4. Im Tal des Röchelnden Flusses
Ibu Rubiahs Clan wohnte schon immer im Tal des Röchelnden Flusses. Der Zwillingswasserfall stürzte in kurzer Distanz hinter dem Dorf in die Tiefe.
Sie hatten schon etliche Unwetter und auch Waldbrände überstanden, so auch den der vergangenen Nacht. Es war ihnen gelungen, sich vor dem Feuer zu schützen, das von unglaublich starken Blitzen entfacht worden war. Mit Aschewolken hatten sie sowieso Erfahrung und immer einen Vorrat an Tüchern bereitliegen, mit denen sie Mund und Nase schützen konnten.
Der wirkliche Coup aber war, dass sie den Bach, der dem Zwillingswasserfall zuströmte, in einen tiefen Graben umgeleitet hatten, der das Clananwesen von dem Wald trennte. Diese natürliche Barriere war auch als Schutz vor Tigerangriffen gedacht und deshalb mit spitzen Pflöcken versehen, die nur knapp aus dem Wasser herausragten. Das sollte den schwimmfreudigen Raubkatzen die Begeisterung am Bad nehmen. Heute Nacht aber hatte der Graben das Anwesen vor dem sicheren Verderben gerettet.
Die Clan-Mitglieder priesen Ibu Rubiahs Weitsicht, auf deren Vorschlag hin alles derart gesichert worden war. Kein Reisspeicher und keine einzige Ziege waren Opfer der Flammen geworden. Kein Dorfbewohner hatte auch nur leichte Brandwunden erlitten. Nur zwei Babys husteten noch etwas wegen der Rauchbelastung in der Brandnacht und der heißen Wolke, die über sie hinweg gezogen war. Und auch kein unbedeutendes Detail: Die Weberei war verschont geblieben. Die Stoffe, die Ibu Rubiahs Clan in der Gegend berühmt machten, rochen zwar nach Rauch, wie alle und alles hier, aber das war auch schon alles.
Als Pak Siapa am Mittag nach dem Brand das Tal des Röchelnden Flusses erreicht hatte, waren alle schon am Aufräumen. Die Brandsalben und Tinkturen des Kräuterkundigen brauchten sie dennoch. Verletzte Waldmenschen hatten im Dorf Zuflucht gefunden. Aus ihren etwas wirr klingenden Erzählungen konnte er schließen, dass etliche aus dem Clan nicht überlebt hatten. Sie waren vor den Feuern zur Brücke geflohen, die das Tal weiter hinten überspannte und waren dort in den Tod gestürzt. Eine Abordnung war auf Geheiß Ibu Rubiahs bereits unterwegs, um die Toten zu finden und zu begraben.
Doch vielen von ihnen war es gelungen, sich durch das Inferno bis zum Anwesen von Ibu Rubiahs Clan durchzuschlagen. Dort konnten sie ihr rotes Fell im Wassergraben kühlen und waren dann vom Clan aufgenommen worden. Glücklicherweise hatte sich kein Waldmensch an den Pflöcken verletzt.
Die Bäume rauchten noch, als Pak Siapa ankam und die Waldmenschen von Riris Clan untersuchte. Sie saßen alle schweigend mit traurigem Blick in der Mitte des Platzes. Alle fühlten mit ihrer Clanältesten, die ihren Partner Rafin im Feuer verloren hatte, so wie viele andere Angehörige auch. Doch niemand von ihnen war so lange und so innig miteinander verbunden gewesen wie Riri und ihr Rafin.
Riri hatte trotz ihres Alters noch wunderschönes langes rotes Fell, eine halbrunde Schnauze, einen Kranz aus blassrosa Haut um die obere Gesichtshälfte und darunter sehr wache, dunkle Augen, die etwas tief lagen, aber normalerweise aufmerksam über ihre Nase und den Mund schauten. Mit ihren beweglichen Fingern und Füßen konnte sie alles greifen, was in der Nähe war. Ihre breiten Schultern luden nicht dazu ein, sich auf einen schwerwiegenderen Konflikt mit ihr einzulassen. Da würden in i