PROLOG
Joshua sah sich unbehaglich um. Er besuchte nie gerne Partys und diese war ihm besonders unangenehm. Die Musik war zu laut, die Menschen zu betrunken und er fürchtete, zwischen den Gästen die zerfaserten Umrisse von Geistern zu sehen. Dieser Ort schien perfekt dafür.
Im Stillen verfluchte er seine hellseherische Gabe. Die Feier fand in einem der alten Fabrikgebäude statt, die man schon lange stillgelegt hatte und seit Jahren für verschiedene Anlässe nutzte. Sein Freund Mark unterhielt sich angeregt mit seinen Kollegen und schien ihn für den Moment vergessen zu haben. Nicht so schlimm, dachte Joshua. Heute fühlte er sich nicht gerade als Stimmungskanone. Er fuhr sich durch das dunkle Haar und suchte den Blick seines Freundes. Dieser schien das zu spüren, denn er sah auf. Joshua verdeutlichte ihm, dass er kurz rausgehen würde.
Die schwere Tür quietschte, als er sie aufstieß und in die klare Nacht hinaustrat. Einige Leute hielten sich im Vorhof auf, doch niemand beachtete sein Auftauchen. Ihm war es recht. Joshua sog die angenehme Luft ein und brauchte einen Augenblick, bis das Dröhnen in seinen Ohren nachließ. Vor ihm lag ein schmaler Trampelpfad und er folgte diesem. Der Kies knirschte unter seinen Schuhen und die letzte Beleuchtung blieb hinter ihm zurück. Manchmal fürchtete Joshua, dass er die Seelen wie ein Magnet anzog. Mit einem unwohlen Gefühl blickte er sich um, aber das Gelände lag ruhig vor ihm. Er lief weiter. Die Musik geriet in den Hintergrund und Joshua hörte sie nur noch wie entferntes Trommeln.
Ein verrostetes Rohr lud zum Sitzen ein und er ließ sich auf dem großen Metallbauteil nieder. Hinter ihm erhob sich ein Zaun, den jemand niedergetreten hatte. Ein Stück Wiese wuchs dahinter und eine einsame Grille zirpte.
„Bist auch alleine, hm?“, murmelte er dem Insekt zu.
Völlig unerwartet tauchte eine Erscheinung vor ihm auf. Joshua erschrak so sehr, dass er fast von seinem Sitzplatz rutschte. Die Frau blieb durchlässig, trotzdem konnte Joshua sie gut erkennen. Sie trug ein helles Kleid, das an der Brust blutverschmiert war. Ihr kurzes Haar schien lieblos abgeschnitten zu sein.
Joshua starrte sie überrascht an, erhob sich, da er nicht zu dem Geist aufschauen wollte.
Wortlos wandte sie sich um, lief ein Stück voraus und drehte sich wieder zu ihm. Ihr Gesichtsausdruck schien so furchtbar traurig zu sein – zerbrochen wie ein Stück Porzellan. „Was möchtest du von mir?“, flüsterte er.
Komm …
Für einen Augenblick existierte für Joshua nur die Seele der Verstorbenen. Wie in Trance folgte