: P. Howard, Jen? Rejt?
: Ein Seemann in der Fremdenlegion Roman
: Elfenbein Verlag
: 9783941184916
: 1
: CHF 16.20
:
: Hauptwerk vor 1945
: German
: 236
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Am Tag seiner Lieben soll man nicht arbeiten ... daher der ganze Ärger!' Das ist die Lehre, die John Fowler, die 'Keule', aus dem Diebstahl einiger Kisten Rasierseife zieht, kurz bevor er mit seinem Kumpel Alfons Nobody vor der Polizei zur Fremdenlegion flüchtet. Zu verwirrend? Es kommt noch besser. Ausgangspunkt der Geschichte ist eine gestohlene Hose, die den gedrungenen Kriminellen Delle Hopkins zum Hochstapeln mit Kopfschüssen verleitet, der daraufhin fälschlicherweise für Leutnant Mander gehalten wird - einen Offizier, der auf einer Expedition in den Senegal angeblich eine irreführende Nachricht gefunkt haben soll, die den nun angeklagten ehrenwerten Kapitän Laméter dazu veranlasst hat, seine eigene Expedition ins Fongiland im Stich zu lassen und zum Heimathafen zurückzukehren. Da der Funker von einem Krokodil gefressen wurde und der richtige Leutnant Mander tot ist, beschließen Fowler, Nobody und Hopkins - überzeugt von der Unschuld des Kapitäns und von einer Diamantenmine als Belohnung angelockt - das Rätsel um die ominöse Funkernachricht zu lösen. - Ein vor Witz, Ironie und Einfallsreichtum sprudelndes Legionärsabenteuer!

Unter dem Pseudonym P. Howard (1905-1943) veröffentlichte Jen? Reich alias Jen? Rejt? im Budapest der 30er Jahre seine unnachahmlichen ironischen Geschichten, die in Ungarn bis heute ungezählte Neuauflagen erlebt haben. Seine absurden Dialoge sind die einzigartige Würze der Romane Jen? Rejt?s. Nicht weniger abenteuerlich tragikomisch war seine Lebensgeschichte: Aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammend, wollte er nach dem Abitur Schauspieler werden, brach die Ausbildung aber ab, um durch die Welt zu streunen. In Afrika wurde er angeblich Fremdenlegionär, und mit 28 Jahren verschlug es ihn wieder nach Hause, wo er mit seinen Romanen immer erfolgreicher wurde. Der Verlag Nova riet ihm zu einem englischen Pseudonym - so wurde aus Jen? Rejt? P. Howard, ein Parodist von Abenteuer- und Kriminalromanen. Während des Krieges wurde er von den Nazis zum Arbeitsdienst nach Woronesch (Ukraine) deportiert, wo er am Neujahrstag 1943 erfror. In Ungarn zählt P. Howard, der Meister des Katastrophenwitzes, zu den beliebtesten Schriftstellern. In den kongenialen Übersetzungen von Vilmos Csernohorszky jr. erschienen bereits die Romane: 'Ein Seemann von Welt' (2004), 'Ein Seemann und ein Gentleman' (2008), 'Ein Seemann in der Fremdenlegion' (2012), 'Ein Seemann und ein Musketier' (2014), 'Ein Seemann aus der Neuen Welt' (2016)

Erstes Kapitel


Einige Worte über eine Hose, ein Tischtuch, mich selbst und andere dubiose Elemente


1.

Der Türkische Sultan hat sich seit zwei Tagen nicht mehr auf der Straße blicken lassen, weil ihm jemand seine Hose gestohlen hat. Dieses Kleidungsstück ist unverzichtbar, wenn man spazierengehen will. Welche Lehre zieht man daraus? Ich weiß nicht. Doch ist es ganz gewiss, dass sich hinter der Sache lehrreiche Folgerungen verstecken. Wenn man nämlich dem Sultan seine Hose ließe, oder wenn Delle Hopkins besser auf seine Kleidung achtete, dann entwickelte sich das Schicksal einiger Leute völlig anders – ja, sogar das Schicksal eines kleinen Reiches. Derlei Rätsel verbergen sich zuweilen im Hintergrund einer Hose.


