: Jo Graham
: Der Hüter des Feuers Historischer Roman
: Goldmann
: 9783641267193
: 1
: CHF 8.90
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 480
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
4. Jahrhundert vor Christus: Alexander der Große ist tot, gestorben in Babylon, fernab seiner Heimat. Nun streiten sich seine Generäle, unter ihnen Ptolemaios, um sein Imperium. Lydias, ehemaliger Pferdeknecht Alexanders und treuer Gefolgsmann Ptolemaios', ist Zeuge, als die Göttin Isis dem General den Auftrag erteilt, Pharao von Ägypten zu werden. Nachdem Ptolemaios die Regentschaft übernommen hat, beginnt er, ein freies Ägypten aufzubauen, und betraut Lydias mit einer wichtigen Mission: Alexanders Leichnam nach Ägypten zu bringen, um seinen Geist zu befreien. Der sensible und kluge Lydias begibt sich in das gefährlichste Abenteuer seines Lebens ...

Jo Graham hat mehrere Jahre in der Politik gearbeitet, bis sie sich ganz dem Schreiben widmete. Sie lebt mit ihrer Familie in Maryland.

1

Der König liegt in Babylon

Der König war tot. Alexander lag in Babylon, im Palast der Perserkönige, auf seinem Sterbebett. Und ich hatte über seinen Leichnam hinweg ohne verständlichen Grund einen Mann getötet.

Das Gerangel war selbst hier weitergegangen, in seinem Sterbegemach.

»Zu mir! Zu mir!«, schrie Perdikkas, barhäuptig und mit vor Schweiß glänzendem Gesicht. Er sei der Nachfolger, behauptete er, Alexander habe ihm seinen Ring in die Hand gedrückt.

Andere sagten, der Ring sei für Krateros bestimmt, der nicht hier war.

Und natürlich erhoben auch noch andere Anspruch. Sein Leichnam war noch nicht kalt.

Ich trat einen Schritt zurück. Das Blut lief in den Rillen der Schwertklinge hinunter, als ich in Abwehrhaltung ging; warme Rinnsale liefen über meine Fingerknöchel. Die Beine des Königs waren unter seinem Chiton nackt. Falls er bedeckt gewesen war, wie es sich ziemte, so war das Leichentuch beim Kampf verrutscht. Ein Tropfen fiel von meiner Klinge und glitzerte auf einem goldenen Haar.

Der junge Eunuch war über ihm zusammengesunken, schützte ihn mit seinem toten Körper. Zumindest nahm ich an, dass er tot war. Er lag ganz still, den Rücken wehrlos den Schwertern rund um die Totenbahre herum preisgegeben.

»Drängt sie zurück!«, brüllte Perdikkas. Anscheinend gewann er die Oberhand.

Das Schwert in der Hand, stand ich da. Niemand kam mir nahe. Ich hatte keinen Grund, irgendjemanden anzugreifen.

Ein Mann ging zu Boden. Perdikkas und zwei weitere Kämpfer stürzten der Tür entgegen, drängten ihre Gegner zurück. Ich vernahm den letzten Atemzug des Sterbenden, dieses typische Todesröcheln, und rührte mich dennoch nicht von der Stelle. Wem sollte ich mich anschließen? Perdikkas? Gut genug war er ja, aber er hatte nie auch nur ein Wort an mich gerichtet. Krateros, der Männer, die Frauen aus fremden Ländern heirateten, verlacht und ihre Söhne als Bastarde bezeichnet hatte?

Mein Herr war doch schon tot.

Und so stand ich über der Bahre und lauschte meinem Atem.

Draußen verhallte das Kampfgeschrei allmählich in der Ferne. Vielleich