: Rainer Gross
: Herbst auf Helgoland Roman
: Books on Demand
: 9783753431611
: 1
: CHF 7.40
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 324
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Es wird Herbst auf der Insel. Die Melancholie der kürzer werdenden Tage weckt in Nele die Sehnsucht nach einer eigenen Wohnung. Außerdem wird ihre Freundin Frauke schwanger und braucht sie jetzt. Das Projekt »Familienversöhnung« kommt in Gang, und immer noch ist die Zukunft zwischen ihr und Maik ungewiss. Werden die Dinge wieder ihren eigenen Lauf nehmen? Wird sie, wenn der Winter kommt, in ihrem eigenen Häuschen sitzen bei Tee, Kerzenlicht und Bratäpfeln?

Rainer Gross, Jahrgang 1962, geboren in Reutlingen, studierte Philosophie, Literaturwissenschaft und Theologie. Heute lebt er mit seiner Frau als freier Schriftsteller wieder in seiner Heimatstadt. Bisher u.a. erschienen: Grafeneck (2007, Glauser-Debüt-Preis 2008); Weiße Nächte (2008); Kettenacker (2011); Kelterblut (2012); Die Welt meiner Schwestern (2014); Yûomo (2014); Haus der Stille (2014); Schrödingers Kätzchen (2015); Haut (2015); My sweet Lord (2016); Die sechzigste Ansicht des Berges Fuji (2017); In der fernen Stadt (2017); Räucherstäbchenjahre (2018); Der Teehändler (2019); Lebkuchenstadt (2020); Ein Nachmittag am Bondi Beach (2020); Flieg zum Regenbogen (2020); Im Herz aller Dinge (2020); Frühling auf Helgoland (2020); Sommer auf Helgoland (2020); Der Globetrotter (2021).

1. Kapitel:
Nachsommer


Der September war angebrochen. Morten musste zurück auf See. Nele verabschiedete sich herzlich von ihm. Sie hatte den Kapitän auf dem Trockenen über den Sommer ins Herz geschlossen. Er würde ihr fehlen. Frauke brachte ihn hinunter zum Hafen. Als sie zurückkam, stieg sie gleich in ihr Arbeitszimmer und ließ sich bis zum Abendessen nicht blicken.

Dann kam sie herunter und klopfte an Neles Wohnungstür. Sie weinte ein bisschen in Neles Arm, und Nele versuchte sie zu trösten.

»Ach, ist doch alles Scheiße!«, flennte Frauke. »Was sollen die ganzen drei Monate, wenn ich dann den Rest des Jahres wieder allein bin?«

»Ja, lass den ganzen Frust mal raus!«, meinte Nele.

»Ach, ich hab’s so satt«, beklagte sich Frauke. »Ich weiß nicht, wie lange ich das noch mitmache!«

»Ich leide mit dir«, sagte Nele. »Lass uns was machen, was uns guttut.«

»Was denn?«

»Einen Film gucken zum Beispiel. Aus der Konserve«, schlug Nele vor.

»Der weiße Hai«, knurrte Frauke. »Das wäre das richtige Kontrastprogramm!«

»Aber da kommen Kapitäne drin vor.«

»Wenn ich auch nureine Kapitänsmütze sehe, kriege ich einen Heulkrampf!«, drohte Frauke.

»Dann lass uns denHobbit anschauen. Den letzten Teil kenne ich noch nicht.«

Zu zweit schauten sie sic