: Hazel Prior
: Miss Veronica und das Wunder der Pinguine Roman
: Goldmann Verlag
: 9783641272890
: 1
: CHF 8.90
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 464
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Bestseller aus Großbritannien über das Leben, die Liebe und die Rettung der Pinguine.

Die 86-jährige Veronica McCreedy lebt entfremdet von ihrer Familie in einem großen Anwesen an der schottischen Küste. In letzter Zeit fragt sich die rüstige alte Dame oft, was sie noch mit ihrem Leben – und ihrem Vermögen – anfangen soll. Als sie eines Abends im Fernsehen eine Sendung über eine Kolonie bedrohter Adeliepinguine in der Antarktis sieht, ist Veronica zutiefst beeindruckt und fasst einen tollkühnen Plan: Sie wird den Pinguinen in der Antarktis einen Besuch abstatten. Und Veronica wird sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen lassen, auch nicht von dem Forscherteam, bei dem sie sich einzuquartieren gedenkt ...

Hazel Prior lebt mit ihrem Mann und ihrer rothaarigen Katze im englischen Exmoor. Sie liebt Tiere, ganz besonders Pinguine, und wenn sie nicht schreibt, tourt sie mit ihrer Harfe durch England.

2


Veronica

The Ballahays

Das Leben ist soeben ein Stück komplizierter geworden. Ich habe heute Morgen versucht, mir die Haare zu so etwas wie einer Frisur zu kämmen, doch der Spiegel im Badezimmer war nicht da. Ich bin zurück ins Schlafzimmer geeilt, nur um festzustellen, dass der Spiegel dort ebenfalls verschwunden ist. Das Gleiche gilt für den Spiegel im Flur und für den im Wohnzimmer.

Als Nächstes frühstücke ich, nicht sonderlich erfreut über diese neuen, unzumutbaren Umstände.

Um neun Uhr schließt Eileen die Tür auf.

»Morgen, Mrs McCreedy! Und was für ein schöner Tag es ist!« Sie besteht darauf, nervtötend gut gelaunt zu sein.

»Was haben Sie mit all den Spiegeln gemacht?«

Sie blinzelt langsam wie ein Frosch.

»Ich habe sie ins Hinterzimmer geräumt, wie Sie es mir aufgetragen haben!«

»Das ist doch absurd! Wie soll ich mich denn ohne Spiegel frisieren und schminken?« Sie ist wirklich ein irrationales Geschöpf. »Würden Sie die Spiegel bitte wieder aufhängen, bevor Sie irgendwas anderes machen?«

»Was, alle?«

»Ja, alle.«

Sie stößt ein leises Schnauben aus. »Wie Sie wünschen, Mrs McCreedy.«

Das will ich doch hoffen. Ich bezahle sie schließlich nicht umsonst.

Mir fällt zu spät ein, dass auf dem Küchentisch noch eine gewisse Kiste steht und dass Eileen bestimmt ihren Senf dazugeben wird.

»Sie haben es also noch nicht geschafft, sie zu öffnen«, sagt sie sofort, als sie sie erblickt – in der Annahme, dass das nicht meine freie Entscheidung ist, sondern an meinem Unvermögen liegt. »Ich könnte Doug bitten, das Vorhängeschloss aufzusägen, wenn Sie sich nicht mehr an die Zahlenkombination erinnern.«

»Ich erinnere mich an die Zahlenkombination, Eileen. Mein Gedächtnis funktioniert einwandfrei. Ich kann mich noch an Dutzende ZeilenHamlet aus meiner Schulzeit erinnern.« An dieser Stelle verdreht sie kurz die Augen. Sie denkt, ich bemerke es nicht, aber ich bemerke es sehr wohl. »Und ich will nicht, dass sich Ihr Doug an meiner Kiste zu schaffen macht«, fahre ich fort. »Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie sich ohne viel Aufhebens um die Spiegel kümmern würden.«

»Ja, selbstverständlich, Mrs McCreedy. Wie Sie wünschen.«

Ich sehe zu, wie sie die Spiegel vor sich hin murmelnd aus dem Hinterzimmer schleppt und jeden an seinem ehemaligen Platz aufhängt.

Als die Spiegel wieder an Ort und Stelle sind, nehme ich sofort das Problem mit meinen Haaren in Angriff. Allzu viele sind nicht mehr übrig, und sie sind erschreckend weiß, aber ich habe sie gern ordentlich. Allerdings finde ich keinen Gefallen daran, mich anzusehen. Mein Spiegelbild ist kein schöner Anblick, wenn ich es mit