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Die Männer, die an der Ecke der Straße arbeiteten, hatten sich eine Art Lager aufgeschlagen, wo – durch rote, an dreibeinigen Ständern hängende Sturmlampen markiert – ein tiefes Loch in der Fahrbahn zu dem Netzwerk der unterirdischen Abwasserrohre hinabführte. Um den Eimer mit brennendem Koks vor dem Schutzzelt scharten sich mehrere Gestalten. Mit großen, pantomimischen Gebärden, wie Komiker, die durch Gesten die Vorstellung extremer Kälte vermitteln wollen, rieben sie sich die Hände und schlugen die Arme um ihre Körper. Einer von ihnen, ein hagerer Kerl in blauem Monteuranzug, größer als die übrigen, von spaßigem Gebaren und mit langer, spitzer Nase wie ein Shakespeare’scher Narr, trat plötzlich hervor und warf, als vollzöge er einen Ritus, einen Gegenstand – offensichtlich die lose in Zeitungspapier eingewickelten Reste zweier Bücklinge – auf die glühenden Kohlen. Die Flammen züngelten wild auf, und der Rauch drehte sich hoch in die Wirbel des Nordostwindes. Während der dunkle Qualm über die Häuser glitt, begann es leise aus einem trüben Himmel zu schneien, wobei jede der Flocken kurz aufzischte, wenn sie den Kokseimer erreichte. Die Flammen fielen wieder in sich zusammen, und die Männer wandten sich alle – so als ob die religiösen Pflichtverrichtungen für den Augenblick beendet seien – vom Feuer ab, ließen sich umständlich in die Grube hinab oder zogen sich in das Dunkel ihres Zeltunterstandes zurück. Der Schnee fiel weiter in grauen, zögernden, nicht sehr dichten Flocken, während ein scharfer Geruch bitter und gasig die Luft durchdrang. Der Tag neigte sich dem Ende zu.
Irgendwie weckt der Anblick von Schnee, der auf Feuer fällt, in mir immer Gedanken an die Welt der Antike: an Legionäre in Schafsfellen, die sich an einem Feuerkorb wärmen; an Bergaltäre, auf denen Opfergaben zwischen eisbedeckten Säulen glühen; an Zentauren, die Fackeln tragen und leicht an einem gefrorenen Meer entlanggaloppieren – an verstreute, unzusammenhängende Gestalten aus einer mythischen Vergangenheit also, die von dem gegenwärtigen Leben unendlich entfernt sind und die doch Erinnerungen an Reales und Erdichtetes mit sich bringen. Diese Projektionen aus klassischer Vergangenheit, aber auch etwas in der Körperhaltung der Männer selbst, als sie sich von dem Feuer abwandten, beschworen plötzlich die Szene des Gemäldes von Poussin, in der die Jahreszeiten, Hand in Hand und nach außen gewandt, zu der Musik der Leier tanzen, die der geflügelte, nackte Graubart spielt. Und diese allegorische Darstellung der Zeit weckte dann Gedanken an das irdische Leben: an die Menschen, wie sie, nach außen gewandt wie die Jahreszeiten, sich Hand in Hand in verschlungenem Rhythmus bewegen; wie sie langsam, methodisch und manchmal leicht unsicher schreiten in Wendungen, die erkennbare Formen annehmen, oder wie sie ausbrechen in wilde, scheinbar sinnlose Drehsprünge, während ihre Partner verschwinden, nur um dann wieder zu erscheinen und erneut dem Schaustück eine Struktur zu geben; wie sie unfähig sind, die Melodie, und unfähig vielleicht auch, die Schritte des Tanzes zu bestimmen. Die klassischen Assoziationen riefen aber auch Gedanken an die Zeit in der Schule in mir wach, wo so viele zuvor unvertraute Kräfte allmählich unerbittliche Klarheit angenommen hatten.
Wenn der Winter in jenes Flusstal vorrückte, stiegen gewöhnlich am späten Nachmittag die Nebel auf und streckten sich über das überflutete Gras, bis das Haus und all die Außenbezirke der Stadt eingehüllt waren in undurchsichtigen, frostigen, zigarrenrauchfarbigen Dunst. Das Haus sah auf andere mietskasernenähnliche Gebäude, die – Experimente in architektonischer Bedeutungslosigkeit – sich hineindrängten in den den Mittelpunkt bildenden Komplex eindrucksvoller, altertümlicher Bauten, die in vierseitigem, aber unregelmäßigem Stil angelegt waren. Angeschwemmte Rückstände der Jahre schwelten ungestört – und nicht ohne Melancholie – in dem rotbraunen Backsteingemäuer dieser mittelalterlichen Einfriedungen. Auch jenseits ihrer Kopfsteinpflaster und Bogengänge, mehr nach Norden hin, zwischen den Wiesen am Fluss und den Baumalleen, brütete, nicht weniger rätselhaft und untröstlich, die Erinnerung; und manchmal wurde ich fast erdrückt von der Dringlichkeit, mit der die Vergangenheit ihre schwermütigen Forderungen erhob.
Vor der Eingangstür verlief nach Weste