KAPITEL
EINS
Kensington, London
November
»Nicht wieder diese grässliche Discokugel von deiner Mutter, Duncan! Ich flehe dich an! Letztes Jahr hat Lydia Mumford schreckliche Migräne davon bekommen, und ich konnte nicht mal mehr die Häppchen von Waitrose servieren.«
Lizzie Andrews funkelte ihren Ehemann böse an, der gerade die große, sich drehende Silberkugel am Haken über der Kücheninsel aufhängen wollte und dabei ganz oben auf der Trittleiter balancierte, während auf dem Herd darunter ein Topf mit Cranberrys vor sich hin köchelte.
Keeley senkte den Kopf, schaute angestrengt in den Becher mit dampfend heißem, extrastarkem Kaffee und versuchte verzweifelt, nicht zu lachen. Die Unterhaltung ihrer Eltern über die von der lange verstorbenen Großmutter geerbte Festtagsdekoration verlief stets nach dem gleichen Schema. Ihre Mum behauptete mittlerweile sogar, sie hätte ihnen die Sachen nur hinterlassen, weil sie ihrer Schwiegertochter eins auswischen wollte.
Joan hat mich gehasst. Gehasst,Duncan! Vom ersten Augenblick an. Seit ich das erste Mal zu euch gekommen bin und sie die wunderschönen Pfingstrosen, die ich ihr mitgebracht hatte, in eine leere Konservendose gestellt hat.
Keeley mochte den Adventsschmuck, auch wenn auf den ersten Blick nichts zusammenzupassen schien: Leuchtendes Lila fand sich neben Smaragdgrün, Spielzeugroboter im Stil der Achtzigerjahre hingen an bewimpelten Schnüren, und die chinesischen Papierlaternen hätten wahrscheinlich schon vor langer Zeit in Flammen aufgehen sollen. Aber irgendwie ergänzte sich der bunte Mischmasch zu einem kunstvollen Ganzen. Auch Bea, ihre Schwester, hatte die Weihnachtsdekoration geliebt. Nachdem sie genau ausgetüftelt hatte, wie die Silberkugel am besten hing, damit sie sich so symmetrisch drehte, wie es Lizzies Ordnungssinn erforderte, hatte sie stets durchgesetzt, dass sie auf die Leiter stieg und nicht ihr Dad. So war Bea nun mal gewesen: Egal, was sie in Angriff nahm, sie tat es immer voller Begeisterung, aber nie, ohne sich vorher gründlich zu informieren.
Bei dem Gedanken an ihre kleine Schwester wurde es Keeley eng in der Brust. Sie nippte schnell an ihrem Kaffee, bevor der Toaster den großen Crumpet ausspuckte.
Ihre Mum drehte den Kopf, sodass ihre braunen Locken flogen, und schnupperte mit in die Luft gereckter Nase wie ein preisgekrönter Parfümeur. Sie ließ die Kiefernzapfen, die sie mit Farbe besprühte, auf die mit alten Zeitungen bedeckte Arbeitsfläche fallen und fragte: »Was riecht denn hier so?«
»Ist das einer von diesen riesigen Crumpets, die ich gestern gekauft habe?« Duncan, immer noch auf der Leiter und die verspiegelte Kugel in beiden Händen, schaute grinsend auf sie hinunter.
»Ja, genau«, antwortete Keeley, während sie verzweifelt versuchte, den Pfannkuchen in einem St