Süsse Liebe Wahnsinn
Florian Hilleberg
Deine Schönheit, Helen, sie ist für mich
Wie eine nikäische Barke mit stolzem Bug,
Die einst sanft über die duftende See strich
Und den wegmüden Wanderer ganz wie im Flug
An die Heimatufer trug
Von langer durchfahr'ner Meere Gefahr
Dein klassisches Antlitz mir den Heimweg wies,
Najade, dein hyanzinthenes Haar,
Zum Ruhm, der Griechenland hieß,
Und zur Größe, die Rom einst war.
Sieh! Auf der strahlenden Galerie
Stehst du, wie je nur ein Standbild stand,
Die Achatlampe in deiner marmornen Hand!
Ah, Psyche, aus Regionen, die
Sind heiliges Land!
An Helen – Edgar Allan Poe
Als ich merkte, dass der Wahnsinn sie in seinen Klauen hielt, war ich ihr bereits hoffnungslos verfallen. Wie alle Tragö-dien in meinem an Leid nicht armen Leben, so begann auch diese mit geradezu brutaler Banalität. Ich hatte erst vor einem Monat meinen vierzehnten Geburtstag gefeiert, obwohl gefeiert wohl das falsche Wort ist, denn mir liegt wenig an der Gesellschaft gleichaltriger Jungen und Mädchen. Vielmehr sind es die Poesie und das geschriebene Wort, denen seit jeher meine Faszination gilt. Seit gut einem Jahr greife ich nunmehr selbst zur Feder und habe bereits einige sehr bemerkenswerte Gedichte zu Papier gebracht, wie ich in aller Bescheidenheit sagen darf. Doch, weh, wie einsam ist das Herz, wenn es keinen Gleichgesinnten hat, der Leidenschaft und Lust zu teilen vermag. In meinem Elternhaus indes hoffte ich vergebens auf Akzeptanz und Ermutigung, denn was mich bewegte und antrieb, stieß bestenfalls auf Gleichgültigkeit. Mein Stiefvater, der hochgeschätzte Mister John Allan, dem ich nach seinem Gutdünken bis in alle Ewigkeit für seinen Großmut dankbar sein müsste, hielt mich für einen Taugenichts und ließ mich das auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit spüren. Meine Stiefmutter Francis Allan hingegen liebte mich abgöttisch und hat mich seit dem Tod meiner leiblichen Mutter aufgezogen wie ihr eigen Fleisch und Blut. Doch auch diese echte, wirkliche Mutterliebe vermag nicht über die Tatsache hinwegzutäuschen, dass sie nur wenig Interesse für meine dichterische Leidenschaft hegte. Nicht, weil sie es nicht wollte oder gar versucht hätte, sondern weil sie es nicht konnte. So trieb ich einsam umher, ohne Halt und ohne seelisches Pendant, das für das Wachstum des Geistes und seiner Schaffenskraft unerlässlich ist. Und dennoch hatte ich Freunde, beziehungsweise das, was man in meinem Alter unter diesem Begriff versteht. Mir am gegenwärtigsten ist ein gleichaltriger Bursche namens Robert Stanard, der tatsächlich einen Hauch von Verständnis für die Art meiner Beschäftigung hegte und dem ich infolgedessen einige meiner Gedichte und Werke vorlas. Allerdings bei Weitem nicht meine besten und eindringlichsten Texte, denn trotz unserer gegenseitigen Sympathie erschien er mir als Publikum n