EINLEITUNGDESVERFASSERS
Westwind erschien erstmalig am Donnerstag, dem 1. März 1990. Mein Tagebucheintrag für diesen Tag vermerkt diese Tatsache folgendermaßen: »Ja,Westwind bekam bei Erscheinen EINE Rezension (imGuardian, eine sehr kleine noch dazu). O Gott. Ein Flop vom ersten Tag an.«
Sie sehen, in den ersten Monaten des Jahres 1990 war ich nicht in einer, wie man heute sagt, »guten Position«, wie meinem Tagebuch aus jener Zeit regelmäßig zu entnehmen ist. Hier zum Beispiel Mittwoch, der 28. Februar: »Ich habe mich heute gefragt, wann wirdWestwind wohl erscheinen? Ich weiß, es war für März geplant, und Bücher werden immer donnerstags herausgebracht. Aber morgen kann es sicher nicht passieren – Barrie& Jenkins (mein damaliger Verlag) hätten sich sonst sicher wg. Publicitymöglichkeiten gemeldet. Und meine Autorenexemplare hätten doch auch schon da sein müssen, oder? Aber als ich nach Hause kam, erwartete mich eine Geschenkflasche Whisky. Da muss es doch wohl morgen sein – mit so wenig Tamtam!«
Es ist leicht, mit Zuversicht auf mein jüngeres Ich zurückzublicken, aber ich fing damals erkennbar an, den Glauben an meine Fähigkeiten zu verlieren und an meiner Zukunft als publizierbarer Autor zu zweifeln. Außerdem schuftete ich mich wund; ich hatte einen Tagesjob in London und versuchte, in der freien Zeit, die mir blieb, Gelegenheit zum Schreiben zu finden. Mein erster Rebus-Roman,Verborgene Muster, war ohne viel Trara 1987 erschienen. Am 12. März jenes Jahres schrieb ich in mein braves Tagebuch: »Ich sollte am Satellitenroman arbeiten, mit anderen Worten anWestwind. Ich arbeite nicht.« Na ja, nicht geradenicht, denn ich feilte noch an dem Spionagethriller, der im folgenden Jahr unter dem TitelDer diskrete Mr. Flint erscheinen sollte. Ich wohnte in Tottenham und arbeitete als Assistent im National Folktale Centre, das damals zum Middlesex Polytechnic gehörte. Das bedeutete, dass ich – ungewöhnlich für London – zu Fuß zur Arbeit gehen konnte. Außerdem hatte ich dort Zugang zu einem Computer, während ich zu Hause immer auf einer lärmenden elektrischen Schreibmaschine herumhämmerte. Nicht, dass der Computer mit seinen großen Floppy Disks mir besonders nützlich gewesen wäre: Ich kannte sonst (meinen Verlag eingeschlossen) niemanden, der einen Computer benutzte. Mein erster Amstrad-Wordprocessor sollte erst einige Zeit später kommen, und das Faxgerät an meinem Arbeitsplatz war so rätselhaft wie die Sphinx.
Ich weiß nicht genau, wie ich auf den Gedanken kam, ein Techno-Thriller sollte mein nächstes Projekt sein.
Verborgene Muster war ein ziemlich traditioneller Whodunit gewesen, undDer diskrete Mr. Flint war ein Spionageroman, beeinflusst von Graham GreenesDer menschliche Faktor.Westwind dagegen sollte mit einem abstürzenden Weltraumshuttle und einem Satelliten mit einer Fehlfunktion anfangen. Jetzt kommt es mir so vor, als hätte ich mich langsam an die Sorte Schriftsteller herangetastet, zu der ich gern gehören wollte. Hoch oben auf der Liste stand: erfolgreich genug, um meinen Tagesjob aufzugeben. Ich hatte es mit dem Kriminalroman und dem Spionageroman versucht, und jetzt probierte ich es mit einem Hightech-Thriller von der Art, die sich palettenweise an Flughäfen und in Bahnhöfen verkaufte. So kam es, dass ich meine Nachbarschaftsbücherei in der Tottenham High Road besuchte und die Bibliothekarin bat, mir alles zu geben, was mit Weltraumshuttles und der Arbeit von Satelliten zu tun hatte. Viele der Bücher, die ich so sammelte, e