: Barbara Herrmann
: Jolandas Reise in die Vergangenheit Der Schatten im Mond
: Books on Demand
: 9783753436272
: 1
: CHF 3.10
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 312
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Nach dem Tod ihrer Mutter findet Jolanda in deren Nachlass eine Schatulle mit Briefen und Fotos. Ihre vermeintlich heile Welt stürzt ein, als sie erfährt, dass ihre verstorbenen Eltern gar nicht ihre leiblichen Eltern waren. Sie begibt sie sich auf die Reise in den Schwarzwald und nach Sizilien, um die Familiengeheimnisse ihrer Adoptivmutter zu lüften und ihre richtigen Eltern zu finden. Bei ihrer Suche tun sich ungeahnte menschliche Abgründe auf, die sich noch über Jahrzehnte bis in die Gegenwart auswirken. Eine Familie, die den strengen und althergebrachten Werten sowie den Vorurteilen gegenüber den italienischen Gastarbeitern zu Beginn der Sechzigerjahre Tribut zollen muss, auf diese Weise ihren inneren Zusammenhalt verliert und letztendlich daran zerbricht. Ein bewegender und spannender Roman, mit viel Emotionen und einer Prise Amore.

Barbara Herrmann ist in Karlsruhe geboren und in Kraichtal-Oberöwisheim aufgewachsen. Ihre Liebe zu Büchern und zum Schreiben begleitete sie während ihres ganzen Berufslebens als Kauffrau. Nach ihrem Eintritt in den Ruhestand sind mehrere Bücher (Romane, Reiseberichte, humorvolles Mundart-Wörterbuch) von ihr erschienen. Heute lebt die Mutter zweier Söhne mit ihrer Familie in Berlin.

Das Vermächtnis


Seit Stunden saß Jolanda nun schon am Wohnzimmertisch im Haus ihrer Mutter.

Sie fühlte sich inzwischen wie gelähmt. Neben ihr auf dem Sofa stand eine große Holzschatulle, die sie im Arbeitszimmer der Eltern aus dem untersten Fach des großen Schrankes herausgeholt hatte.

Sie hatte das Versteck heute zum ersten Mal wahrgenommen, von alleine hätte sie es auf keinen Fall entdeckt, wenn ihre Mutter Florentine nicht den Brief mit Hinweisen für sie hinterlassen hätte.

Ihr brummte der Schädel von den vielen neuen Eindrücken und Informationen, die sie gezwungenermaßen aufnehmen musste.

Genau genommen war ihr speiübel.

Das konnte doch alles nicht wahr sein! Blitzartig raste sie aus dem Stuhl hoch und tigerte ununterbrochen um den Tisch herum.

Ohne anzuhalten, presste sie sich die Hände an die Ohren, um sich selbst zu signalisieren, dass sie eigentlich nichts mehr hören wollte von dem, was in dieser Kiste lag.

Dann blieb sie ruckartig stehen und legte die Hände von den Ohren auf die Augen.

»Ich möchte nichts mehr hören und nichts mehr sehen!«, rief sie laut durch den Raum.

Als sie nämlich vorhin die vielen Unterlagen aus der Kiste genommen hatte, lagen zuunterst Adoptionspapiere, die ihren Namen trugen.

Mit offenem Mund blickte sie auf die Buchstaben, die vor ihren Augen anfingen zu tanzen.

Blitzschnell warf sie die Hülle mit den Papieren ungelesen auf den Tisch, als ob sie sich die Finger daran verbrannt hätte.