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Veronica
The Ballahays
Das Leben ist soeben ein Stück komplizierter geworden. Ich habe heute Morgen versucht, mir die Haare zu so etwas wie einer Frisur zu kämmen, doch der Spiegel im Badezimmer war nicht da. Ich bin zurück ins Schlafzimmer geeilt, nur um festzustellen, dass der Spiegel dort ebenfalls verschwunden ist. Das Gleiche gilt für den Spiegel im Flur und für den im Wohnzimmer.
Als Nächstes frühstücke ich, nicht sonderlich erfreut über diese neuen, unzumutbaren Umstände.
Um neun Uhr schließt Eileen die Tür auf.
»Morgen, Mrs McCreedy! Und was für ein schöner Tag es ist!« Sie besteht darauf, nervtötend gut gelaunt zu sein.
»Was haben Sie mit all den Spiegeln gemacht?«
Sie blinzelt langsam wie ein Frosch.
»Ich habe sie ins Hinterzimmer geräumt, wie Sie es mir aufgetragen haben!«
»Das ist doch absurd! Wie soll ich mich denn ohne Spiegel frisieren und schminken?« Sie ist wirklich ein irrationales Geschöpf. »Würden Sie die Spiegel bitte wieder aufhängen, bevor Sie irgendwas anderes machen?«
»Was, alle?«
»Ja, alle.«
Sie stößt ein leises Schnauben aus. »Wie Sie wünschen, Mrs McCreedy.«
Das will ich doch hoffen. Ich bezahle sie schließlich nicht umsonst.
Mir fällt zu spät ein, dass auf dem Küchentisch noch eine gewisse Kiste steht und dass Eileen bestimmt ihren Senf dazugeben wird.
»Sie haben es also noch nicht geschafft, sie zu öffnen«, sagt sie sofort, als sie sie erblickt – in der Annahme, dass das nicht meine freie Entscheidung ist, sondern an meinem Unvermögen liegt. »Ich könnte Doug bitten, das Vorhängeschloss aufzusägen, wenn Sie sich nicht mehr an die Zahlenkombination erinnern.«
»Ich erinnere mich an die Zahlenkombination, Eileen. Mein Gedächtnis funktioniert einwandfrei. Ich kann mich noch an Dutzende ZeilenHamlet aus meiner Schulzeit erinnern.« An dieser Stelle verdreht sie kurz die Augen. Sie denkt, ich bemerke es nicht, aber ich bemerke es sehr wohl. »Und ich will nicht, dass sich Ihr Doug an meiner Kiste zu schaffen macht«, fahre ich fort. »Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie sich ohne viel Aufhebens um die Spiegel kümmern würden.«
»Ja, selbstverständlich, Mrs McCreedy. Wie Sie wünschen.«
Ich sehe zu, wie sie die Spiegel vor sich hin murmelnd aus dem Hinterzimmer schleppt und jeden an seinem ehemaligen Platz aufhängt.
Als die Spiegel wieder an Ort und Stelle sind, nehme ich sofort das Problem mit meinen Haaren in Angriff. Allzu viele sind nicht mehr übrig, und sie sind erschreckend weiß, aber ich habe sie gern ordentlich. Allerdings finde ich keinen Gefallen daran, mich anzusehen. Mein Spiegelbild ist kein schöner Anblick, wenn ich es mit