: Hans Asenbaum
: Demokratie im Umbruch Alternative Gesellschaftsentwürfe der russischen Perestroika-Bewegung
: new academic press
: 9783700320357
: 1
: CHF 15.00
:
: Politische Theorien und Ideengeschichte
: German
: 222
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
In den Perestroika-Jahren von 1985 - 1991 entstand in der Sowjetunion eine Vielzahl zivilgesellschaftlicher Gruppierungen verschiedenster ideologischer Ausrichtungen, die angesichts der multiplen Systemkrisen über Alternativen sowohl zum östlichen Staatssozialismus als auch zum westlichen Realkapitalismus nachdachten. Die ebenso große Anzahl an alternativen demokratischen Ideen, die unter Schlagwörtern wie Marktsozialismus, Volkskapitalismus, Computerdemokratie, zivilgesellschaftlicher Parlamentarismus, selbstverwalteter Ökosozialismus und imaginierte liberale Demokratie zusammengefasst werden können, zeugt vor allem davon, dass es in den Köpfen der Menschen zur Zeit der Perestroika weitaus mehr als nur die eine unvermeidliche Option, sich in die erfolgreiche kapitalistische Hauptrichtung (Kornai) einzuordnen, gab. Die diversen Visionen dieser Zeit wurden jedoch durch das Paradigma des siegreichen Kapitalismus und eines vermeintlichen"Endes der Geschichte" (Fukuyama) von den Sozialwissenschaften weitgehend ignoriert und gerieten in Vergessenheit. Hans Asenbaum eröffnet durch die Erschließung bisher unerforschten Materials eine neue Perspektive auf ein kleines Stückchen Geschichte rapiden Wandels. Er analysiert Originaldokumente, wie Gründungspapiere, Parteiprogramme und Reformdeklarationen heterogener Gruppierungen der sogenannten"Informellenb wegung", und lässt in sechzehn Interviews ZeitzeugInnen wie Boris Kagarlitsky und Alexander Buzgalin zu Wort kommen, die zum Teil auch heute noch in Opposition zum Herrschaftssystem aktiv sind. Die vielfältigen demokratischen Alternativen diskutiert Asenbaum vor dem Hintergrund aktueller Debatten über die Krise der westlichen, liberalen Demokratie (Entdemokratisierung,Postdemo ratie) und ihrer Alternativen, um Antworten auf heutige Fragen zu finden. Dabei folgt er einem Verständnis, das unterdrückte, verdrängte und disqualifizierte Theorien von den Wissensperipherien in den Fokus rückt und insistiert, dass Erkenntnisse fernab elitärer, akademischer Zentren zu einer tiefgehenden Ergründung von Vergangenheit und Gegenwart beitragen können. Diesem Ansatz der"Theorie von unten" entsprechend, wird auch eine Perspektive auf die historischen Prozesse der Perestroika eingenommen, die Bevölkerung, Gesellschaft und Zivilgesellschaft als Triebkräfte des politischen Wandels identifiziert. Für die Postsozialismusforschung, die mitunter nach einem positiven Erbe des Staatssozialismus fragt, werfen Asenbaums Darlegungen ein neues Licht auf die üblicherweise als passiv und konservativ beschriebene russische Bevölkerung und erklären die Informellenbewegung als Wurzel der heutigen aktiven Zivilgesellschaft. Überdies verweisen sie auf eine Konvergenz von Demokratie und Sozialismus in den untersuchten zivilgesellschaftlichen Diskursen und stellen damit das Grundprinzip der Egalität in den Vordergrund, das durch die (neo)liberale Fixierung auf ökonomische Freiheit oft außer Acht gelassen wird.

Hans Asenbaum (geb. 1982) studierte Politikwissenschaft an der Universität Wien mit längeren Studienaufenthalten in den USA (New York) und Russland (Krasnodar, Moskau). Gegenwärtig arbeitet er an seiner Dissertation zu alternativen Partizipationsmöglichkeiten im Internet und als wissenschaftlicher online-Tutor für die Fernuniversität Hagen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf alternativen Demokratiemodellen, Demokratietheorie, Neuen Medien, sozialistischer Ideengeschichte, Staats- und Postsozialismusforschung.
Vom Wert einer alternativer Geschichte der sowjetischen Perestroika – Vorwort9
1 Einleitung15
1.1 Zwanzig Jahre danach – Warum Perestroika-Forschung heute?15
1.2 Aktuelle Demokratiedebatten20
2 Theoretische und historische Grundlagen30
2.1 Theoretische Grundlagen30
2.2 Historische Grundlagen: Verschiedene Sichtweisen auf die Perestroika41
3 Methode90
3.1 Vorbereitung: Literaturrecherche und Kontaktsuche91
3.2 Datenerhebung: Interviews und Dokumentenanalyse93
3.3 Auswertung: Most-Similar-System-Design und Themenanalyse95
4 Empirie: Alternative Demokratiekonzeptionen99
4.1 Kurzinformationen zu den Interviewten99
4.2 Ausgangspunkt107
4.3 Alternative Demokratiekonzeptionen118
5 Zusammenfassung und Diskussion173
Anhang185
Abbildungen185
Übersetzungen der Originaldokumente191
PARTIJA SELJONYCH (DIE PARTEI DER GRÜNEN):191
HISTORISCH-POLITISCHER KLUB OBSCHINA (Gemeinde/Kommune)196
MARXISTSKAJA PLATFORMA W KPSS (Marxistische Plattform in der KPDSU)199
BOLSCHEWISTSKAJA PLATFORMA W KPSS (Bolschewistische Plattform in der KPDSU)202
PARTIJA NARODNOGO SAMOUPRAWLENIJA (Partei der Selbstverwaltung des Volkes)204
SOZIAL-DEMOKRATITSCHESKAJA PARTIJA ROSSISKOI FEDERAZII (Sozialdemokratische Partei der Russischen Föderation)207
GRASCHDANSKOJE DOSTOINSTWO (Bürgerwürde)208
Quellen212
Literatur212
Originaldokumente218
Interviews219
Abstract220
Abstract221