für Günter
»Só o amor livre e sem sujeitos existe eternamente...«
Teresa Balté
… mich,Liebster, wird es bald nicht mehr geben, werde, wenn der Tag erwacht, nur noch in der Erinnerung sein und, wenn du es wünschst, aus dem Nichts wirken, dem Nichts, wie sie es nennen, weil wir, weil ich, Teresa da Anunciada, nicht in Worte fassen kann, was mich erwarten wird … ich dein Nichts, aufgeschwollen, verkrustet, Maden in eiternden Wunden, Liebster, alle Worte, die ich dir zuflüstere, atmen Gestank in dein Gesicht, faulige Gase, die deinen, mich betreuenden Bräuten die Besinnung nähmen, würden sie sich nicht wie der Duft meiner Tugenden für sie entfalten, wie berauschendes, das Kloster erfüllendes Aroma blühender Daturen, Lügen, mit denen sich schlichte Seelen betrügen, ja, Liebster, Gestank, der mich ekelt, für den ich mich schämen würde, wäre es nicht Qualm aus den Trümmern dieses Gefängnisses, aus dem ich, wenn es hell wird, zu deinem höherem Lobe befreit sein werde, du mein Alles, sehe dich, wenn ich die Lider öffne, vor mir, sehe in deine liebevollen, braunen Augen, die mir bedeuten, dass alles durchlitten, alles vergeben, dass die Ewigkeit für mich bereitet ist, Liebster, fühle, ja, jetzt kann ich es sagen, wachen die Beichtväter doch nicht mehr über meine Gedanken, fühle deine Lippen, deinen belebenden, meine Wunden besänftigenden Kuss … wenn ich die Augen schließe, sehe ich dein gerahmtes Bild an der Wand gegenüber, erwache für Sekunden zu jener Wirklichkeit, in der du, in der wir nur Abbild sind und die Schwestern über mich geneigt darauf warten, mein Habit zu zerschneiden, Reliquien, Liebster, Reliquien für alle Fälle, damit wir auch weiterhin, wie sie es nennen, Wunder vollbringen können, einfache, sich fügende Dinge, höre Scheren- und Messerwetzen, sehe, wie sie in Gedanken an meinem Gewand zerren, an meinen Haaren, an Finger- und Fußnägeln, ja, wenn sie mir die Augen entfernen, die Zunge herausschneiden, mein Herz zerteilen, wenn sie mein Blut in Lappen aufsaugen könnten, einen für jede von ihnen und einige zum Verkaufen … ich, dein Nichts, liege in reinen Tüchern, eine brennende Kerze in der rechten, ein Medaillon der Heiligen Mutter in der linken Hand, würde, wenn ich die Augen schlösse, die Schatten der betenden Schwestern auf den Wänden dieser Zelle sehen, den in wandernden Wolken verlöschenden Mond … diese Zelle ist, Liebster, nicht meine Zelle, diese Laken nicht mein Lager, meines, auf dem ich sterben wollte, war aus faulendem, blutig verkrustetem Stroh, kantigen Hölzern, Wurzelknoten bereitet, die mich verletzten, meine Wunden nässen, eitern, die mich in Schmerzen mit dir verschmelzen ließen, innige, Liebster, sich im Schoß entzündende Qual – sie haben es weggekarrt, mit Spiritus übergossen, angezündet, ließen meine Liebe grell, krachend flackern, Wind trug die Asche davon – wo sind die Disziplinen, die Wachskugeln voller Glassplitter, wo der treue Freund, mein stachliges Pektoral – in einer Kiste, siehst du’s, später, auch wenn sie es noch nicht wissen, in einer Vitrine, ungereinigt, voll eingetrockneten Martersekrets, ach …
… gehe, so träume ich, in die Kirche hinüber, um einen Strauß weißer, duftender Lilien in einer Vase auf deinen Altar zu stellen, habe es eilig, weil ich in der letzten Zeit nachlässig, in meinem Dienst nicht so aufmerksam gewesen bin, wie es meine Pflicht gewesen wäre, hetze durch den Kreuzgang, auch wenn ich mir verzeihe, mich über meine Leichtsinnigkeit mit Worten hinwegtröste, die du mir gesagt haben könntest, stoße die Tür zum unteren Chorraum auf, halte überrascht inne: eine Prozession bewegt sich langsam, schwerfällig