Kapitel 1
Zwei Jahre später …
Die Musik elektrisierte meinen ganzen Körper. Mit erhobenen Armen drehte ich mich um die eigene Achse und ließ die Fingerzimbeln im Takt zur Melodie erklingen. Als meine Gruppe sich dem Höhepunkt der Musik näherte, gab die Menge um die Bühne Ooohs und Aaahs von sich. Wir schwenkten die Hüften wild von rechts nach links und ließen sie so schnell kreisen, dass sie in einem Strudel aus Farben zu verschwimmen schienen. Da wir beim Finale so geschwind herumwirbelten, sah das Publikum nur noch Stofffetzen in die Luft schweben und wieder herabfallen, sodass die Perlen und Pailletten auf unseren Kostümen sich im strahlenden Sonnenlicht spiegelten und die Augen der Zuschauer blendeten.
Das Oberteil meines terrakottafarbenen türkischen Badlahs war über und über mit goldenen und silbernen Glitzerpartikeln besetzt. Der Rock bestand aus einem durchsichtigen Seidenstoff, der zum Oberteil passte. An jedem Schenkel war er bis zum Hüftgürtel geschlitzt, um maximale Bewegungsfreiheit mit Sexappeal zu verbinden. In diesem Ensemble kam ich mir exotisch und geheimnisvoll vor. Den oberen Teil meines Haares trug ich hochgesteckt, um den Zuschauern mehr von meinem Gesicht zu zeigen, während der Rest meine Haut umschmeichelte und meinen gesamten Rücken hinab bis zur Taille fiel.
Ich begab mich auf eine Position an der Ecke der Bühne, als ich den Blick zweier funkelnder blauer Augen auffing, die einem großen, blonden Mann gehörten. Sofort war ich fasziniert. Eine Gänsehaut bildete sich auf meiner nackten Haut, und meine Nerven sprühten Funken.
Diese Augen. Ich hatte das Gefühl, als würden sie mir mit ihrem klaren Blick tief in die Seele schauen.
Ich bewegte mich weiter, ließ aber den Unbekannten nicht aus den Augen. Er trug lässige beigefarbene Shorts und ein schlichtes weißes T-Shirt, das über seiner muskulösen Brust spannte. Sein markantes Kinn war unrasiert, was ihn leicht verwegen aussehen ließ, und er hatte die blauesten Augen, die ich je gesehen hatte. Sein Blick flackerte keine Sekunde lang, während ich eine Reihe sinnlich wogender Bewegungen vor ihm vollführte. Wenn überhaupt, wurde er noch intensiver, sodass ein Feuer in ihnen loderte, wie ich es noch nie bei jemandem gesehen hatte.
Ich schloss die Augen, um von diesem heißen Blick nicht verbrannt zu werden, und tat es den anderen Tänzerinnen meiner Gruppe gleich, die die Hände über den Kopf hoben und die letzten Schritte ausführten. Unsere Bauchmuskeln schienen sich beinahe in Lichtgeschwindigkeit zu bewegen, weshalb das Publikum in tosenden Applaus ausbrach.
Nachdem die Musik verklungen war, öffnete ich die Augen wieder und stellte fest, dass der blonde Mann verschwunden war. Der Schmerz fuhr mir tief in meine Eingeweide. Als hätte ich etwas verpasst. Eine Gelegenheit. Einen Ruf. Etwas, das mein Leben für immer verändern würde. Ich schob die Enttäuschung beiseite und nahm meine Position in der Reihe der Tänzerinnen ein, um mit ihnen von der Bühne zu schweben.
Wie immer nach einer gelungenen Aufführung umarmten wir einander ausgiebig. Doch heute waren wir alle etwas wehmütig, da der Abschied nahte. Unter Tränen versicherten wir uns unserer gegenseitigen Zuneigung und Freundschaft und gelobten, einander auf ewig schwesterlich verbunden zu sein.
Dies war unsere allerletzte Aufführung für diese Saison. Während des Winters sollt