Margarete mit Mund-Nasen-Schutz und ihrem wichtigsten
Werkzeug als Hebamme: dem hölzernen Hörrohr.
„N. ist da und so süß! Die Geburt war anstrengend, ich hab viel geweint, als sie mich aufgeschnitten haben. Jetzt bin ich erschöpft und warte, dass es Morgen wird und ich meine Tochter endlich kennenlernen kann. Ich darf sie nicht bei mir haben in der Nacht. Wegen der starken Schmerzmittel, die ich während und nach der Operation, die ich lieber nicht gehabt hätte, bekommen habe.“
Das SMS, das die Mutter nach der Geburt ihrer Tochter gerne geschrieben hätte. Roh, ehrlich, ein bisschen enttäuscht. Stattdessen aber hat sie dieses geschickt:
„N. ist da und so süß. Sie wurde mit 3160 Gramm und 51 cm geboren und Mama und Papa sind überglücklich.“
Geschichten zu veröffentlichen – in Buchform oder als Kurznachricht –, die sich um das persönlichste, intimste Erlebnis im Leben von uns Menschen drehen, um die Geburt – das birgt ein gewisses Risiko. Es macht angreifbar, verletzlich. Zu leicht lassen sich Empfindungen und Entscheidungen anderer abtun. Stichwort: Mom-Bashing.
„Also, ich hätte ...“ oder „Sei froh, dass ...“ sind Sätze, die einer (frisch gewordenen) Mutter ganz schön weh tun können. Sie laden Schuld auf die Schultern. Oder sie suggerieren Undankbarkeit, wenn das Kind doch gesund und „nur“ die Geburt nicht ideal verlaufen ist. Dabei, hey, lasst uns ehrlich sein: Wir alle haben eine Meinung zu allem in unserem Leben. Es stört uns, wenn das Essen zu spät serviert wird im Restaurant, wenn der Lack nach einer Pediküre gleich splittert, wenn der Postbote nicht geklingelt hat, obwohl wir den ganzen Tag zu Hause waren ...
Es ist in Ordnung, die Geburt des eigenen Kindes schwierig zu empfinden, damit zu hadern, wie sie gelaufen ist. Frau ist trotzdem dankbar für ein gesundes, kleines Wesen. Na no na ned. Und für die Nicht-Wiener: Klar ist sie dankbar, was glaubst du denn? Dieses Erwachsensein-Dings ist nur äußerst vielfältig. Auch von den Emotionen her.
Seit der erste Band von „Zu Hause geboren“ erschienen ist, hat sich einiges getan. Viele Frauen sind auf mich zugekommen, bei Lesungen oder Veranstaltungen, und haben mir ihre persönlichen Geburtsgeschichten anvertraut. Manche haben dabei fröhlich gelacht, gemeint, es sei bei ihnen zu Hause genauso gut geflutscht. Einige sagten, dass sie sich in der einen