: Christoph Reinprecht
: Nach der Gastarbeit Prekäres Altern in der Einwanderungsgesellschaft
: new academic press
: 9783700320258
: 1
: CHF 15.00
:
: Soziologie
: German
: 256
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
Altwerden in der Migration - ein Thema, das in der Alterns- und Migrationsforschung, aber auch von Politik und Verwaltung weitgehend vernachlässigt wird: Welche Erwartungen knüpfen Migrantlnnen an die Zeit nach der Pensionierung? Welche Rahmenbedingungen prägen ihre Lebenssituation? Über welche Ressourcen verfügen sie im Alltag, bei Krankheit oder Pflegebedürftigkeit? Und wie tragfähig sind familiäre Netzwerke? Zwischen Assimilation und Marginalität, ethnischem Rückzug und transnationaler Mobilität, Rückkehrwunsch und Bleibeabsicht wird nach der häufig mehrdeutigen Struktur kultureller Orientierung, Zugehörigkeit und Identität gefragt.Das Buch beschäftigt sich auf der Grundlage empirischer Forschungen mit der vielschichtigen Lebensrealität von älteren Arbeitsmigrantlnnen, die ab Anfang der 1960er- Jahre aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei nach Österreich zugewandert sind und sich hier dauerhaft niedergelassen haben. Die mit dem Arbeiter- und Migrationsstatus verbundenen Belastungen und Benachteiligungen wirken im Alter nach und erschweren die Bewältigung des Übergangs in die nachberufliche Lebensphase. Über diese gemeinsame Erfahrung komplexer Unsicherheit hinaus variiert jedoch die Lebenssituation älterer Migrantlnnen erheblich. Es existieren unterschiedliche Entwürfe selbstbestimmten und selbstständigen Alterns.

Christoph Reinprecht, ist Professor für Soziologie an der Universität Wien und leitet seit über zehn Jahren einen Forschungsschwerpunkt zu Migration und Altern.
Inhalt5
Vorwort7
I. Die Unsichtbarkeit des Alterns der ArbeitsmigrantInnen in Forschung und Öffentlichkeit13
1. „Wo gingen die Maurer am Abend hin, als die große Mauer fertig war?“13
2. Kurzer Rückblick auf ein Kapitel Arbeitsmigration15
3. Soziodemografische Merkmale der älteren arbeitsmigrantischen Bevölkerung17
4. Zur Forschungslage in Österreich25
II. Prekäres Altern in der Einwanderungsgesellschaft31
1. Leben in komplexer Unsicherheit31
2. Interrelationen von Arbeitsmarktlage, Minderheitenstatus und Alter33
3. Migration als reflexives Projekt41
4. Prekäres Altern im Kontext des gesellschaftlichen Strukturwandels44
III. Migration und Unsicherheitserfahrung53
1. Unschlüssigkeit und Befristung des Zeithorizonts53
2. Instabilitäten im Lebenslauf fixieren die Ungewissheit: Besonderheiten der Erwerbsbiografie58
3. Bildung und Berufsqualifikation als Bewältigungsressourcen60
4. Austritt aus dem Erwerbsleben: Unsicherheiten und Uneindeutigkeiten im Übergangsverlauf64
5. Zeit der Bilanzierung und Neuorientierung69
6. Zwischen Erfolg und Scheitern: Versuch einer Typenbildung75
IV. Lebensqualität trotz Prekarität?83
1. Lebensqualität als Kriterium für die Möglichkeit zu einem „guten Leben“83
2. Determinanten der Lebensqualität90
3. Armuts- und Deprivationsrisiko95
4. Soziale Bindungen als Quelle von Lebensqualität97
5. Die ambivalente Bedeutung der sozialen Ressourcen99
V. Dimensionen von Zugehörigkeit und Identität113
1. Identitätskonstruktion unter der Bedingung von Unsicherheit113
2. Leben in mehreren Welten. Empirische Hinweise auf die komplexen Identitätslagen älterer ArbeitsmigrantInnen118
3. Identitätslagen als Ausdruck unterschiedlicher Akkulturationspfade123
4. Ethnizität im Alter: Zwischen Lebensstil, Rückzug und Abgrenzung127
VI. Zurückkehren, pendeln, bleiben135
1. Entscheidungsdilemma oder Optionenvielfalt?135
2. Konkurrierende Zukunftspräferenzen139
3. Möglichkeiten und Grenzen transnationaler Mobilität147
VII. Alterseinstellungen und Aktivitätsressourcen155
1. Gesellschaftliche Altersbilder und individuelle Alterseinstellungen155
2. Dominante Erwartungen: Entlastung von Erwerbs­arbeit, Angst vor sozialer Entbundenheit und Abhängigkeit158
3. Alterserwartungen, Zukunftssicht und Lebensqualität162
4. Analyse von Aktivitätsressourcen165
5. Produktives Altern: Soziale Partizipation – eine Möglichkeit zur Förderung von Integration?169
VIII. Gesundheitliche Ungleichheit als Determinante des prekären Alterns175
1. Gesundheit und Unsicherheitsempfinden175
2. Migration und Gesundheit – ein komplexer Zusammenhang177
3. Soziale und ökologische Determinanten von Gesundheit im Migrationskontext (Andeutung einer aneignungs­theoretischen Perspektive)184
4. Förderung von Aktivität und Bekämpfung der sozialräumlichen Segregation als zentrale Ziele der Gesundheits- und Autonomieförderung190
5. Präferenzen bei Krankheit und Pflegebedürftigkeit198
6. Kernbedürfnisse selbstständiger Lebensführung212
IX. Ausblick in die Zukunft219
Literaturverzeichnis227
Anhang249
Daten zur Senior-Plus-Studie249
Daten zur WHO-Studie „Aktiv ins Alter“251