die Lebensweise ihrer Familie kann sie nicht befriedigen, unter der Oberfläche einer resignierten Lebensphilosophie erspürt Etty das sinnlose Chaos. Ihre Eltern fördern sie umfassend und lassen ihr viel Bewegungsfreiheit, auch und gerade für erotische Abenteuer. Doch Halt konnten sie ihren Kindern keinen geben, da sie, so Etty, selbst keinen gefunden hatten. So begibt sich die junge Studentin auf eine intensive Suche. Heiße Affären und immer wieder neue Liebschaften lassen sie enttäuscht zurück. Die Quelle kann nicht in einem anderen Menschen zu finden sein. Zum Wendepunkt wird die Begegnung mit dem Psychoanalytiker Julius Spier, einem Schüler von Carl Gustav Jung. Seine stark körperbezogene Form der Psychologie fasziniert