: Linda Seger
: Von der Figur zum Charakter Überzeugende Filmcharaktere erschaffen (Creating Unforgettable Characters)
: Alexander Verlag Berlin
: 9783895812408
: 1
: CHF 26.20
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: Journalistik
: German
: 240
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
In 'Von der Figur zum Charakter' setzt sich Linda Seger mit einem essentiellen Bereich des Filmemachens auseinander, dem Erschaffen glaubwürdiger und spannender Filmfiguren. Mit ihrer bewährten Mischung aus Beispielen, Anekdoten, Interviews und Anleitungen erklärt und betont sie die Bedeutung der Recherche, des Dialogs, des persönlichen und konkreten Hintergrunds und der Psychologie, um unvergeßliche Figuren zu erschaffen.Linda Seger: 'Die Gespräche mit erstklassigen Schriftstellern haben mir deutlich gemacht, welcher Kenntnisse und Kunstfertigkeiten es bedarf, großartige Figuren zu schaffen. Am meisten beeindruckte mich, daß jeder dieser Schriftsteller den Eindruck erweckte, daß er seine oder ihre innere Stimme gefunden hatte. Durch meine Arbeit als Drehbuchberaterin weiß ich, daß Schriftsteller lernen können, an diese persönliche Stimme zu glauben und sie weiterzuentwickeln. Talent ist mit Sicherheit ein wichtiger Teil des Schreibens, doch es fliegt kaum jemandem zu. Zum Talent müssen harte Arbeit hinzukommen, eine gewisse Ausbildung, viel Übung, und man muß lernen, an den eigenen Standpunkt zu glauben und ihn zu formulieren.''Fazit: 'Von der Figur zum Charakter' und 'Das Geheimnis guter Drehbücher' sind wichtige Arbeitshilfen für Anfänger, immer wieder mit Beispielen untermauert. Aber auch erfahrene Autoren können sich hier Techniken aneignen, die ihnen in Problemfällen weiterhelfen.' (Jean-Paul Raabe, Film& TV Kameramann, 48. Jg., Nr. 11/1999)Linda Seger arbeitete als Drehbuch-Beraterin (script consultant) bereits an mehr als 1500 Drehbüchern und über 70 Filmen mit. Über das Drehbuchschreiben hat sie mehrere Bücher verfaßt, darunter den internationalen Bestseller 'Making a Good Script Great'.

Linda Seger, seit 1981 Drehbuch-Beraterin; sie hat an mehr als 1500 Drehbüchern und über 70 Filmen mit Schriftstellern, Drehbuchautoren, Regisseuren und Produzenten gearbeitet. Seger veranstaltet weltweit Drehbuch-Seminare und hat fünf Bücher über das Drehbuchschreiben verfasst, darunter den internationalen Bestseller Making a Good Script Great.

1. FIGUREN RECHERCHIEREN

Vor einiger Zeit kam eine meiner schreibenden Klientinnen mit einem wunderbaren Entwurf für ein Drehbuch zu mir. Seit mehr als einem Jahr hatte sie es immer wieder überarbeitet. Ihre Agentin wartete gespannt auf die neue Geschichte.

Obwohl sie füher schon öfter dafür kritisiert worden war, daß manche ihrer Drehbücher für den kommerziellen amerikanischen Markt nicht stark genug seien, war dieses hier spannend und kraftvoll. Es war jene Art von Geschichte, die viele Produzenten als »erstklassigen Entwurf« bezeichnen – mit einem starken Aufhänger und einer originellen Herangehensweise an die Geschichte, mit einem eindeutigen Konflikt und klar umrissenen Figuren.

Ihr erster Film war gerade fertiggestellt worden, und sie rechnete damit, mit diesem Drehbuch Neuland zu erschließen. Sie mußte schnell fertig werden – doch die Figuren funktionierten nicht. Sie war vollkommen ratlos.

Als ich das Drehbuch analysierte, erkannte ich, daß sie nicht genug über das Milieu wußte – über die Welt der Figuren. Einige Szenen spielten in einer Obdachlosenunterkunft. Sie hatte zwar einige Zeit in der Unterkunft Suppe ausgegeben und mit den Obdachlosen gesprochen, doch sie hatte nie die Erfahrung gemacht, was es heißt, dort zu übernachten oder auf der Straße zu leben. Aus diesem Grund mangelte es an Detailarbeit und Gefühlen. Es gab nur eine Möglichkeit, die Probleme mit ihren Figuren zu überwinden – sie mußte die Recherche wiederaufnehmen.

Der erste Schritt bei der Erschaffung jeder Figur ist die Recherche. Da Schreiben zumeist das persönliche Vordringen in unerforschtes Terrain ist, sind Recherchen notwendig, um sicherzugehen, daß die Figur und ihr Kontext plausibel und wahrheitsgetreu klingen.

Viele Schriftsteller lieben das Recherchieren. Sie schildern es als Abenteuer, als Entdeckungsreise, als Gelegenheit, etwas über andere Welten und andere Menschen zu lernen. Sie lieben es, wie ihre Figuren lebendig werden, nachdem sie viele Tage damit verbracht haben, mehr über deren Welt zu erfahren. Wird durch ihre Recherche etwas bestätigt, was sie intuitiv wußten, sind sie überglücklich. Jede neugewonnene Einsicht gibt ihnen das Gefühl, daß sie bei der Erschaffung einer spannenden Figur einen Riesenschritt vorangekommen sind.

Andere schüchtert der Gedanke an Recherche ein, und sie betrachten sie als den schwierigsten Teil der Arbeit. Viele Schriftsteller lehnen das Recherchieren ab und sträuben sich dagegen, stunde