2.

Nun aber und in erster Linie einige Worte über mich, den bescheidenen Helden dieses Romans. Ich bin ein frommer Mann, vielleicht deshalb, weil mein Onkel mütterlicherseits Kantor war und ich schon in früher Jugend die Achtung vor den Gesetzen der guten Moral in mich aufsog. Deshalb kann ich mich nur ganz selten dazu entschließen, am Marthatag zu stehlen. Denn Martha hieß meine Mutter, und folglich hege ich für diesen Tag eine große Ehrfurcht. Wundern Sie sich bitte nicht über meine altmodische Moral, doch haben meine Erfahrungen sonnenklar be­wiesen, dass ohne Respekt vor bestimmten Grundsätzen und Überlieferungen alle Wege unseres Daseins sich schwer und holprig gestalten, während wir – wenn wir nur für unsere Ideale und Grundsätze zu Opfern bereit sind – selbst über holprige Wege leicht dahingleiten.

All das vermag ich deshalb so klug und gewandt und gleichzeitig ergreifend auszudrücken, weil ich als Kind selbst Kantor werden wollte. Dass es trotzdem anders kam, liegt an der Überredungskunst meines heißgeliebten Vaters. Er war zwar nur ein einfacher Fischer gewesen, hatte mich aber darum gebeten, Matrose zu werden wie sein Vater, sein Großvater und sämtliche Ahnen, unter ihnen auch sein Urgroßvater. Er beschrieb mir die Schönheiten eines Lebens auf dem Schiff und die privilegierte Stellung des Seemanns, und er erwähnte sogar Lord Nelson, der sich seinerzeit auf den besonderen Mut meines Urgroßvaters berief, um zu verhindern, dass man den Alten pfählte. Die sanfte Überredung meines Vaters wäre jedoch ohne Folgen geblieben, wenn er im Verlauf seiner Argumentation darauf verzichtet hätte, mich mit einem Mast so lange zu schlagen, bis ich mich dem Gewicht seiner Beweisgründe beugte und als Schiffsjunge anheuerte.

Die Sehnsucht aber, den Frieden und die Menschenliebe zu verkünden, wärmt meinen Busen heute noch geradeso wie in früher Jugend, als ich noch nichts vom Leben wuss­te, mit meinen Kameraden spielte und meinen heiß geliebten Vater zur Sanitätsstation begleitete, wenn ihn die Übermacht des Kneipengeschwerls zu Boden gedrückt hatte …

Meine Belesenheit verdanke ich meiner mütterlichen Li­nie. Die Geschichte der Genoveva war das erste Buch gewesen, an das ich Hand legen konnte und im Laufe der Jahre mehrere Male las. Später kam mir das »Gil Blas« betitelte Werk in die Hände, und in Sing-Sing habe ich die Historie des Schwanenritters Lohengrin gleich zehnmal überflogen. Diese tiefschürfende Moritat hat mein Denken und Fühlen definitiv geprägt, indem ich die ewiggültige menschliche Moral dieses Werkes begriff: Vergebens machst du ein Geheimnis aus deiner Vergangenheit. Das Weib kommt ­früher oder später dahinter, und du fliegst wie ein Schwan. Welch weiser und tiefschürfender Gedanke. Auf meine mön­chi­schen Ambitionen führe ich es zurück, dass ich stets gerne in der Zelleneinsamkeit meditiere, und nur wer schon mal Papiertüten klebte, weiß um die tiefe Konzentration, welche dem Tütenkleben innewohnt. So wurde ich der fahrende Verkünder von gegenseitigem Verstehen, Frieden und Lie­be. Ich habe einige Prinzipien, an die ich mich unter allen Um­ständen halte:

1. Meide Zwist und rohe Gewalt.

2. Meide den Streitsüchtigen.

3. Suche, auf deinen Nächsten mit sanfter Überredung einzuwirken.

4. Berufe dich nicht auf Entlastungszeugen, denn was nützt es dir, wenn man deine Bekannten einlocht?

5. Meide den Betrunkenen, und man wird dich in ähnlichem Zustand in Ruhe lassen.

6. Sei nicht eite