: Sabine Naumann, Marko Ferst, Elisabeth Gehring, Fritz Leverenz, Peter Lechler, Ralf Heimrath, Mesut
: Brücken ins Land Erzählungen
: Books on Demand
: 9783753433875
: 2
: CHF 7.90
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 376
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Von einer Hochzeit in den Jurten der mongolischen Steppe, grandiosen Landschaften wird erzählt. Ein Ausflug auf dem Dromedar in Saharadünen endet in den Fängen von Ganoven. Der Band enthält zahlreiche spannende Liebeserzählungen. Vom Schicksal eines Lehrers berichtet ein Beitrag, seine Frau kehrt von einem Kongress im Ausland nicht zurück in die DDR. Der Krieg in Syrien unterbricht das musikalische Üben eines Jungen, in Deutschland bekommt er eine neue Geige. Wie ein Kind in Brokdorf hineinwächst in die Anti-AKW-Bewegung, zeigt eine Autorin, bis hin wie die Polizei illegal Menschen einkesselt in späterer Zeit. Wahre Feen tragen blau. Doch was kann helfen gegen einen Vater, der arbeitslos geworden, jedes Maß für ein gelingendes Leben verliert? Ein Gericht in Chile soll einen Brand klären, ein Lager mit Biberfallen fackelte ab. Nach einem Luftangriff kann sich eine Jüdin retten, obwohl ein SS-Mann sie identifiziert. Ein Fliegermord soll aufgeklärt werden. Eine junge Frau, zur russischen Kommandantur beordert, gelangt unschuldig in ein Speziallager bei Berlin. Beim Schlachtefest kommt die Sache mit dem Schwein zur Sprache, das nach fruchtiger Kost ausnüchtern mußte. Ihr königsblauer Scherenschnitt bringt eine junge Künstlerin in ungeahnte Kalamität. Viele Brücken ins Leben zeigen die beteiligten Erzählerinnen und Erzähler. *** Der Band enthält Erzählungen von Anke Ames, Erika Baumgart, Mesut Bayraktar, Horst Decker, Marko Ferst, Benjamin Frech, Elisabeth Gehring, Hans-Jürgen Gundlach, Ralf Heimrath, Gudrun Heller, Werner Hetzschold, Karl-Otto Kaminski, Tengis Khachapuridse, Renate Kinzel, M. Wolfram Kutzscher, Peter Lechler, Fritz Leverenz, Anna B. Lippmann, Evelyn Bernadette Mayr, Gabriele Nakhosteen, Sabine Naumann, Ingrid Peter, Esther Redolfi, Bruno Rauch, Catherine Santur, Isabel Schenk, Paul Schöppl, Natascha Tesar-Pelz, Hannelore Thürstein, Kerstin Werner, Marlene Wieland

Mesut Bayraktar


Möwen auf der Brücke

Diese Nächte waren nichts anderes als Zauber. In ihnen drehte sich nicht das Rad der Zeit, auch hielt die Zeit nicht an. Vielmehr fand das Fließen des Jetzt weiterhin statt, aber das Namenlose war, dass das Fließen des Jetzt aus seinem allbekannten Rahmen fiel und sich selbst überschritt. Es wurde zeitlos. Wir fassten gemeinsam die Weltgesamtheit im verdichteten Moment ihrer Flüchtigkeit in ihrem kleinen Zimmer unter einer Dachschräge zusammen. Diese Nächte waren das Suchen nach der Wesentlichkeit der Dinge und das Deutlichmachen der Undeutlichkeit des Selbst. Für einen Augenblick siegten wir, lediglich für einen Augenblick über die Unmöglichkeit der menschlichen Begegnung. Dabei sollte ich ihr nur kurz etwas bringen.

Es war mitten in der Woche. Sie hatte mich kurzfristig darum gebeten, ihr einen juristischen Kommentar zur Bearbeitung einer Akte zu bringen. Da ich noch beim Gericht war und ein Auto besaß, besorgte ich ihr den Kommentar aus der Gerichtsbibliothek und fuhr am späten Nachmittag zu ihr. Sie wohnte alleine in einem Dachgeschoß eines fünfstöckigen Altbauhauses am Rand der Stadt. Vor dem Gebäude befand sich ein dickes, weißes Metalltor, dahinter ein kleiner, unregelmäßig gepflegter Garten, wo die Eingangstür zum Haus sich befand. Der hölzerne Treppenflur, jede Stufe knarzte, war akkurat mit einem schmalen, gräulichen Teppich verlegt, der den Schall der Schuhsohlen etwas dämpfte. Auf jeder Etage breiteten sich große Fenster aus, die zur Straße guckten und das abnehmende Tageslicht einfingen. Ich war das erste Mal in diesem Haus, und es machte in gewisser Weise Eindruck auf mich, vielleicht wegen der Tatsache, dass sie hier wohnte. Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass ich so etwas wie Anmut spürte, die mit jeder Treppenstufe in mir wuchs. Auf der höchsten Etage angekommen, erstreckte sich vor mir eine Wand aus milchigem Glas, das bis zu der hohen Decke reichte. Mittendrin stand eine Tür im Rahmen. Zunächst dachte ich, dass sie hier wohnen würde, sodass ich eine Hand auf die kühle, bronzene Türklinke legte. Sobald ich aber aus dem Augenwinkel sah, dass sich links von mir, schräg neben der Wand aus milchigem Glas, eine weiße T