Das Vermächtnis
Seit Stunden saß Jolanda nun schon am Wohnzimmertisch im Haus ihrer Mutter.
Sie fühlte sich inzwischen wie gelähmt. Neben ihr auf dem Sofa stand eine große Holzschatulle, die sie im Arbeitszimmer der Eltern aus dem untersten Fach des großen Schrankes herausgeholt hatte.
Sie hatte das Versteck heute zum ersten Mal wahrgenommen, von alleine hätte sie es auf keinen Fall entdeckt, wenn ihre Mutter Florentine nicht den Brief mit Hinweisen für sie hinterlassen hätte.
Ihr brummte der Schädel von den vielen neuen Eindrücken und Informationen, die sie gezwungenermaßen aufnehmen musste.
Genau genommen war ihr speiübel.
Das konnte doch alles nicht wahr sein! Blitzartig raste sie aus dem Stuhl hoch und tigerte ununterbrochen um den Tisch herum.
Ohne anzuhalten, presste sie sich die Hände an die Ohren, um sich selbst zu signalisieren, dass sie eigentlich nichts mehr hören wollte von dem, was in dieser Kiste lag.
Dann blieb sie ruckartig stehen und legte die Hände von den Ohren auf die Augen.
»Ich möchte nichts mehr hören und nichts mehr sehen!«, rief sie laut durch den Raum.
Als sie nämlich vorhin die vielen Unterlagen aus der Kiste genommen hatte, lagen zuunterst Adoptionspapiere, die ihren Namen trugen.
Mit offenem Mund blickte sie auf die Buchstaben, die vor ihren Augen anfingen zu tanzen.
Blitzschnell warf sie die Hülle mit den Papieren ungelesen auf den Tisch, als ob sie sich die Finger daran verbrannt hätte.