: Ann-Kristin Gelder
: The Evil of Salwood Gänsehaut-Thriller
: Thienemann Verlag GmbH
: 9783522621861
: 1
: CHF 11.70
:
: Jugendbücher ab 12 Jahre
: German
: 384
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein abgelegenes Dorf, ein Bannkreis, Geister, die auf verlorene Seelen lauern, ein Pakt mit dem Teufel: Dieser packender Mysterythriller mit mitreißender Liebesgeschichte garantiert Lesegenuss pur! Faye und Ezra wohnen in Salwood, abgeschottet von der Außenwelt. Ein Bannkreis aus Salz schützt die Dorfbewohner vor den Geistern, die im Nebel geduldig auf ihre Opfer warten. Als Mutprobe wagt sich eine Gruppe Jugendlicher in den Nebel. Ein Mädchen stirbt und Faye entdeckt bald, dass ein Geist von ihr Besitz ergriffen hat. Zusammen mit Ezra versucht sie herauszufinden, wie sie sich und das Dorf retten kann. Dabei kommen die beiden einem schrecklichen Verrat auf die Spur ...

Ann-Kristin Gelder, Jahrgang 1981, ist Deutsch- und Musiklehrerin und lebt mit ihrem Mann, zwei Katern, drei Kindern und zwölf Musikinstrumenten an der Weinstraße. Wenn sie nicht gerade an einem neuen Roman schreibt, geht sie geocachen oder steht mit Band oder Chor auf der Bühne. Die Autorin steht für Lesungen zur Verfügung.

1 – FAYE


Die Präsenz der Geister


Es war stockfinster. Die Sonne war längst untergegangen, und das Licht des Mondes kämpfte aussichtslos gegen die dichte Nebeldecke an, die Salwood von allen Seiten umgab. Ich schlang das grob gewebte Tuch enger um meine Schultern, doch es nutzte wenig gegen die klamme Kälte, die sich allmählich einen Weg in mein Inneres bahnte. Die düstere Vorahnung beim Gedanken an unser Vorhaben begleitete mich schon die ganze Woche und wurde mit jedem Tag stärker. Jetzt, da die Mutprobe unmittelbar bevorstand, hatte auch meine Unruhe ihren Höhepunkt erreicht. Ich wusste, dass es klüger wäre, im Bett zu bleiben, das kleine Häuschen, in dem ich mit meinen Eltern wohnte, nicht zu verlassen. Trotzdem hatte ich es getan, war still und leise über den Flur die hölzerne Stiege hinabgeschlichen, vorbei an der offenen Feuerstelle, wo einige Holzscheite vor sich hin glommen – ein roter Schein, der in wenigen Stunden komplett vergangen sein würde. Um Rohstoffe zusparen, waren die Kerzen schon vor Stunden gelöscht worden, sodass tiefste Dunkelheit über dem gesamten Dorf lag. Obwohl Salwood nur rund zweihundert Einwohner hatte, fehlte es uns an nichts. Der Boden war fruchtbar, die wenigen Felder ertragreich, und der Wiesenbach, der irgendwo in den nordöstlichen Bergen entsprang, versorgte uns mit Wasser. Was jedoch bei Tag freundlich und einladend wirkte, erschien nun fast feindselig. Der Wind hatte aufgefrischt und sorgte dafür, dass der feine Nieselregen in jede Pore drang und die Luft feucht und schwer machte. Es war die passende Nacht für ein derartiges Vorhaben.

Ich bewegte mich im Schutz der Mauern, verschmolz mit den Schatten. Um ein Zusammentreffen mit etwaigen nächtlichen Spaziergängern zu vermeiden, verzichtete ich auf die Abkürzung über den Dorfplatz, der durch einen hüfthohen Steinwall von den umliegenden Häusern abgetrennt war. Ganz sicher wollte ich es nicht riskieren, mich für mein Tun vor meinem Vater rechtfertigen zu müssen. Aus Gewohnheit warf ich über die Schulter einen Blick zurück. Der Umriss der Kapelle, das höchste Gebäude Salwoods, war kaum auszumachen, doch in der Spitze des Turms flackerte das ewige Licht, ein spärlicher Glanz in einem Meer aus Schwärze. Mein Vater war als Reverend dafür zuständig, dass es nie erlosch, und zumindest heute Nacht war ich froh darüber, es zur Orientierung zu haben.

Als ich das Dorf hinter mir gelassen hatte und auf die angrenzende Weide hinaustrat, atmete ich auf. Zwar war ich davon ausgegangen, unbehelligt zu bleiben, nichtsdestotrotz war ich angespannt. Nächtliche Ausflüge waren absolut untersagt, wobei die von uns geplante Unternehmung auch tagsüber für heftigen Ärger sorgen würde. Ohne den Schutz der Häuser stach der Wind noch mehr und riss an meinem Leinenkleid, das zwar lange Ärmel hatte und mir bis zu den Knöcheln reichte, jedoch Regen und Nässe wenig entgegensetzen konnte. Ich legte den Kopf in den Nacken und blickte in den Himmel. Hinter dem allgegenwärtigen Nebelschleier konnte ich verschwommen einige Sterne erkennen. Der Umriss des Mondes verlieh der Welt einen unheimlichen, fast kränklichen Schein, der mir jedoch lieber war als die komplette Finsternis einer Neumondnacht.

Entfernt hörte ich das gleichmäßige Murmeln des Wiesenbaches. Obwohl ich das Dorf regelmäßig zum Kräuter- oder Beerensammeln ver