: Wilhelm R. Vogel
: Bedroht in Albanien Julius Wondraschek im Land des Adlers
: myMorawa von Dataform Media GmbH
: 9783991254935
: 1
: CHF 7.00
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: Krimis, Thriller, Spionage
: German
Julius Wondraschek, ein pensionierter Beamter, muss dringend verreisen. Daheim droht ihm die Decke auf den Kopf zu fallen. Ein Reiseziel ist bald gefunden. Mit seiner Freundin Maria bucht er eine Gruppenrundreise durch Albanien. Julius recherchiert im Internet und kauft einen großen Stapel Bücher von lokalen Autorinnen und Autoren. Kaum angekommen, zieht ihn Albanien in seinen Bann. Von Landschaft und Leuten begeistert, genießt er, trotz starker Schmerzen im Knie, die Rundreise und nützt jede freie Minute zum Lesen. Seine Phantasie kreist um die Blutrache im Norden des Landes, um die geheimnisvollen Regeln des Kanuns und um die geschworenen Jungfrauen, die rauchen, trinken und als Männer gelten. Bald nach Beginn der Reise spüren Julius und Maria eine tödliche Gefahr. Aber noch sind die Indizien widersprüchlich, noch lässt sich nicht sagen, wer das potenzielle Opfer ist und woher die Gefahr droht. Beide können nichts weiter tun, als die Augen offenzuhalten. Sie können das Buch auch als Reiseführer lesen - als einen Reiseführer der anderen Art.

Wilhelm R. Vogel ist in Baden aufgewachsen und lebt in Wien Floridsdorf. Nach dem Studium der Biologie arbeitete er im Bereich der Forschung und Lehre an der Universität Wien und später in der öffentlichen Verwaltung. Im Juli 2018 veröffentlichte er mit"Der Lockruf des Pirols" seinen ersten Roman. Mit"Unerwartetes" präsentierte er eine erste, mit dem"Ultimativen Risotto" seine zweite Sammlung von Kurzgeschichten. Das vorliegende Buch ist sein vierter Roman Weitere Informationen zum Autor finden Sie unter www.wrvogel.eu

„Die Anerkennung der Mutterschaft fehlt heute“, war Martina überzeugt. „Natürlich muss man mit der Zeit gehen. Wenn man all seine Energie in auch nur ein Kind hineinsteckt, so ist das ebenso zu würdigen, und genau das fehlt in unserer Gesellschaft“, erklärte sie ihrem Mann.

„Damals ging es darum, Kanonenfutter für den Führer zu produzieren.“ Gerd sah das weit weniger verklärt.

„Ich verstehe nicht, warum Mütter, die sich um ihre Kinder kümmern, anstatt sie an Krippen und Kindergärten abzugeben, nicht ein anständiges Gehalt dafür bekommen.“ Martina ging nicht auf den Einwand ein.

„Wer soll das bezahlen?“

„Na, der Staat natürlich!“

„Also die Supermarktverkäuferin, die es sich nicht leisten kann, daheim zu bleiben, soll die Reichen, die es sich leisten können, über ihre Steuer finanzieren?“ Das war Gerlinde gewesen, die dem Gespräch gefolgt war. Ihre Tochter Steffi hatte sich mit Linda und Lara angefreundet und saß im hinteren Teil des Busses.

„Sie arbeiten offenbar schon wieder, wären Sie nicht lieber länger daheim geblieben?“

„Nein!“ Gerlinde hatte kurz gebraucht, um zu verstehen, dass sich dieses ,schon wieder' auf den Zeitraum von über sieben Jahren bezog. „Und Heinz auch nicht“, fügte sie hinzu. „Uns war es wichtig, dass die Steffi, die ein Einzelkind ist, möglichst bald mit anderen Kindern zusammenkommt, daher haben wir sie mit einem Jahr in die Kinderkrippe gegeben, und sie ist mit Begeisterung hingegangen.“

„Sie waren nur ein Jahr in Karenz?“ Die Entrüstung war Martina anzuhören.

„Ich war gar nicht karenziert, Heinz hat sich Auszeit genommen.“

„Gerd hätte das nie gemacht“, war sich Martina sicher.

„Hätte ich die Option gehabt?“ Gerd war verblüfft.

„Natürlich nicht, dass wir beide gleichzeitig in Karenz gehen, wäre sich finanziell nie ausgegangen. Aber ich hätte deine Hilfe brauchen können. Du bist in der Welt herumgefahren und ich habe mich alleine um die Kleine kümmern müssen.“

„Immerhin ist sich mit dem verdienten Geld ein Hausmädchen ausgegangen, das sich auch um Mara gekümmert hat.“

„Stimmt, die Marita. Um die habe ich mich auch noch kümmern müssen. Außerdem hatten wir das Mädchen nur so lange, bis Mara in die Schule gekommen ist. Aber du hast keine Vorstellung, wie aufwendig es ist, mit einem Kind Aufgaben zu machen. Wir sitzen oft von Mittag bis in den Abend hinein und arbeiten daran.“

Julius blendete sich aus und machte Maria auf die Häuser links und rechts ihrer Route aufmerksam. War Geld vorhanden wurde offenbar versucht, den Baustil des klassischen Griechenlands zu kopieren, mit den dazugehörigen Säulen und den passenden Statuen im Garten. Der einfachere Baustil war anders geartet. Eine häufige Variante war ein Betonskelettbau mit drei Etagen. Von diesen wurde der oberste Stock als erster ausgebaut. Oft blieb es dabei, und in den unteren beiden Stockwerken verblieben nur die Säulen und die Stiegen, die oft ohne Geländer nach oben führten.

War das Geld knapp, so stellte man auf die oberste Plattform ein Häuschen, das deutlich kleiner war als die Grundfläche dieses Stockwerkes. Entlang ihrer Reiseroute sahen sie immer wieder derartige Häuser. Auch andere, ihm unbekannte Gebäudearten kamen vor: Riesige, weiße und nahezu fensterlose, mit klassizistischen Elementen garnierte Würfel, die man, hätte es irgendeine Werbung oder auch nur einen Namenszug darauf gegeben, auch für ausgefallene Supermärkte hätte halten können. Aber nichts Derartiges war zu sehen. „Hochzeitspaläste“, erklärte Christine. Die Hochzeit wäre das wichtigste Ereignis im Leben, für das man sich gern einmal verschuldete. Und natürlich dauerte so ein Fest mehrere Tage. Und man lud viele Gäste ein, je nach finanzieller Möglichkeit. Aber gespart wurde bei Hochzeiten nicht.

Es dämmerte bereits, als Berat in Sicht kam. Der Busfahrer brachte sie direkt zum Hotel, wo sie sofort eincheckten.

Das Abendessen nahmen si