: Barbara Mansfield
: Wir sind nicht besser, aber anders Deutscher Adel in der Nachkriegszeit und in der Bundesrepublik Deutschland Sein Selbstverständnis unter besonderer Berücksichtigung des Geschlechtes derer von Arnim
: Books on Demand
: 9783753432878
: 2
: CHF 9.70
:
: Gesellschaft
: German
: 518
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Mit dem deutschen Adel ist es so wie in Andersens Märchen von"Des Kaisers neue Kleider" - Entweder man glaubt an ihn oder nicht. Offiziell gibt es den deutschen Adel seit 1918 nicht mehr. Aber die Menschen, die adelig geboren wurden existieren nach wie vor und die Berichterstattung in den ,,Bunten Blättern'' und Fernsehanstalten zeigen, dass der Adel immer noch ein interessantes Thema ist. Dies gilt für die europäischen Königshäuser, aber auch für den bundesdeutschen Adel. Im Buch wird der Frage nachgegangen, wie der Adel nach 1945 mit dem Land-, Macht- und Prestigeverlust umgegangen ist und wie er seine Rolle in einer Demokratie wahrnimmt. Sieht er sich immer noch als Elite oder ist er inzwischen im Bürgertum aufgegangen?

Barbara Mansfield wurde am 31. Mai 1945 in Hamburg geboren. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und Abitur studierte sie an der Freien Universität Berlin Politische Wissenschaften und Geographie. Nach erfolgreichem Abschluss dieser Studiengänge (Staatsexamen und Diplom) absolvierte sie ein Redakteur-Volontariat beim Sender Freies Berlin und arbeitete anschließend als Redakteurin beim NDR in Hannover. Nach ihrer Rückkehr nach Berlin arbeitete sie wieder 13 Jahre als Fernsehjournalistin beim SFB. Ihre letzten Berufsjahre war sie alleinige Pressesprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe und arbeitet jetzt wieder als freie Journalistin. Barbara Mansfield stammt selbst aus einer sehr alten adeligen Familie. Dies erleichterte ihr den Zugang zu den Adeligen, die sonst Journalisten respektive Nichtadeligen ungern Interviews geben, da sie sich oft missverstanden fühlen. 168 Adelige haben sich bereit erklärt, der Autorin Rede und Antwort zu stehen. Die Auswertung dieser Interviews geben einen guten Überblick über die"Innen- und Einsichten" des Adels in der Bundesrepublik Deutschland.

2.1 Forschungsansatz


Die Unterteilung der Adelsgruppen in Grandseignieurs und Kleinadel, wie sie von Malinowski vorgenommen wurde, sind für Untersuchungen über den Adel im Nachkriegsdeutschland ebenso wenig sinnvoll, wie die von Conze gewählten Kriterien, wie Landbesitz und/oder Beamten- resp. Militärkarrieren, weil sie für den ostelbischen Adel nach 1945 entfielen.

Das gilt auch für die von Malinowski beschriebene Bildungsferne eines Großteils des preußischen Landadels, der Bildung Ende des 19., Anfang des20 Jahrhunderts vor allem als Ideale des von ihm „verachteten“ Bürgertums ansah.35 Nach 1945 veränderte sich diese Sichtweise. Eine möglichst qualifizierte Ausbildung ist heute wesentlicher Bestandteil adeliger Erziehung.

Im Unterschied zu den Historikern, die sich mit dem Adel im 20.Jahrhundert beschäftigt haben, beruht diese Arbeit nicht in erster Linie auf schriftlichen, sondern mündliche Quellen. Sie werden nur insofern durch Bismarkgemachten Aussagen ergeben oder ob sie diese verifizieren.

Befragt wurden Adelige aus fast allen Bundesländern. Die Samplebildung erfolgte nicht über die bestimmte Kategorien wieKonfession, Region, „Stand innerhalb des Adels“ oder Familie, sondern erfolgte„willkürlich“, das heißt „ungefiltert“, durch alle Adelsschichten. Dabei kommen nicht nur herausragendeVertreter des Adels „zu Wort“, sondern vor allem die sonst eher „unsichtbaren Adeligen“, das heißt die Angehörigen des sogenannten niederen Adels. Im Unterschied zu den bereits vorliegenden Untersuchungen liegt der Schwerpunkt dieser Arbeit auf der Zeit nach 1945. Wenn es um die Sichtweise und Bewertung bestimmter politischer Gegebenheiten geht wurde die Zeit vor 1945 mitberücksichtigt, denn Verhaltensweisen, Interpretationen von Ereignissen, Erfahrungsberichte und Sichtweisen sind ohne diesen partiellen Rückblick kaum oder deutlich schwerer nachvollziehbar.

Ziel der Befragung und Auswertung weiterer adeliger Quellen war auch herauszufinden, in welchem Umfang sich das Selbstbild des Adels in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg von dem der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus unterscheidet und wie der Adel seine eigene Vergangenheit bewertet.Alle „Aussagen“ wurden durch allgemeinere Informationen über den Adel vervollständigt und, soweit sinnvoll, mit den Forschungsergebnissen anderer Historiker, vor allem Conze und Malinowski, verglichen, um herauszufinden, wo es Übereinstimmungen gibt, in welchen Punkten sie sichunterscheiden und ob es „Interpretationen“ gibt, die heute nicht mehr haltbar sind.

Durch die Auswertung der Interviews und schriftlichen Quellen sollte eine