: Joy Fielding
: Home, sweet home Roman
: Goldmann Verlag
: 9783641262792
: 1
: CHF 4.50
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 480
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Auf gute Nachbarschaft ...

Nach einem traumatischen Erlebnis zieht Maggie mit ihrer Familie nach Palm Beach Gardens in Florida. Sie hofft, in der gepflegten Gegend mit den freundlichen Nachbarn ihre Vergangenheit endlich hinter sich zu lassen. Doch dann verlässt sie ihr Mann, und auch die Idylle ihres Viertels erweist sich als trügerisch: Eine lautstarke Auseinandersetzung im Haus gegenüber, zwielichtiger Besuch nebenan, spitze Bemerkungen bei einem gemeinsamen Grillfest. Schnell gerät Maggie zwischen die Fronten und muss um ihre und die Sicherheit ihrer Kinder fürchten. Und als an einem heißen Sommermorgen der Knall eines Schusses die Stille zerreißt, ist allen klar: Hier ist mehr passiert als ein gewöhnlicher Nachbarschaftsstreit …

Joy Fielding gehört zu den großen Spitzenautorinnen Amerikas. Seit ihrem Psychothriller »Lauf, Jane, lauf« waren alle ihre Bücher internationale Bestseller. Joy Fielding hat zwei Töchter und lebt mit ihrem Mann in Toronto, Kanada, und in Palm Beach, Florida.

KAPITEL EINS


Anfang Mai, einige Monate vor den fatalen Ereignissen jener schwülen Sommernacht, wird Maggie McKay wie jeden Morgen seit Beginn des Schuljahrs um sechs Uhr von ihrem Radiowecker geweckt. Sie streckt die Hand über die leere Hälfte des Doppelbetts zu dem Nachttisch auf der anderen Seite aus und bringt die süßlichen Klänge vonOh, What a Beautiful Morning mit einem entschlossenen Klaps zum Verstummen, bevor der Refrain wiederholt wird.

Wahrscheinlich sollte sie den Radiowecker auf ihre Seite des Bettes stellen, damit sie den Arm nicht so weit ausstrecken muss. Zumindest sollte sie ihn neu programmieren, damit er eine andere Melodie spielt. Dieser blöde Song geht ihr mittlerweile nur noch auf die Nerven. Sie braucht keine Erinnerung daran, dass Florida das Land der schönen Vormittage ist. Sie konnte das Lied noch nie ausstehen.

Aber sie stellt weder den Radiowecker um, noch programmiert sie einen neuen Song ein und wird es wahrscheinlich auch nicht tun. In ihrem Leben hat es in letzter Zeit genug Veränderungen gegeben. Zu viele.

Die Musik war Craigs Idee. Eine sanftere Art aufzuwachen als das schrille Piepen, das sie vorher aus dem Schlaf gerissen hatte. Ihre Nerven lägen ohnehin blank, erinnerte er sie unnötigerweise. Was sie bräuchte, sei weniger Stress, sagte er. Was er brauchte undnicht sagte – vielleicht war es ihm damals selbst noch nicht bewusst –, war weniger Maggie.

Nicht dass sie ihm die Schuld für das Zerbrechen ihrer Ehe gibt, zumindest nicht ausschließlich. Der Umzug nach Palm Beach Gardens war ihre Idee gewesen. Ein Neuanfang, hatte sie ihm erklärt, als sie zum ersten Mal die Idee aufgeworfen hatte, ihre Familie zu entwurzeln, Haus, Freunde und ihr berufliches Umfeld in Los Angeles zurückzulassen und auf die andere Seite des Landes zu ziehen. Es würde ein Neustart werden. Ein neuer Anfang. Besser für alle.

Praktisch dieselben Worte, die Craig benutzt hatte, als er vor drei Monaten seine persönlichen Habseligkeiten gepackt hatte und ausgezogen war. »Es tut mir leid«, hatte er hinzugefügt und es geschafft, so auszusehen, als meinte er es ernst. »Ich kann einfach nicht mehr.«

»Arschloch«, murmelt sie jetzt, so ziemlich das erste Wort, das ihr jeden Morgen über die Lippen kommt, seit er ausgezogen ist. »Beschissener Feigling.« Das Laken fühlt sich kühl an unter ihrem dünnen Baumwollpyjama, als sie sich zurück auf ihre Hälfte des Bettes rollt und die oberste Schublade ihres Nachttischs neben dem Kissen aufzieht. Sie tastet nach der kalten glatten Oberfläche der massiven Glock 19, die sie in einem Chiffon-Wirbel aus bunten Halstüchern versteckt hat. Die 9-Millimeter-Pistole ist wegen ihrer Größe und Verlässlichkeit die beliebteste Handfeuerwaffe in denUSA. Hatte zumindest der Verkäufer gesagt, bei dem sie die Pistole noch am selbe