ZWEI
In gewisser Weise finde ich das Ganze sogar amüsant. Es ist nämlich beileibe nicht das erste Mal, dass ich gezwungen werde, in einen Kofferraum zu steigen. Von daher beunruhigt es mich weniger, als dieses Arschloch vermutlich denkt.
Aber nicht, dass ich begeistert darüber wäre.
Ich versuche mir zu merken, wie oft wir in welche Richtung abbiegen, aber da ich mich in dieser Stadt so gut wie gar nicht auskenne, gebe ich es nach kurzer Zeit auf und taste stattdessen lieber den Kofferraum nach einer Waffe ab. Er ist vollkommen leer. Ich schaffe es sogar, mich ein Stück aufzurichten und in den Radkasten unter der Matte zu greifen, aber auch da: nichts. Nicht mal ein Reservereifen.
Ich wünschte, ich hätte daran gedacht, einen Blick auf das Nummernschild zu werfen, bevor dieser Typ mich hier reinverfrachtet hat. Das wäre immerhin schon mal etwas, und ich bräuchte mir nicht ganz so dämlich vorzukommen. Aber vorerst bleibt mir nichts anderes übrig, als mich auszustrecken, so gut es geht, und es mir einigermaßen bequem zu machen. Na dann.
Ich habe keine Ahnung, wer der Typ sein könnte. In dieser Stadt habe ich es mir bislang noch mit niemandem verdorben. Alle, denen ich vorher ans Bein gepinkelt habe, sind dreitausend Meilen weit weg, und auch da ist das meiste immerhin so weit geklärt, dass ich nicht das Gefühl habe, ständig einen Blick über die Schulter werfen zu müssen.
Vielleicht ist es einfach mein Karma, und jetzt wird abgerechnet.
Ich habe in meinem jungen Leben schon eine Menge Scheiße gebaut, und solche Dinge lassen sich nicht einfach für immer bereinigen, bloß weil man es gern so hätte. Irgendwann muss man den Tribut ans Universum entrichten. Vielleicht ist es jetzt bei mir so weit.
Im Dunkeln kann man die Zeit schwer abschätzen. Ich habe keine Ahnung, wie lange wir gefahren sind, als der Motor abgestellt wird. Der noch warme Wagen macht ein wiederkehrendesPing-Geräusch, dann höre ich knirschende Schritte, die sich dem Heck nähern.
Die Kofferraumhaube springt auf, und im ersten Moment denke ich, ich sehe nicht richtig. Das kann doch wohl nicht wahr sein! Dass der Typ, der mir eine Waffe vors Gesicht hält, eine lächerliche, dürftig angepinselte Hühnermaske aus Gummi trägt.
Aber die trägt er tatsächlich. In Rot und Gelb und Weiß, mit leeren Augenhöhlen, die mir entgegenstarren.
Dazu einen anthrazitfarbenen Trainingsanzug. Dem Schnitt und dem Stoff nach zu urteilen, sogar einen richtig teuren. Von ihm selbst kann ich bis auf die gebräunte Haut an den Händen nichts erkennen. In der einen Hand hält er einen kleinen silberfarbenen Revolver, und mit der anderen packt er mich und zerrt mich aus dem Kofferraum. Ziemlich kräftig für seine Größe. »Auf die Knie!«, sagt er.
Ich knie mich auf den Asphalt