: Sabrina Eitner
: Flammen der Angst, Funken des Mutes
: TWENTYSIX
: 9783740741143
: 2
: CHF 8.80
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 500
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Es fällt schwer, sich eine angeknackste Seele einzugestehen. Mit einem angeknacksten Fußgelenk tut man sich da wesentlich leichter. Und weißt du, woran das liegt? Weil ein angeknackstes Fußgelenk als Unglücksfall angesehen wird, aber eine angeknackste Seele als Schwäche. Sascha bezeichnet sich selbst als Psycho und geht auch sonst ziemlich offen mit seiner Angsterkrankung um, an der er seit geraumer Zeit leidet. Anna findet, dass sie lange genug als Lebensretterin vom Dienst im Einsatz war und es nun an der Zeit ist, sich selbst wegen ihrer schweren Depressionen helfen zu lassen. Jutta ist von beidem weit entfernt. Ihre schon seit Wochen andauernden Unwohlgefühle, für die die Ärzte keine Ursache finden, schiebt sie auf ihren Kreislauf. Von der Idee ihrer Lehrerin, das Gespräch mit einer Psychologin zu suchen, hält sie überhaupt nichts. Psychische Probleme haben ihrer Meinung nach nur Schwächlinge, und zu dieser Gruppe möchte sie sich auf gar keinen Fall zählen. Doch als es ihr zunehmend schlechter geht und ihr der Alltag immer mehr entgleitet, wird sie dazu gezwungen, den Begriff der persönlichen Stärke für sich neu zu definieren.

Sabrina Eitner wurde 1982 in Nürnberg geboren. Sie wollte eigentlich Psychiaterin werden, hat sich dann aber für ein Studium der Wirtschaftspädagogik entschieden und unterrichtet heute an einer Förderberufsschule für junge Menschen mit körperlich-motorischen Einschränkungen. Bereits während ihrer Schulzeit hat sie nebenbei geschrieben. Flammen der Angst, Funken des Mutes ist ihr erster Roman.

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Jutta war davon überzeugt, dass der Tag, an dem ihr Leben eine so entscheidende Wendung nehmen sollte, dass sie ihn später als den Zeitpunkt festmachte, der ein Vorher und ein Nachher entstehen ließ und diese gleichzeitig voneinander trennte, einer der heißesten war, die sie bis dato erlebt hatte.

Das Thermometer war schon in den Morgenstunden kurz davor, die Dreißig-Grad-Marke zu knacken, und obwohl ab der dritten Unterrichtsstunde die Fenster und die Tür zum Gang geöffnet wurden, damit die stehende Luft im Klassenzimmer zirkulieren konnte, wusste mehr als die Hälfte der Schüler der 7a sich nicht mehr anders zu helfen, als aus einem Blatt Papier einen Fächer zu basteln und mit diesem vor dem Gesicht zu wedeln.

Jutta war alles andere als begeistert, als die Mädels aus ihrer Klasse, mit denen sie gewöhnlich die Pause verbrachte, die Tür zum Schulhof ansteuerten anstatt den Gang weiterzugehen, der in die Aula führte, in der es selbst bei hochsommerlichen Temperaturen angenehm kühl war. Draußen war es dagegen kaum auszuhalten – auch dann nicht, wenn man sich unt