1. Mädchenabend
»Und wo trefft ihr euch?« rief Paul aus dem Arbeitszimmer, als Irene sich gerade im Badezimmer fertigmachte.
»Vor der Oper, ganz einfach«, sagte sie.
»Warum nicht gleich im Restaurant?« fragte Paul.
»Bitte finde ein Restaurant für vier Frauen, von denen eine Hunger hat, eine noch nicht weiß, ob sie überhaupt etwas essen möchte, eine, die sich hauptsächlich vegetarisch ernährt und auf jeden Fall einen Jasmintee trinken möchte, und eine, nämlich ich, der das Lokal relativ egal ist, solange sie sich gut unterhält. Dann bestell einen Tisch und ruf alle an.«
»Wieso ich? Ich gehe doch gar nicht mit.«
»Eben.«
»Aber wo geht ihr hin, nachdem ihr euch getroffen habt?«
»In irgendein Restaurant, in dem es einen freien Platz gibt, und auf das mindestens ein Kriterium zutrifft.«
»Frauen .« sagte Paul, enthielt sich aber jedes weiteren Kommentars.
»Und wer kommt aller?«
»Auf alle Fälle Elisabeth, und wahrscheinlich auch Bobby und Alex.«
»Bobby und Alex? Was sind denn das für Namen?«
»Roberta und Alexandra, warum?«
»Nur aus Interesse, das klingt nämlich recht kindisch für zwei erwachsene Frauen mittleren Alters.«
»Ich glaube ich höre nicht recht, was heißt hier mittleren Alters? Du bist so ein A.«
Irene wollte gerade weiter ausholen, als ihr Telefon läutete.
»Klaus?« sagte sie, und fürchtete bereits, dass ihre beste Freundin nicht kommen konnte und ihr Mann für sie absagte.
»Nein, Elisabeth. Ich rufe von Klaus‘ Handy an.«
»Wieso? Hast du dein Handy wieder einmal verlegt?«
»Ja, macht nichts.«
»Warum rufst du nicht einfach deine Nummer an, und wenn du es läuten hörst, dann findest du es vielleicht auch?«
»Das nützt nichts, ich habe den Ton ausgeschaltet. Und ich habe keine Zeit mehr, zu suchen. Eigentlich wollte ich dich nur fragen, ob ich dich mitnehmen kann.«
»Nein danke, lieb von dir, aber ich fahre öffentlich, das ist einfacher.«
»O.k., dann bis nachher«, sagte Elisabeth.
Es ist immer dasselbe, dachte Irene, sie wird nie organisiert sein. Sie kannte Elisabeth seit vielen Jahren, und es verband sie nicht nur eine enge Freundschaft, sondern es bestand zwischen ihnen auch ein echtes gegenseitiges Verständnis und eine tiefe Verbundenheit trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere und gelegentlichen Differenzen, oder vielleicht gerade deswegen.
»Ich gehe dann«, sagte Irene und kam ins Arbeitszimmer, um sich von Paul zu verabschieden.
Paul sah kurz von seiner Arbeit auf und sagte: »Du hast dich aber schick gemacht, bist du sicher, dass Alex und Bobby wirklich zwei Frauen sind?«
»Ziemlich sicher«, antwortete Irene, »und wenn nicht, wirst du es wahrscheinlich nie erfahren!«
»Na dann gute Unterhaltung!« rief Paul als Irene schon in Richtung Eingangstüre verschwu