EINLEITUNG
DIE STADT IM ANTHROPOZÄN
»Willst Du die Zukunft sehen, gehe in die Hauptstadt«
Christoph Mauny
Die Große Transformation und die Rolle der Städte
Seit mehr als 25 Jahren setzt dasJahrbuch Ökologie auf die Kraft von Aufklärung, Vernunft und Verantwortung. Viele Beiträge schildern Ursachen und Zusammenhänge der ökologischen Krise, andere plädieren mit Engagement, Kompetenz und Kreativität für einen neuen Fortschritt. Die Beiträge beschreiben den kritischen Zustand unseres Planeten und werben für die Alternative: eine sozial-ökologische Gestaltung der Transformation in Wirtschaft und Gesellschaft. Das Jahrbuch zeigt Ideen, Projekte und konkrete Utopien auf, wie die Entwicklung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf neue Gleise gelenkt werden kann.
In diesem Jahrbuch heißt der Schwerpunkt »Zeitalter der Städte«. Eine wichtige Frage von strategischer Bedeutung ist die Rolle der Städte in der Transformationsfrage, die eine sozial-ökologischen Gestaltung erfordert, aber bisher weder eindeutig noch allgemeingültig genug definiert ist. Wir sind davon überzeugt, dass die Stadt ein entscheidender Motor für einen sowohl klima- und umweltgerechten als auch sozial verträglichen Umbau der Gesellschaft stehen kann. Dazu wollen wir einen Beitrag leisten.
Der Begriff der Transformation wird allerdings für unterschiedliche Sachverhalte gebraucht. Wir verstehen Transformation nicht als einen modischen, oft sogar beliebigen Begriff für Veränderungen, sondern knüpfen an die analytische und strategische Spur an, die der Wirtschaftshistoriker Karl Polanyi (1886–1964) in seiner wegweisenden Arbeit »The Great Transformation« gelegt hat.
Bei allen Leerstellen und Schwächen hat seine Großgeschichte von der Entwicklung der Gesellschaft den Tiefgang, der auch heute zur Bewertung der Ursachen und Herausforderungen der globalen Epoche notwendig ist. Polanyis grundlegende Erkenntnis hieß:»Die unregulierten Marktkräfte erniedrigen die menschlichen Tätigkeiten, erschöpfen die Natur und machen die Währungen krisenanfällig«.
Demnach ist die entscheidende Triebkraft der Transformation das Marktsystem genauer die Verselbständigung der »Entbettung« der Märkte aus gesellschaftlichen Bindungen. Polanyi beschreibt die ökonomischen Ursachen der Umbrüche und Krisen, die er in politische und gesellschaftliche Zusammenhänge einordnet. Entbettete Märkte können destruktive Umwälzungen auslösen, denn die»Idee eines selbstregulierenden Marktes bedeutet eine krasse Utopie. … Eine solche Institution könnte über längere Zeiträume nicht bestehen, ohne die menschliche und natürliche Substanz der Gesellschaft zu vernichten.«
Als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise von 1929 wollte Franklin D. Roosevelt (1882–1945), der 32. Präsident der USA, 1933 einen New Deal einleiten. Der Begriff stammt aus der Pokersprache und bedeutet, dass in einer verfahrenen Situation die Karten neu ausgeteilt werden sollen. Roosevelt